Bruno Maccallini

Bruno Maccallini





Der nette Italiener von nebenan

Jeder hat sein Kreuz zu tragen. Bruno Maccallinis ist eine Kaffee-Werbung aus den 90-ern, in der er seiner Nachbarin bei einem Cappuccino erklärt: "Isch abbe gar keine Auto, Signorina." Mit diesem Satz begann eine "bella storia", berichtet der aus Avezzano stammende Italiener strahlend. Sie brachte ihm nicht nur Bekanntheit und Sympathiepunkte in Deutschland, sondern auch einige Schauspielrollen ein. Der Film "Das schönste Geschenk meines Lebens" machte seinem Titel 2003 für Maccallini alle Ehre: Bei den Dreharbeiten lernte er Jutta Speidel kennen und lieben. Für die Münchnerin verließ er seine Ehefrau sowie seine Heimat und führte elf Jahre lang eine leidenschaftliche Beziehung ohne Trauschein. Über ihre wilde Ehe führten der 55-Jährige und die fünf Jahre ältere Schauspielerin Buch. Sie veröffentlichten unter anderem die autobiografischen Romane "Wir haben gar kein Auto : Mit dem Rad über die Alpen" sowie "Zwei Esel auf Sardinien", die für das ZDF verfilmt wurden. Die Verfilmung des letztgenannten sendet das ZDF am Sonntag, 24. Mai, 20.15 Uhr. Sie zeigt das ehemalige Liebespaar im turbulenten Urlaub auf der italienischen Insel. Warum ihre Beziehung scheiterte, wieso er Deutschland so liebt und Klischees über Italiener hasst, erzählt "der nette Italiener von nebenan" beim Interview in München.

teleschau: Sie haben lange in Deutschland gewohnt und sind nun in Ihre Heimat Italien zurückgekehrt. Haben Sie Deutschland in all den Jahren lieben gelernt oder fiel Ihnen die Rückkehr nach Italien leicht?

Bruno Maccallini: Ich mag Deutschland sehr. Es ist zu meiner Heimat geworden. Hier in München fühle ich mich zu Hause. Die Atmosphäre, die Leute ... Gestern lief ich durch den Englischen Garten - es war traumhaft! Ich finde das Dolce Vita mittlerweile mehr hier in München als in Italien.

teleschau: Sie Schmeichler! Das können Sie nicht ernst meinen.

Maccallini: Doch, das ist mein Ernst, denn in Italien stecken wir in einer großen Depression. Das beste italienische Essen finde ich hier in München und nicht in Rom. Die nettesten Menschen und die besten Freunde habe ich ebenfalls hier getroffen. Und meine große Liebe war eine Deutsche. Eine Blondine. (lacht)

teleschau: Was ist denn besonders an deutschen Frauen?

Maccallini: Deutsche Frauen haben mehr Temperament als Italienerinnen. Es stimmt nicht, dass Italienerinnen temperamentvoller sind. Höchstens im Süden, zum Beispiel in Kalabrien oder auf Sizilien ist das der Fall. Viele Italienerinnen sind hingegen träge und sehr faul. Jutta hat vielleicht sogar ein kleines bisschen zu viel Temperament. Denn Jutta ist ein Zug, ein Vulkan, eine Turbine. Aber ich brauche eine Lokomotive. Und deutsche Frauen sind Lokomotiven.

teleschau: Sie könnten sich also vorstellen, sich wieder in eine deutsche Frau zu verlieben?

Maccallini: Warum nicht? Ich bin momentan Single.

teleschau: Flirten Sie wie ein waschechter Italiener oder sind Sie eher zurückhaltend wie ein Deutscher?

Maccallini: Ich flirte gerne, aber ich nehme das nicht so ernst. Wenn ich eine schöne Frau sehe, habe ich keine Hintergedanken, sondern freue mich, in Kontakt mit ihr zu treten und ein bisschen Süße in den Alltag zu bringen. Ich bin da ganz spontan und habe dann einfach Lust, mich zu unterhalten.

teleschau: Was macht eine schöne Frau aus?

Maccallini: Eine schöne Frau erkennt man an ihren Augen und an ihrer Ausstrahlung. Die Schönheit sprudelt von innen aus ihr heraus und ist nicht nur eine äußere Hülle.

teleschau: In "Zwei Esel auf Sardinien" spielen Sie gemeinsam mit Ihrer Ex-Partnerin Jutta Speidel. Der Film basiert auf dem gleichnamigen, autobiografischen Roman. Waren Sie beide wirklich so schlimm und haben sich den ganzen Tag im Wechsel gestritten und versöhnt?

Maccallini: Ja, wir stritten immer (lacht). Aber natürlich ist es auch ein Film, und manches ist überspitzt dargestellt. Aber rund 60 Prozent entsprechen der Wahrheit. Wir waren auf Sardinien wegen der Hochzeit meines Cousins, und anstatt die Zeit an der Costa Smeralda im Luxushotel zu verbringen, saßen wir auf zwei Eseln.

teleschau: Sie sind wirklich auf zwei Eseln durch die Pampa geritten?

