Denis Moschitto

Denis Moschitto





"Ich habe ein bisschen randaliert"

Denis Moschitto (37) ist der Insasse Erdem Azimut in der neuen Gefängnis-Sitcom "Im Knast" (sechsteilig, ab 21. Mai, donnerstags, 22.45 Uhr, ZDFneo). Der kleinkriminelle TV-Häftling würde gerne ein harter Gangster sein, hat dafür jedoch ein viel zu großes Herz. Einzig sein rauer deutsch-türkischer Straßenslang lässt ihn ansatzweise gefährlich erscheinen. Ein Gespräch mit Moschitto über die Parallelen seiner Knast-Rolle zu seiner eigenen Jugend in Köln-Bickendorf, seinen fürs Schauspiel mühsam abtrainierten "Asi-Sprech", seine Familie als moralische Instanz, schnellen Erfolg und den Wunsch nach Anonymität.

teleschau: Denis Moschitto, in der neuen Gefängnis-Sitcom "Im Knast" spielen Sie Erdem, der mit deutsch-türkischem Straßenslang für Lacher sorgen soll. Haben Sie einen Lieblingssatz von ihm?

Denis Moschitto: Es gibt viele Sätze von Erdem, die sich sogar schon in meinen alltäglichen Sprachgebrauch eingeschlichen haben. "Du Hund!", zum Beispiel. Das sagt Erdem ja gerne mal.

teleschau: Es heißt, viele von Erdems Sprüchen wären Ihnen selbst eingefallen. Sie hätten beim Spielen einfach improvisiert.

Moschitto: Das stimmt. Die Figur Erdem hatte ich schon lange im Kopf. Ich habe immer wieder nach einer Möglichkeit gesucht, sie irgendwo einzubauen und zu spielen. Irgendwann habe ich mich dann mit dem "Im Knast"-Regisseur Daniel Siegel unterhalten und ihm gesagt: Ihr kriegt mich, wenn ich Erdem sein und auch die Texte für ihn schreiben darf. Als ich den Job dann hatte, habe ich die Rolle beim Spielen einfach laufen lassen, war sofort voll drin und habe Sachen gesagt, über die ich im Nachhinein selbst nur noch lachen konnte.

teleschau: Sie haben mal gesagt, Sie hätten sich am Anfang Ihrer Schauspielkarriere Ihren "Asi-Sprech aus Köln-Bickendorf" mühsam abtrainiert. War die Arbeit an "Im Knast" nun wie eine Reise in die Vergangenheit? In Ihre Jugendzeit?

Moschitto: Das wäre etwas zu viel gesagt. Ich hatte damals diesen klassischen "Sch"-und-"Ch"-Fehler, den ja viele junge Leute haben und pflegen. Und zugegeben, ich hatte auch eine etwas ungehobelte Art, mich auszudrücken. Aber Erdem macht schon noch weit mehr als das. Er ist ein kleiner Dummkopf, hat aber ein großes Herz.

teleschau: Er ist zu lieb und nett, um der harte Gangster sein zu können, der er gerne wäre. Kennen Sie das Phänomen aus eigener Erfahrung?

Moschitto: Ja, das ist schon auch ein bisschen meine persönliche Geschichte. Ich war früher eigentlich auch nie hart genug, um bei den Spielchen der großen Jungs mitspielen zu können. Ich habe allerdings auch gemerkt, dass viele Menschen, die man vordergründig als gefährlich einstufen möchte, an sich von Grund auf sympathisch sind.

teleschau: Haben Sie ein Beispiel?

Moschitto: In Berliner HipHop-Kreisen erlebt man das immer wieder, bei Leuten wie Alpa Gun oder Eko Fresh. Das sind alles sehr herzliche Menschen.

teleschau: Ein Stückweit verwundert es nun schon, dass Sie die Rolle des Erdem spielen. Schließlich wollten Sie, wie Sie es nannten, "nie mehr der 'Migrantenhans' sein."

Moschitto: Erdem ist in meinen Augen nicht der typische "Migrantenhans". Es wird auch nie wirklich thematisiert, dass er Türke ist. Ich habe grundsätzlich auch nur dann Probleme mit einer Rolle in deutschen Filmen, wenn ich jemanden spielen soll, dessen Migration als Problem dargestellt wird. Das gibt es ja immer wieder zu sehen: Ständig müssen im Film türkische Jungs ihre Schwestern verheiraten. Das ist das eine Extrem. Das andere ist, wenn Migranten im Film plötzlich deutscher sind als jeder Deutsche und nur noch Kartoffeln essen und solche Sachen. Das ist doch grotesk und schießt komplett an der Realität vorbei.

teleschau: Erdems einzige negative Seite ist seine Kleinkriminalität: etwa Autodiebstahl und Alkohol am Steuer. Durch seine Taten erhofft er sich, ein "richtiger Knast-Mann" zu werden. Sind Sie als Jugendlicher selbst mal unangenehm aufgefallen?

