Aurel Manthei

Aurel Manthei





"Klar hacke ich Holz!"

Einen "Landkrimi mit Schmunzelgarantie" nennt Schauspieler Aurel Manthei selbst das Krimi-Format "Mordshunger - Verbrechen und andere Delikatessen". Der 40-Jährige ermittelt in den Filmen als Provinz-Polizist Max Janssen in allen Fällen, die ihm sein Heimatdorf beschert - die nnächste Folge "Wilder Westen" ist am Montag, 18. Mai, 20.15 Uhr, im ZDF zu sehen. Ein Gespräch mit dem Wahl-Münchner über ein Leben zwischen Marmelademachen und Motorradfahren, der Sehnsucht nach einem "Bauernhof in der Stadt", die Pflichten eines Familienvaters und das Brüllen beim Fußball als Belohnung.

teleschau: Herr Manthei, steigt der HSV in dieser Saison ab?

Aurel Manthei: (lacht) Ich bin ja wirklich leidensfähig, und das schon seit 1982. Aber jetzt ist die Lage wirklich prekär. Ich hoffe, Bruno Labbadia wird es richten, und alles wird sich zum Guten wenden.

teleschau: Ihre Vorliebe für den HSV ist bekannt. Wie weit geht Ihr Fan-Dasein? Gucken Sie nur ab und an mal ein Spiel im Fernsehen, oder gehen Sie regelmäßig ins Stadion?

Manthei: Beides. Da ich am Wochenende aber meistens arbeiten muss und Vorstellungen im Theater habe, komme ich immer seltener ins Stadion. Und seit ich in München gestrandet bin, war ich erst zweimal in diesem Schlauchboot (gemeint ist die Münchner Allianz Arena, d.Red.) beim Spiel FC Bayern gegen den HSV, und beide Male hat es für meinen Verein ein extrem schlechtes Ende genommen. Ich werde mir also gut überlegen müssen, ob ich da noch mal hingehe (lacht).

teleschau: Sind Sie beim Fußball ein Brüller oder ein stiller Analytiker?

Manthei: Ich bin schon eher ein Brüller, rege mich auf und komme heiser nach Hause. Ist wirklich so.

teleschau: Fußball ist nur eines Ihrer Hobbys. Ein anderes ist das Motorradschrauben und -fahren. Typisch Mann, möchte man sagen.

Manthei: Klingt sehr klischeehaft, das stimmt schon. Aber nebenbei habe ich ja auch noch drei Kinder, bin ständiger Windelwechsler und Babykotzewegwischer. Ich stehe immer früh auf, schmiere Butterstullen für den Kindergarten, koche - das volle Programm. Und das kombiniert mit meinen archaischen Männerhobbys ergibt wohl eher das gängige Bild vom heutigen modernen Mann.

teleschau: Es heißt, Sie hätten ganze zehn Maschinen zu Hause.

Manthei: Zurzeit sind es nur acht. Ab und zu muss ich eine verkaufen, weil der Platz doch eng wird. Ich gehe dann durch die Garage und fälle die notwendigen Entscheidungen.

teleschau: Und womit verbringen Sie mehr Zeit: schrauben oder fahren?

Manthei: Tatsächlich stehe ich mehr in der Werkstatt und restauriere, als dass ich fahre. Ich fahre oft mit dem Motorrad zur Arbeit oder in die Stadt. Lange Ausfahrten mit Kumpels sind aber eher selten, was natürlich schade ist.

teleschau: Und wenn, dann mit Übernachtung in der Natur am Lagerfeuer?

Manthei: Das kommt schon vor, ja. Aber wie gesagt, leider nicht sehr häufig.

teleschau: Apropos Natur: Sie haben ja erst kürzlich gesagt, als es um die Frage ging, Stadt oder Land, dass Sie sich fürs Land entscheiden würden. Warum denn?

Manthei: Auf dem Land ist die Luft einfach besser, und es gibt viel Platz - nicht nur für alte Motorräder. Ich bin aber schon auch ein Großstadttyp. Das Optimum wäre für mich ein Bauernhof in der Stadt. Das geht natürlich nicht, weshalb ich einen Platz am Rand der Stadt für meine Familie und mich gefunden habe, wo wir einerseits viel Grün sehen, andererseits aber auch eine schnelle Anbindung zum Zentrum haben.

teleschau: Sie leben am Rand von München. Wie muss man sich Ihr Zuhause vorstellen?

