Mad Max: Fury Road

Mad Max: Fury Road





Schwimmen im Benzin

Das postapokalyptische Szenario ist stets ein ungemein dankbares. Wenn die Gesetze und die Mobiltelefone abgeschafft sind, wenn es keine lebendigen Städte und keine Moral mehr gibt, hat der Drehbuchautor quasi maximale Freiheit. Immer geht es dann in Filmen und Serien vorrangig auch um die Gewalt, die dem losgelassenen Menschen ganz offensichtlich einfach innewohnt. Ein bisschen aber auch um eine besondere Form von Romantik, die sich aus dem Schlichten, dem Anarchischen nährt. Die "Mad Max"-Reihe (1979 bis 1985) war so etwas wie die Mutter der postapokalyptischen Welten.

Jahrzehnte wurde über eine Fortsetzung spekuliert. Nun, nicht weniger als 30 Jahre nach "Mad Max - Jenseits der Donnerkuppel", kommt mit "Mad Max: Fury Road" tatsächlich der vierte Teil in die Kinos. Ohne Mel Gibson, der in allen bisherigen Filmen die Titelrolle spielte. Der sagte bereits vor rund zehn Jahren seine Mitwirkung an einem potenziellen neuen Projekt ab, unter anderem weil er sich zu alt für die Rolle fühlte. Man könne mit ihm ja stattdessen "Fat Max" drehen, scherzte er.

Doch George Miller, Schöpfer der Reihe und Regisseur, ließ sich von der Absage Gibsons nicht beeindrucken und wählte mit dem 37-jährigen Briten Tom Hardy einen actionerfahrenen Nachfolger aus. Der unterschrieb nicht nur für einen Film. Im Erfolgsfall soll es gar deren drei geben. Wer nun "Mad Max: Fury Road" gesehen hat, wird kaum Zweifel hegen: Zwei weitere Abenteuer rund um diesen etwas anderen Outlaw sind ohne Frage denkbar - und wünschenswert.

Miller verfasste gemeinsam mit Teil-eins-Autor Nico Lathouris und Brendan McCarthy ("Turtles", 1990) das Drehbuch zu der dem Vernehmen nach rund 100 Millionen Dollar schweren US-Produktion. Zwei wesentliche Vorgaben sind sichtbar: Zum einen trifft Film vier den Ton seiner immerhin schon jahrzehntealten Vorgänger. So ist "Fury Road" mit Blick auf Teil zwei und drei der Reihe ein echter "Mad Max"-Film, auch wenn der Hauptdarsteller ausgetauscht wurde. Zum anderen sollte es ganz offensichtlich richtig knallen - und zwar dauerhaft. George Miller inszenierte einen Film, in dem einzig und allein die Action den Ton angibt. Im Grunde ist "Fury Road" eine einzige riesige, zwei Stunden andauernde Verfolgungsjagd, in der es kaum Zeit zum Verschnaufen gibt. Alles ist laut, alles ist wild, alles ist schnell - immerzu. Alle sind tätowiert oder irgendwie sonst bemalt. Nur geredet wird denkbar wenig.

Mad Max, tatsächlich immer noch der alte Max Rockatansky, verschlingt erst einmal eine zweiköpfige Eidechse und blickt in die Ferne. Er hat nach allen Erlebnissen beschlossen, allein durch die Wüsten der Postapokalypse zu ziehen. Doch trifft er dort nach einigem Wirrwarr auf eine Gruppe von Flüchtlingen in einem Kampfwagen, der von Furiosa (Charlize Theron) gesteuert wird. Die imposante Herrscherin ist auf der Flucht vor dem Tyrannen Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne), nachdem sie ihm etwas ausnehmend Wertvolles gestohlen hat: fünf Frauen, die Mütter einer neuen Generation sein sollen. Eine von ihnen ist gar schwanger. Immortan Joe nimmt die Verfolgung auf, und Max gerät - wieder einmal eher unfreiwillig - mitten hinein in einen Bandenkrieg, der ausschließlich mit skurrilen Fahrzeugen und im Hochgeschwindigkeitstempo ausgetragen wird.

Das lässt "Fury Road" zwar zu einem ungeheuer anstrengenden, aber eben auch sehr unterhaltsamen Film werden, zumal die Verantwortlichen mit einer Reihe origineller Ideen inmitten des eher stupiden Plots immer wieder für Abwechslung sorgen. So wird Immortan Joe mit seiner Bande von einem imposanten Leadgitarristen angeführt, der vorne auf einen Truck geschnallt ist. Und dem vermutlich vorwiegend männlichen Zielpublikum werden mit den fünf Frauen (unter anderem Rosie Huntington-Whiteley, Riley Keough und Zoë Kravitz) eben auch fünf äußerst knapp bekleidete Supermodels serviert.

Schade nur, dass die hohen Schauwerte und die Dauer-Action eben auch ihren Preis einfordern. Die bisherigen "Mad Max"-Filme hatten stets auch einen gesellschaftspolitischen Hintergrund und taugten gleichsam als interessante Vision einer sozialen Unordnung, in der eben jeder Stärkere seine Macht diktatorisch missbraucht. In "Fury Road" ist das nicht anders. Nur steht das eben ganz und gar nicht mehr im Zentrum des Films. Nicht mehr die Sehnsucht nach Freiheit ist der Treibstoff. Jetzt geht es nurmehr ums Benzin.

Quelle: teleschau - der mediendienst