Moschitto: Zunächst mal bin ich sehr behütet aufgewachsen. Meine Eltern haben sich immer sehr um meine Schwester und mich gesorgt. Ich bin eben nur in einem Stadtteil groß geworden, in dem es auch mal ruppig zugehen konnte. Dort musste man sich erst mal positionieren. Und aufgrund meiner Statur - ich bin ja nicht gerade der Größte oder der Breiteste - hatten sich gewisse Rollen automatisch erledigt. Ich habe damals einfach nur aufgepasst, dass ich durch diese Zeit irgendwie durchkomme, ohne auf die Fresse zu bekommen. Das ist mir, denke ich, auch ganz gut gelungen.

teleschau: Was hat Ihnen beim "Durchkommen" geholfen? Ihre Cleverness? Irgendwelche Tricks?

Moschitto: Als clever würde ich mich im Nachhinein nicht unbedingt bezeichnen. Ich habe damals schon auch den einen oder anderen Blödsinn verzapft.

teleschau: Welche Art von Blödsinn? Ab und zu mal was geklaut?

Moschitto: (lacht) Diebstahl war tatsächlich nie dabei. Es gab aber eine Phase, in der ich ein bisschen randaliert habe. Wir haben einfach auf der Straße abgehangen und dort rumgepöbelt.

teleschau: Und was hat Sie vor Schlimmerem bewahrt?

Moschitto: Was mich vielleicht gerettet hat, war meine Angst vor Gewalt. Es gab Leute, die sich sehr über Gewalt profiliert und darin ihre Identität gesucht haben. Ich fand das immer nur abstoßend. Ich hatte nie Freude daran, mich zu prügeln, hätte auch niemandem ins Gesicht schlagen können. Und meine Schwester war damals auch sehr hilfreich für mich.

teleschau: Inwiefern?

Moschitto: Ich habe mir in bestimmten Situationen vorgestellt, dass sie neben mir steht, und dann habe ich mich gefragt: Was würde sie an meiner Stelle jetzt wohl tun? Mir war die Meinung meiner Schwester immer sehr wichtig. Vor ihr und vor meinen Eltern hätte ich mich sehr geschämt, wenn mich irgendwann womöglich die Polizei nach Hause gebracht hätte.

teleschau: Ein klein wenig gegen das Gesetz Ihrer Eltern waren Sie damals ja schon: Sie haben ihnen gegenüber vorgetäuscht, zur Uni zu gehen und zu studieren, obwohl Sie längst das Schauspielern angefangen hatten.

Moschitto: Ja, wobei das bei mir ja auch keine Gangsterkarriere eingeläutet hat (lacht).

teleschau: Ihre Eltern haben es Ihnen sicherlich auch bald verziehen - schließlich kam der Erfolg als Schauspieler schnell. Sie spielten bald die großen Rollen in zig Kino- und Fernsehproduktionen ("Süperseks", "Kebab Connection", "Chiko", "Zweiohrküken"; Anm.d.Red.) - aber plötzlich hörten Sie damit auf, nahmen nur noch wenige Rollen an. Wie kam es zur Veränderung?

Moschitto: Ich war irgendwann an den Punkt gekommen, an dem ich mir sagen musste: Das ist nicht mehr das, was ich mal machen wollte. Ich hatte die Möglichkeit, bei nahezu jedem Film mitzumachen und das ganze Jahr über wie ein Irrer zu drehen. Und mal abgesehen davon, dass mich das nicht glücklich gemacht hätte, war die Qualität der Produktionen auch nicht immer die beste. Oft waren die Filme, die mir angeboten wurden, sehr flach. Also habe ich angefangen, mir die Rosinen rauszupicken, um die Freude am Schauspiel nicht zu verlieren.

teleschau: Kam bei Ihnen kein "Höher-schneller-weiter"-Drang auf, wie es bei vielen jungen Schauspielkollegen und -kolleginnen der Fall ist? Keine Erfolgssucht?

Moschitto: Ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit tut mir schon gut, und im Mittelpunkt zu stehen, fühlt sich auch immer irgendwie toll an. Aber eben nur für einen bestimmten Zeitraum. Es ist doch so: Man bekommt eine Hauptrolle in einem Kinofilm, arbeitet hart und wird am Ende gefeiert - das war's. Danach geht wieder alles von vorne los, und man strampelt sich erneut für den Applaus ab. Das brauche ich nicht dauerhaft.

teleschau: Könnten Sie auf Ihre Bekanntheit generell verzichten?

Moschitto: Prominenz hat gewisse Vorzüge, erhöht aber auch die Erwartungen der Leute. Manchmal würde ich gerne rausgehen und einfach nicht erkannt werden.

teleschau: Wann wurde Ihnen das Erkanntwerden zuletzt zur Last?

Moschitto: Neulich war ich im Krankenhaus und habe meinen Vater besucht. Plötzlich tauchten ein paar Leute vor mir auf und wollten ein Foto mit mir. Scheinbar hatte sich keiner von ihnen gefragt, ob das dort der richtige Rahmen dafür ist.

Quelle: teleschau - der mediendienst