Maccallini: Ja.

teleschau: Aber ist tatsächlich das Klischee eingetreten, dass zwei Italiener Ihr Auto gestohlen haben?

Maccallini: Nein. Ich mag keine Klischees. Diese Stelle ist die einzige, die ich im Film nicht so gut finde. Denn nicht alle Italiener sind Diebe. Vor allem kann man auf Sardinien kein Auto klauen. Es ist eine Insel, wohin soll man damit abhauen? In Wirklichkeit gab es damals am Flughafen bei unserer Ankunft einen Streik, sodass wir weder unser Gepäck noch den bestellten Mietwagen bekamen. So standen wir da, und ein Schäfer bat uns deshalb an, eine Nacht bei ihm zu bleiben. Ich fragte ihn: "Aber wie sollen wir zu Ihnen nach Hause kommen? Wir haben gar kein Auto!" (lacht) Da deutete er auf die beiden Esel, die er bei sich hatte. Das ist die wahre Geschichte.

teleschau: Sie sagten, Sie mögen keine Klischees. Aber einige stimmen doch in Bezug auf Deutsche und Italiener, oder nicht?

Maccallini: "Die Deutschen lieben die Italiener, aber sie schätzen sie nicht - die Italiener schätzen die Deutschen, aber sie lieben sie nicht." Das ist ein Klischee, das teilweise stimmt. Es gibt auch viele Italiener, die sagen: "Die Deutschen sind toll, aber unterkühlt." Ich gehöre allerdings nicht zu den Italienern, die so denken, sondern ich liebe und schätze die Deutschen. Ich kenne sehr viele warmherzige Deutsche. Wahrscheinlich sogar mehr als Italiener.

teleschau: Und welches Klischee haben wir Deutschen von den Italienern im Kopf, das nicht stimmt?

Maccallini: Die Deutschen glauben, dass wir alle immer nur Pasta essen und unserer Mutter am Rockzipfel hängen. Doch es gibt sehr viele, bei denen das überhaupt nicht zutrifft.

teleschau: Im Grunde ergänzen sich Italien und Deutschland doch gut, oder?

Maccallini: Deutschland und Italien sind zusammen eine sehr gute Mischung. Besser als die Kombination mit Spanien oder Frankreich. Wir sind wie Geschwister. Kartoffeln mit Tomaten sind für mich die perfekte Mischung.

teleschau: Kartoffeln mit Tomaten sind eine gute Mischung?

Maccallini: Ja! Mein "Bruno-Salat" besteht aus Kartoffeln, Tomaten, Butter und Spargel. Aber es muss weißer Spargel aus Bayern sein! Das ist mein Lieblingsrezept.

teleschau: Kochen Sie gerne?

Maccallini: Ja, aber ich kann es nicht so gut wie Jutta. Sie macht zum Beispiel ein fantastisches Osso buco. Aber ich koche meistens Pasta.

teleschau: War es nicht wahnsinnig schwer, mit der Ex-Partnerin so eng zusammenzuarbeiten?

Maccallini: Ja, aber so ist das Leben. Wir sind jetzt gute Freunde. Jutta war die Liebe meines Lebens. Es ist natürlich schade, dass wir kein Paar mehr sind, denn wir waren Komplizen. Wir haben eng zusammengearbeitet, gemeinsam Bücher geschrieben und viele Projekte zusammen gemacht. Aber vielleicht war es zu viel. Wir brauchten eine Pause. Ich liebe Jutta noch immer und sie mich, aber wir sind wie die beiden Esel im Film.

teleschau: Arbeiten Sie an einem neuen Buch zusammen?

Maccallini: Nein. Momentan haben wir beide andere Prioritäten. In den letzten Jahren habe ich meine Tochter etwas vernachlässigt, und sie braucht mich jetzt vor Ort in Rom. In zwei, drei Jahren rücken Jutta und ich vielleicht wieder enger zusammen. Menschlich, nicht als Liebespaar.

teleschau: Wie sehr nervt es Sie, dass Sie nach über 20 Jahren noch immer auf den Kaffee-Werbespot und den Satz "Ich habe gar kein Auto" angesprochen werden?

Maccallini: Jeder muss sein Kreuz tragen. Und mein Kreuz ist wie ein großes Abenteuer, denn durch diesen Spot bin ich zu einer Werbeikone geworden und werde sogar heute noch von ganz jungen Menschen, die bei der Ausstrahlung noch gar nicht geboren waren, darauf angesprochen. Deshalb ist diese Werbung kein Problem, sondern eine bella storia. Dadurch wurde ich so etwas wie "der nette Italiener von nebenan". Ich habe damit ein bisschen das Klischee im Kopf der Deutschen vom stereotypen Italiener verändert.

teleschau: Wie ist denn der stereotype Italiener?

Maccallini: Naja, der klischeehafte Casanova.

teleschau: Das sind Sie nicht?

Maccallini: Nein, ich bin zurückhaltender, netter und kleiner - und manche sagen auch: charmanter.

Quelle: teleschau - der mediendienst