Manthei: Wir haben einen schönen Garten mit Apfelbäumen und einen mit Kopfsteinpflaster gemachten Hof. Dort steht übrigens meine neueste Errungenschaft: ein alter VW-Bulli. Damit fahre ich mit den Kindern immer Eis holen, und jeder freut sich, wenn er uns sieht.

teleschau: Sieht man Sie auch bei der Gartenarbeit?

Manthei: Klar! Ich hacke Holz, pflanze Blumen, mache auch gerne mal Marmelade ein und stehe allgemein oft in der Küche. Ein guter Ausgleich zur Arbeit am Theater und fürs Fernsehen.

teleschau: Was ist Ihr Spezialgericht?

Manthei: Ich mag es grundsätzlich eher deftig. Für Salate ist meine Frau zuständig, ich mache eher Gulasch, Buletten, Brathähnchen und Rouladen.

teleschau: Nach Kochbuch oder frei Schnauze?

Manthei: Auf jeden Fall frei Schnauze. Wenn's nichts ganz und gar Ausgefallenes ist, kriegt man das ja immer irgendwie auf die Reihe.

teleschau: Sind Sie generell jemand, der viel auf Improvisation setzt?

Manthei: Schon, ja. Bei mir ist immer viel Improvisation und Intuition im Spiel. Ich lese zum Beispiel nie Bedienungsanleitungen - auch nicht, wenn ich mir einen Ikea-Bausatz gekauft habe. So schwer ist das doch alles nicht.

teleschau: Klingt sehr nach Max Janssen, den Sie in "Mordshunger" spielen.

Manthei: Ja, wobei Max nicht so viel Verantwortung hat wie ich. Klar, er hat seinen Polizei-Job, aber außer seiner Schwester und seiner Tochter, die ja eher ein Unfall war und heute weit weg in Münster studiert, hat er keine wirkliche Familie, um die er sich kümmern muss.

teleschau: Einen "Landkrimi mit Schmunzelgarantie" haben Sie das Format mal genannt. Warum ist das in Ihren Augen womöglich besser als so mancher Stadt-Krimi?

Manthei: Ich weiß gar nicht, ob es besser ist, aber durch das Ländliche haben wir doch ein paar mehr Möglichkeiten, skurrile Typen einzubringen. Die gibt es in der Stadt natürlich auch, aber auf dem Land kommen sie miteinander schneller auf eine persönliche Ebene, weil sich dort ja alles auf einer persönlichen Ebene bewegt. Die Figuren sind sich schon sehr lange sehr nah, viele sind zusammen aufgewachsen, was das Ganze sehr interessant macht.

teleschau: Die neue "Mordshunger"-Folge "Wilder Westen" kommt ganz ohne Leiche aus

Manthei: Was ich ganz toll finde. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen kann man ja aktuell sehr viele Leichen sehen. Wir auf dem Land brauchen aber keine. Wir könnten vielleicht sogar eine spannende Geschichte erzählen, wenn der einzige Zigarettenautomat geknackt werden würde.

teleschau: Sollten sich andere Krimi-Formate ein Beispiel daran nehmen? Ist das deutsche Krimi-Fernsehen allgemein unnötig brutal?

Manthei: Kann sein. Es ist eben das Einfachste: Hat man eine Leiche, hat man einen Fall. Das ist seit mehr als 50 Jahren das gängigste Krimi-Strickmuster. Wir müssen das nicht grundlegend ändern und plötzlich in seichte, kitschige Geschichten abdriften. Aber wenn es eine gute Geschichte gibt, ist eine Leiche mehr oder weniger doch eigentlich nebensächlich.

teleschau: Können Sie sich derzeit eine noch reizvollere Rolle als die des Max Janssen vorstellen?

Manthei: Unser Beruf bringt es ja mit sich, dass erst mal alle Rollen reizvoll sind. Im Fernsehen ist die Figur des Max Janssen aber schon eine, mit der ich sehr zufrieden bin. Von mir aus könnte diese schöne Sache auf dem Land noch ewig weitergehen. Mir macht sie unheimlich viel Spaß.

teleschau: Wie wäre es denn mit einer Ermittlerrolle in einem neuen Provinz-"Tatort"?

Manthei: (lacht) Wozu? Ich spiele doch schon Max Janssen in "Mordshunger"!

Quelle: teleschau - der mediendienst