Elmar Wepper

Elmar Wepper





"Manchmal auch glücklich"

Mit dem Nachnamen Wepper verbanden die meisten Menschen jahrzehntelang den Vornamen Fritz. Doch spätestens mit seiner beeindruckenden Leistung in Doris Dörries "Kirschblüten - Hanami" 2007 bewies Elmar Wepper, dass er sich hinter seinem älteren Bruder nicht zu verstecken braucht. Auch privat ließ sich der 70-Jährige Zeit: Erst 2004 läuteten die Hochzeitsglocken für den gebürtigen Augsburger, der einen Sohn aus einer früheren Beziehung hat. Umso mehr ist der Schauspieler heute mit sich im Reinen und denkt noch lange nicht ans Aufhören. In dem ZDF-Krimi-Drama "Zwei allein" (Montag, 11. Mai, 20.15 Uhr) spielt er einen verzweifelten Ehemann, der sich mit einer schweren Erkrankung seiner Frau auseinandersetzen muss.

teleschau: Das Drama "Zwei allein" sollte ursprünglich "Die schwarze Hand Gottes" heißen. Welcher Titel passt besser zur Handlung?

Elmar Wepper: Es geht um Liebe, Sühne, Vergeltung. Um die Tragik, wie gut Gemeintes genau das Gegenteil bewirken kann, und auch um Religion, die aber nicht im Vordergrund steht. Es geht darum, das Leben auch eingebettet zu sehen in Gottes Hand oder an ein Schicksal geheftet, das man nicht beeinflussen kann. Die Hand Gottes ist eben nicht nur eine gütige, helfende, schützende, fürsorgliche, sondern auch die Hand, die einen am Ende nimmt und man weiß: Jetzt ist es vorbei.

teleschau: Also trifft es "Zwei allein" besser?

Wepper: Ja. "Die schwarze Hand Gottes" klingt reißerisch. Es geht um die Verbundenheit zweier Menschen, die in einer Situation sind, die sich keiner wünscht. Wo das Schicksal droht, diese Zweisamkeit aufzubrechen und zu zerstören. Dabei sind sie als Paar quasi hilflos. Sie stehen alleine da. Beide spüren, dass das, was ihr Leben und Glück ausgemacht hat, nicht mehr sein wird.

teleschau: Im Film bringt Benedikt seine todkranke Frau um. Können Sie diese extreme Art von "Sterbehilfe" nachvollziehen?

Wepper: Es ist eine Extremsituation. Friedrich Ani, der das Drehbuch geschrieben hat, gelingt es grandios, diesen Mann zu zeigen: den Busfahrer, den Normalbürger, der fast schon spießig mit seiner Frau glücklich lebt. Plötzlich droht dieses Glück, zerstört zu werden. Benedikt wird mit dem drohenden Verlust nicht fertig und er sucht nach einem Ausweg - und findet einen ganz ungewöhnlichen. Die Verzweiflung treibt ihn dahin. Wir können natürlich jetzt sagen: Wie kann man so was machen? Aber hey, was weiß man, wie man handelt, wenn man so traumatisiert ist? Er glaubt, ihr Erlöser zu sein. Das Schlimmste für ihn ist, sie leiden zu sehen. Deshalb sucht er nach einer Möglichkeit, sie von dem Leid zu befreien.

teleschau: Was würden Sie tun, wenn Sie in so einer Situation steckten?

Wepper: Dann wäre das kein Weg. Ich würde erst mal versuchen, herauszufinden, ob es nicht doch eine Heilungsmöglichkeit gäbe. Aber genau kann keiner sagen, wie er reagieren würde. Wenn man weiß, dass die Person, die man liebt, gehen muss, oder man selbst vom Arzt solch eine Diagnose bekommt, denkt man vielleicht jetzt: Ich habe keine Angst und werde stark sein. Aber wenn es soweit ist, weiß man nicht wie man tatsächlich reagieren würde - mit solchen Aussagen muss man vorsichtig sein.

teleschau: Viele Menschen haben nach der Diagnose einer lebensbedrohlichen Krankheit den Impuls, schnell noch alles zu erleben, was sie schon immer machen wollten. Wäre das bei Ihnen auch so?

