Yvonne Catterfeld

Yvonne Catterfeld





Das Comeback der Sängerin

Yvonne Catterfeld ist zurück aus der Babypause. Und das als Sängerin. Die ersten drei Alben der schönen Thüringerin erreichten allesamt Platz eins oder zwei der deutschen Albumcharts. Doch das ist lange her, zehn bis zwölf Jahre. Bevor Catterfeld mit Schauspielkollege Oliver Wnuk das nunmehr einjährige Söhnchen bekam, hatte sie fast nur noch als Schauspielerin gearbeitet. Von einstigen Superstar-Versprechungen, die die junge Catterfeld nicht nur wegen ihrer äußeren Ähnlichkeit in die Nähe einer Romy Schneider rückten, blieb zuletzt eine eher unauffällige Schauspielkarriere. In der zweiten Staffel der etwas anderen Musikshow "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert" (ab 19.05., dienstags, 20.15 Uhr, VOX) kehrt eine durchaus nachdenkliche 35-Jährige zurück ins Rampenlicht und zu ihren Wurzeln. Was treibt sie an? Es ist die Liebe zur Musik und der Wunsch, sich frei von Zwängen des Show Business einfach nur auszudrücken. Im Anschluss an die Show, in deren erster neuer Folge Catterfelds Songs im Mittelpunkt stehen, folgt das Doku-Format "Die Yvonne Catterfeld-Story" (21.15 Uhr).

teleschau: In den letzten Jahren hat man Sie fast nur als Schauspielerin gesehen. Bedeutet die Teilnahme an "Sing meinen Song", dass es ein Comeback der Musikerin Yvonne Catterfeld geben soll?

Yvonne Catterfeld: Zunächst mal war meine Teilnahme eine bewusste Entscheidung für dieses Format. Als ich zum ersten Mal "Sing meinen Song" sah, habe ich das Ganze gar nicht verstanden. Ich sah die Stars auf der Couch und wartete die ganze Zeit auf Casting-Teilnehmer, die jetzt die Songs dieser Stars nachsingen. Und dann meinte meine Mutter, mit der ich das schaute: "Nee, da kommt keiner mehr. Das ist es schon!" Ich finde es sensationell, dass bei dieser Show nur die Musik eine Rolle spielt. Deshalb habe ich als Musikfan und Sängerin sofort zugesagt.

teleschau: Würden Sie allein aufgrund der Beschreibung des Formats darauf kommen, dass das ein Quotenknaller war?

Catterfeld: Nein, niemals (lacht). Musiker, die gegenseitig ihre Songs covern und darüber reden, hört sich nach fieser Selbstdarstellung und extrem "nerdig" an. Man könnte meinen, dass sich niemand außerhalb des Musikerkosmos dafür interessiert, aber die Sache berührt und funktioniert. Ich fand die erste Staffel großartig. Ich saß daheim, fühlte mich aber, als säße ich auch schon auf dieser Couch in Südafrika. So einladend war das Ganze, so nah und authentisch. Dass viele Programmmacher vorher allerdings richtig skeptisch waren, zeigt die Tatsache, dass es viele Jahre dauerte, bis die Idee tatsächlich von einem Sender umgesetzt wurde.

teleschau: Normalerweise heißt es, im TV performte Musik sei Quotengift. Warum war es bei "Sing meinen Song" anders?

Catterfeld: Vielleicht weil diese Musik abseits von einem PR-Auftrag aufgeführt wurde. Und man spürt, was diese Sendung und jeder Auftritt mit jedem einzelnen macht. Ich glaube, auch die Zuschauer vor dem Fernseher spüren, ob da jemand auftritt, der kurz seine neue Platte bewerben soll oder ob da Leute stehen, die wirklich gemeinsam Musik machen wollen. Und der Spannungs- und Überraschungsfaktor ist natürlich groß.

teleschau: Aber natürlich gibt es auch hier eine Marketing-Maschinerie. Alle Künstler aus "Sing meinen Song" konnten durch Ihr Mitwirken in der Show deutlich mehr Musik verkaufen. Außerdem werden die in der Show aufgeführten Coverversionen ja ebenfalls verkauft ...

