Die Stars machen Kunst

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Am 13. Mai starten die Filmfestspiele von Cannes

In diesem Jahr werde ein richtig guter Film die Festspiele in Cannes eröffnen, das versprach der künstlerische Leiter Thierry Frémaux bei der Ankündigung von "La Tête Haute". Nachdem 2014 mit dem klischeebeladenen Leinwand-Bonbon "Grace of Monaco" genau das Gegenteil zu sehen war, bedeutet dies nun die Abkehr vom Mainstream hin zum Arthaus, eine Frau statt einem Mann auf dem Regiestuhl sowie ein universelles Thema statt oberer Zehntausend. Das Sozialdrama "La Tête Haute" von Emmanuelle Bercot erzählt die Geschichte eines jugendlichen Straftäters, den Jugendrichter und Sozialarbeiter vor seinem endgültigen Abdriften ins kriminelle Milieu retten wollen. Die Rolle der Richterin übernahm Catherine Deneuve - für Glamour ist also bei der Premiere am 13. Mai auf dem roten Teppich gesorgt.

Die Auswahl des Eröffnungsfilms (außer Konkurrenz) steht richtungsweisend für den diesjährigen Wettbewerb. Das Festival 2015 setzt auf internationales, anspruchsvolles Kino von 17 Regisseuren und zwei Regisseurinnen, die zum Großteil schon von sich reden gemacht haben. Jenseits des Mainstreams erzählen sie thematisch weitgefächerte Geschichten und können dabei zur Freude der Fotografen in Cannes in der Besetzungsliste mit großen Namen aufwarten. Ein Erfolgsrezept, das den ausgewählten Filmen nicht nur die Aufmerksamkeit vieler weiterer Festivals sichert, sondern auch zu überdurchschnittlich vielen Kinostarts der Beiträge führt. In Deutschland fanden bei einer ähnlichen Auswahl aus dem Jahr 2014 fast alle Filme einen Verleiher für die große Leinwand und schließlich auch für das Heim-Kino.

Auch 2015 hören sich die angekündigten Beiträge vielversprechend an. In Justin Kurzels Version von "Macbeth" macht allein die Paarung Michael Fassbinder und Marion Cotillard in den Hauptrollen neugierig. Der US-Regisseur Todd Haynes holte Cate Blanchett für die Titelrolle der Patricia-Highsmith-Verfilmung "Carol" vor die Kamera, und der Kanadier Denis Villeneuve drehte mit Emily Blunt und Benicio Del Toro den Thriller "Sicario" (übersetzt: Killer). Gus van Sant schickt in dem Mystery-Drama "Sea of Trees" Matthew McConaughey in einen Selbstmörder-Wald am Fuße des Mount Fuji in Japan, wo er Ken Watanabe trifft, der dasselbe vorhat.

Es fällt auf, dass viele Regisseure in diesem Jahr ihre Geschichten nicht in ihrem Heimatland und nicht in ihrer Muttersprache erzählen. So drehte etwa Paolo Sorrentino ("Oscar" für "La Grande Bellezza") unter anderem in London mit alten Herren wie Michael Cane und Harvey Keitel einen Film über die Jugend: "Youth". Sein Landsmann Matteo Garrone ("Gomorrha") präsentiert mit "Tale of Tales" einen Fantasy-Horror-Film mit Vincent Cassel und Salma Hayek. In Englisch, aber sicherlich trotzdem nicht ganz leicht verständlich, bringt der Grieche Yorgos Lanthimos seine Geschichte aus einer verstörenden Zukunft auf die Leinwand: Singles, die in einer bestimmten Zeit keinen Partner finden, werden in "The Lobster" in Tiere verwandelt. Das könnte unter anderem Colin Farrell und Rachel Weisz passieren.

Der große Mr. Cool des französischen Kinos ist 2015 auch wieder dabei: Jacques Audiard ("Der Geschmack von Rost und Knochen") erzählt in "Dheepan" von einem tamilischen Separatisten aus Sri Lanka, der nicht mehr kämpfen will und nach Paris flieht. Fans von Hirokazu Kore-Eda bekommen mit "Our Little Sister" (einem von drei asiatischen Wettbewerbsfilmen) vielleicht ein neues Meisterwerk des japanischen Regisseurs zu sehen. Alte Hasen wie Nanni Moretti und Newcomer László Nemes aus Ungarn komplettieren den bunt gemischten Wettbewerb, in dem aus hiesiger Sicht mal wieder nur eines fehlt: ein deutscher Beitrag.

Quelle: teleschau - der mediendienst