Wepper: So sehe ich mich selbst nicht. Es wäre nicht mein Impuls, etwas aufzuholen, was eigentlich gar nicht aufholbar ist. Die Dinge, die wichtig und schön sind oder die man immer machen wollte, die haben ihre Zeit. Und das wäre dann nicht die richtige Zeit, sondern das wäre ein manisch-panischer Versuch, sich noch irgendwie das an Lebensqualität zu holen, was keine Lebensqualität mehr hat. Ich glaube, man sollte versuchen, die Zeit, die einem dann noch bleibt, so "normal" wie möglich zu verbringen. Vielleicht etwas achtsamer und verbunden mit den Menschen, die einem wichtig sind. Und man sollte sich auf seinen Abgang vorbereiten, aber nicht denken: "I wanna have it all and I wanna have it now." So lebensgierig alles an sich zu raffen, das wäre nicht gut.

teleschau: Henriette sagt im Film: "Das Leben ist noch nicht vorbei." Bei Ihnen hat man auch das Gefühl, dass Sie sagen: "Ich bin noch lange nicht fertig!" Stimmt das?

Wepper: Ich habe nicht den Drang, dass ich bestimmte Sachen noch erleben oder dahin oder dorthin reisen muss. Auch beruflich denke ich jetzt nicht: Mein Gott, diese Rolle muss ich unbedingt noch spielen. In diese Richtung kratzt mich überhaupt gar nichts. Ich bin sehr zufrieden und manchmal auch glücklich. Das sind so Momente. So wie ich auch das Privileg habe, gesund zu sein und dass der familiäre Rahmen stimmt. Ich habe einen wunderbaren Sohn, einen großartigen Enkel und eine fantastische Frau. Leider ist vor Kurzem unser Hund gestorben. Ich habe meine Hobbys und meinen Beruf, den ich ausüben kann ... ad infinitum. Denn es gibt auch 90-Jährige, die gespielt werden müssen. Ich werde durch nichts gezwickt, das ich noch machen muss.

teleschau: Ihr großes Glück - sowohl beruflich als auch privat - trat erst in der zweiten Lebenshälfte ein.

Wepper: Ja, viele Dinge haben sich erst dann sehr glücklich gefügt. Aber ich empfand mein Leben eigentlich immer als erfüllt und lebenswert. Ich fühle mich so privilegiert, dass ich mich manchmal geniere, wie gut ich's erwischt habe, ganz im Ernst. Ich habe erst spät geheiratet nach zehnjähriger Beziehung. Aber ich denke, nach so langer Zeit kann die Entscheidung für die Ehe ja nicht verkehrt gewesen sein.

teleschau: Was ist Ihr Ehegeheimnis, um die Liebe zu bewahren?

Wepper: Es ist nicht einfach. Das Kuriose in unserer aufgeklärten Zeit, in der man prinzipiell sehr nüchtern und differenziert und weitreichend denkt, ist, dass man dies bei der Partnersuche nicht ist. Sondern man denkt romantisch und sucht jemanden, zu dem man sich hingezogen fühlt. Meist steht dabei erst mal das Körperliche im Vordergrund. Dann kommt man in eine Phase, in der man Kinder kriegt und das Familienleben im Vordergrund steht. Die Beziehung, ja, auch die Liebe verändert sich. Man stellt fest, dass vielleicht alles nicht mehr so einfach ist, und es bauen sich Sehnsüchte, unerfüllte Wünsche auf. In solchen Momenten muss man diese Veränderungen im Zusammenleben sehr achtsam wahrnehmen und sich mit dem Partner austauschen. Man muss miteinander wachsen und sollte aufmerksam und respektvoll miteinander umgehen. Hilfe, jetzt klinge ich schon wie ein Eheberater, das ist ja grauenvoll! (lacht)

teleschau: Sind Sie ein Romantiker?

Wepper: Ja! Unbedingt! Wir sind beide sehr romantisch und sind zum Beispiel Kerzenanzünder.

teleschau: Wie haben Sie den Antrag gemacht?

Wepper: Ach, den habe ich ganz kitschig gemacht. Zwar ohne Niederknien, aber ich habe vorher bei meinem Schwiegervater ganz offiziell um die Hand seiner Tochter angehalten.

Quelle: teleschau - der mediendienst