Catterfeld: Ist heutzutage nicht alles letztendlich Marketing? Es gibt eben Formate, hinter denen Kalkül und reine Zahlen und solche, hinter denen Macher mit Emotion und Leidenschaft stecken. Dennoch - wenn man das mit Shows vergleicht, in denen man sonst Musik vorgesetzt bekommt, ist es eine ganz andere Authentizität, die bei "Sing meinen Song" rüberkommt. Man spürt sowohl als Musiker als auch als als Zuschauer die Interaktion, die dort stattfindet. Es ist eine Show, in der auch ganz viele Masken fallen.

teleschau: Liegt nicht ein großer Anteil des Erfolges ohnehin in der Psychologie dieser Aufführung? - Man singt ein Lied, das zu einem anderen gehört, der da direkt vor der eigenen Nase sitzt ...

Catterfeld: Ich glaube auch, dass genau das einen besonderen Kitzel hervorruft. Auch bei mir selbst. Für mich war dies die größte Herausforderung. Die Situation ist intim, aber sie macht einem emotional natürlich gehörigen Druck. Man weiß nie, wann man dran ist und auf die Bühne gerufen wird. Und dann singt man ein Lied, und der, dem das eigentlich gehört, sitzt da direkt vor deiner Nase - neben anderen Musikern, die man kennt. Man spürt auch sofort, ob das, was man macht, dem anderen gefällt. Selbst wenn der andere sich Mühe gibt, so zu tun, als würde es ihm gefallen, spürt man es trotzdem, wenn es nicht so ist. Musik ist wahnsinnig emotional. Und die Show schafft es, dieses Emotionale so heraus zu kitzeln, dass es beim Zuschauer ankommt. Das ist, glaube ich, das Erfolgsgeheimnis von "Sing meinen Song".

teleschau: Wie kann man sich das vor Ort vorstellen? Lebt man mit anderen Musikern in dieser südafrikanischen Villa wie in einer WG?

Catterfeld: Ja, so ungefähr. Wobei es jedem selbst überlassen ist, wie sehr er sich da einbringt. Ich bin extra etwas früher nach Südafrika gekommen, um mich ein wenig einzuleben. Aber an den Produktionstagen haben wir dort in der Villa zusammengewohnt, und das hatte auch durchaus etwas mit einer WG zu tun. Wir hatten echt Spaß!

teleschau: Wie viele Gedanken haben Sie sich im Vorfeld über die Interpretation der Songs gemacht? Was man aus Südafrika sieht, müsste bei nur fünf Produktionstagen ja schon in Deutschland gut vorbereitet worden sein?

Catterfeld: Natürlich bereitet man sich vor. Die Song-Auswahl passierte schon Monate vorher. Da wählt man jene Titel aus, die man gerne von den anderen Sängern covern möchte. Das Großartige daran ist, man darf die Songs machen, wie man will. Ein großer Teil der Lorbeeren gehört übrigens unserer hervorragenden Liveband. Die Musiker kommen, so weit ich weiß, zum Teil aus dem Umfeld der Söhne Mannheims. Mit dieser Band und ihrem musikalischen Direktor bereitet man die eigenen Auftritte vor. Da ich ja einen kleinen Sohn habe, war es anfangs etwas schwierig, das vor Ort in Mannheim zu tun. Wir haben deshalb zunächst mehr als vier Stunden am Stück geskypt und erst mal nur Ideen ausgetauscht.

teleschau: Und wie entsteht daraus dann die Coverversion, die Sie in der Show singen?

Catterfeld: Da unser Rohmaterial nur die Melodie und der Text sein würden, habe ich alle ausgewählten Songs a capella so vorgesungen, dass der Bandleader versteht, wie ich es gerne singen möchte: Tonart, Rhythmus, stilistisch. Bei den meisten Songs hatte ich gleich bei der Auswahl eine klare musikalische Vision, bei einigen haben wir lange gesucht. Später gab es dann auch noch richtige Proben in Mannheim und natürlich in Südafrika. Spannend und absolut wichtig für die Idee der Show ist natürlich, dass die anderen Musiker deine Proben nicht mit bekommen. Darauf wurde sehr geachtet: Die Überraschung, wenn sie das gecoverte Lied hören, ist echt. Anders würde die Show nicht funktionieren.

teleschau: Ist es denn nun so, dass Sie über die Show ihre Musikkarriere wieder neu ankurbeln wollen?

