Mein Herz tanzt

Mein Herz tanzt





Zwischen den Kulturen

Mit feinfühligen, anrührenden Filmen wie "Die syrische Braut" (2005) und "Lemon Tree" (2008) hat Regisseur Eran Riklis in der Vergangenheit von sich reden gemacht. In der internationalen Co-Produktion "Mein Herz tanzt" widmet er sich erneut dem Thema kulturell geprägter Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern. Sein Film beruht auf dem halb-autobiografischen Buch "Dancing Arabs" des in New York lebenden Kolumnisten Sayed Kashua. Der wuchs als Araber in Israel auf, verließ aber am Ende desillusioniert seine Heimat.

Eyad (Tawfeek Barhom) wächst im Israel der 80er-Jahre auf und ist ein Wanderer zwischen den Welten: Seine Familie gehört zu den 20 Prozent der in Israel lebenden Araber. Als erster und einziger Palästinenser wird er an einer Elite-Schule in Jerusalem angenommen, denn Eyad ist ein schlauer Junge. Nur seine kulturelle Zugehörigkeit macht es ihm schwer, die eigene Identität zu behaupten. Das unbeschwerte, westlich geprägte Treiben auf dem Campus des Internats passt nicht so recht zu seinem Leben in einer traditionellen Familie in einer von Arabern bewohnten Kleinstadt.

Und doch versucht Eyad, sich seinen jüdischen Mitschülern und der israelischen Gesellschaft anzupassen. Er will nicht die gleichen Fehler machen wie sein Vater, der sich als Terrorist einst seine Zukunft verbaute. Bald freundet sich Eyad mit Yonatan (Michael Moshonov) an, der wegen Multipler Sklerose im Rollstuhl sitzt. Auch er ist ein Außenseiter wie Eyad. Und dann ist da noch dieses Mädchen, Naomi (Danielle Kitzis), das in seine Klasse geht. Eine unmögliche Liebe, denn Familie und Freunde dürfen nichts davon erfahren. Am Ende trifft Eyad, sichtlich gereift, eine folgenreiche Entscheidung ?

Eran Riklis und Sayed Kashua schrieben das Drehbuch zu diesem leisen, reflektierten Film gemeinsam und erzählen unaufgeregt, aber auch humorvoll die bewegende Geschichte einer Identitätssuche und Selbstfindung im Kontext permanenter Diskriminierung. Als Eyad einmal zum Spaß auf der Straße mit Naomi arabisch spricht, überprüft ein Polizist sofort seine Personalien. Als er Arbeit sucht, bekommt er immer nur Jobs als Tellerwäscher. Das ändert sich erst, als er sich einen jüdischen Vornamen zulegt.

Trotz solcher Szenen, die Regisseur Riklis gänzlich unparteiisch inszeniert, ist "Mein Herz tanzt", der auch mit einem stimmigen Schauspieler-Ensemble überzeugt, ein utopisch anmutendes Plädoyer für Toleranz und gegenseitige Akzeptanz; ein leiser und doch entschiedener Appell für Frieden in Zeiten kämpferischer Auseinandersetzungen. Vermutlich bleibt der Film eine cineastische Utopie. Getreu dem Motto: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Quelle: teleschau - der mediendienst