Catterfeld: Das war zumindest nicht mein Ziel oder treibender Motor, mitzumachen. Aber ich spüre, dass ich gern auf diese Art und Weise Musik machen möchte, mit einer solchen Band und so, wie ich vielleicht sonst nicht die Gelegenheit habe. Ich habe weder ein brandneues Album am Start, noch werde ich mich beeilen, nach der Show schnell eins zu machen. Sicher kamen Leute auf mich zu, die sagten: "Mensch, das musst du nutzen!" Aber das ist nicht mein Ding. So möchte ich nicht mehr arbeiten. Es sei denn, die innere Notwendigkeit ist danach so groß, gleich neue Songs schreiben zu wollen. Jetzt versuche ich erst mal, nur eine schöne Zeit mit der Musik zu verbringen und es auf der Bühne zu genießen. Alles andere kommt von alleine oder eben nicht.

teleschau: Das klingt jetzt sehr defensiv!

Catterfeld: Ich bin seit längerer Zeit raus aus der Idee, musikalisch kommerziell abliefern zu müssen. Mir reicht es schon, wenn ich es auf der Bühne in Südafrika schaffe, meine zweifellos vorhandene Nervosität abzuschütteln und gute Musik nach draußen zu schicken. Sicher gibt es in meinem Kopf die Idee, musikalisch nicht nur zu Hause zu sitzen. Es gibt einen Motor in mir, der will das nicht aufgeben. Ich weiß nicht, wie es anderen Musikern geht - aber bei mir ist Musik eine ständige Suche. Ich will mich weiterentwickeln und immer wieder neue Ideen ausprobieren. Die Idee, einfach nur etwas Erfolgreiches abzuliefern, reizt mich überhaupt nicht mehr.

teleschau: Sie sind vor einem Jahr Mutter geworden. Bei vielen Menschen ändert das die Einstellung zu vielen Dingen des Lebens. Auch bei Ihnen?

Catterfeld: Zunächst mal, so ging es zumindest mir, will man ja nichts anderes, als Zeit mit seinem Kind verbringen. Ich hätte auch locker ein Jahr ganz zu Hause bleiben können. Wenn es aber etwas gibt, das bei mir richtigen Enthusiasmus entstehen lässt, und so war es bei "Sing meinen Song", dann weiß ich auch, dass es gut ist, dem nachzugehen. Enthusiasmus äußert sich bei mir auch sehr körperlich (lacht). Ich habe mittlerweile eine gute Intuition, was ich machen möchte und was nicht. Das Elternsein relativiert vieles im Leben. Ich bin auf jeden Fall gelassener geworden, wenn es um die so genannten Anforderungen der Unterhaltungsbranche geht. Alles, was man da macht, ist letztendlich vergänglich - trotz Aufzeichnung und Wiederholung (lacht).

teleschau: Auf welche Künstler, die Sie in "Sing meinen Song" treffen, haben Sie am meisten Lust?

Catterfeld: Es war niemand dabei, den ich bei unserem ersten Treffen unsympathisch fand. Im Gegenteil. Es war gleich eine gute Energie zwischen uns, es schien eine vielversprechende Kombi zu werden. Ich habe mich auf die "Prinzen" und ihre Songs gefreut, weil ich deren Texte tatsächlich immer sehr gut und lustig fand. Und weil ich bei denen sofort eine Vision hatte, was und wie ich es machen möchte. Außerdem hatten wir schon mal zusammen für Udo Lindenberg an einem gemeinsamen Projekt gearbeitet. Die Musik der Prinzen war damals in der Tat neuartig. Andreas Bourani, den ich mal über Philipp Poisel kennengelernt habe, war für mich eine sehr angenehme Überraschung. Der ist nicht nur ein toller Sänger mit einer unglaublich warmen Stimme, sondern auch ein ebenso warmherziger Mensch. Und dann natürlich Xavier Naidoo, weil er der Grund war, warum ich damals anfing, auf Deutsch zu singen. Ich hatte immer schon wahnsinnig viel Respekt vor ihm. Für mich ist Xavier der beste Sänger, den wir in Deutschland haben.

Quelle: teleschau - der mediendienst