Peter Heinrich Brix

Peter Heinrich Brix





Mehr Original geht nicht

Früher arbeitete er tagsüber im Stall und stand abends auf den Brettern der Niederdeutschen Bühne in Flensburg: Peter Heinrich Brix, Bauer und Freizeit-Schauspieler. Vor gut 25 Jahren hängte Brixi, wie er von Freunden und Kollegen genannt wird, den erlernten Beruf an den Nagel, ging nach Hamburg und ließ sich auf das Abenteuer Profi-Schauspielerei ein. Durch Kultserien wie "Großstadtrevier" oder "Neues aus Büttenwarder" wurde er bald zu einem der beliebtesten Mimen norddeutscher Zunge. Neben Jan Fedder und Bjarne Mädel gibt es eigentlich nur Brix, wenn es heißt: "Da brauchen wir jemand mit nordischer Identität, Kante und Trockenheit." Am 13. Mai wird der Charakterkopf aus der Nähe von Flensburg 60 Jahre alt. Dem NDR-Fernsehen ist das am Folgetag ein fast vierstündiger Themenabend wert.

"Der nordische Humor ist so trocken, weil das Klima hier oben so feucht ist", sagte einmal Jan Fedder, den mit Peter Heinrich Brix mehr verbindet als die langen gemeinsamen Jahre in den Serien "Großstadtrevier" und "Neues aus Büttenwarder". Beiden Männern, die heute als Inbegriff des Norddeutschen im TV gelten, war der Schauspielberuf keineswegs in die Wiege gelegt. Fedder wuchs in einer Kneipe auf St. Pauli auf, Brix auf einem Bauernhof bei Flensburg. Bodenständig nennt man das wohl. Und weil beide das einfache Leben außerhalb seiner künstlerisch-dramaturgischen Bearbeitung kennen, sind sie wohl das geworden, was man Volksschauspieler nennt.

Peter Heinrich Brix kam am 13. Mai 1955 als Sohn eines Landwirtes in Flensburg zur Welt. Der elterliche Betrieb war schon seit Generationen im Besitz der Familie, weswegen sich Brix bis heute schwer tut, das Land aufzugeben. Seit 20 Jahren beschäftigt er auf seinem Hof einen Angestellten, der diesen Flecken schleswig-holsteinsche Erde mit seiner Familie bestellt. "Ich wollte einen bewirtschafteten Hof erhalten, denn ich habe ihn selbst nicht geschaffen", sagt Brix. "Aber er kann keine zwei Familien ernähren. Das war damals schon klar, als ich Schauspieler wurde - und nur unter dieser Prämisse ist mein Meister dort hingezogen. Ich wusste eigentlich, dass ich nicht zurückkehren kann."

Der für einen Bauern etwas verrückt klingenden Entscheidung, den erlernten Beruf aufzugeben, um sich als Schauspieler durchzuschlagen, waren etliche Jahre an der Niederdeutschen Bühne in Flensburg vorangegangen. "Dort hatte ich mir als Laie sehr schnell die Welt erobert - soweit die Welt dort oben eben reicht" erinnert sich der nunmehr fast 60-Jährige. "Das war meine Schauspielausbildung. Curt Timm, der damals dort Intendant und Regisseur war, hat den Laden ganz hervorragend geführt. Er war er ein toller Regisseur, wie ich ihn danach nur noch ganz selten erlebt habe. Von ihm habe ich sehr viel gelernt."

Jener Curt Timm war es auch, der Brix empfahl, es als Schauspiel-Profi zu versuchen. "Das war so, als hätte mir jemand gesagt, ich solle Astronaut werden. So weit war das damals weg." Aber die Doppelbelastung, Star einer Amateurbühne zu sein und einen Betrieb zu bewirtschafteten, laugte Brix immer mehr aus. "Ich schlief kaum noch, war ständig unterwegs - total im Stress. Ich hatte auch Verantwortung für meine Lehrlinge und wusste, dass ich etwas verändern muss." Ende der 80-er ging der Landwirt mit Sonderbegabung dann schließlich nach Hamburg. "Ich fing mit 34 Jahren noch mal ein neues Leben an. Ich hielt mich mit Theater und kleinen Synchronarbeiten über Wasser. Trotzdem war es eine tolle Zeit, ein aufregender Neuanfang. Das ging natürlich nur, weil ich keine Kinder hatte und für niemanden außer für mich selbst verantwortlich war."

1993 spielte Peter Heinrich Brix zum ersten Mal im "Großstadtrevier" mit. Seit 1995 war er fest im Ensemble. Bis zu seinem freiwilligen Abschied 2010, als er die Rolle für auserzählt hielt. Ab Mitte der 90-er etablierte sich Brix immer mehr als TV-Liebling, wo man dem kantigen Mann abnahm, dass er offensichtlich echtes Leben geatmet hatte. Über seinen Bauern "Adsche" Tönnsen, den er seit 1997 in der bäuerlichen NDR-Comedy "Neues aus Büttenwarder" spielt, sagt der produzierende Sender: "Adsches innere Ruhe liegt auch darin begründet, dass er nicht - wie so viele von uns - ziellos herumstreift auf der Suche nach einem erfolgversprechenden Plan." Tatsächlich gibt es derzeit kaum einen im TV, der den Stoiker so gut gibt wie Brix.

Neben "Großstadtrevier" und "Büttenwarder" spielte Peter Heinrich Brix von 2003 bis 2014 an der Seite von Ottfried Fischer auch den Kommissar in "Pfarrer Braun" - bis der Bayer die Filmreihe wegen seiner Parkinsson-Erkrnakung aufgab. Doch Brix kann auch als Solo-Held bestehen - beispielsweise in modernen Heimatfilmen wie "Butter bei die Fische" (2009), "Fischer fischt Frau" (2011) oder der Krimikomödie "Der Mann der alles kann" (2012). Die wiederholt der NDR nun zu Brix' 60.

Dass der Jubilar dort ausgerechnet das Abendprogramm von Christi Himmelfahrt füllen darf, kann durchaus als Wertschätzung für die Beliebtheit des Originals gewertet werden. Um 20.15 Uhr zeigt das nordische Dritte zunächst zwei klassische Folgen "Neues aus Büttenwarder" ("Vatertag", 20.15 Uhr, und "Knopfhase", 20.40 Uhr). Danach lässt NDR-Autorin Cornelia Quast ihre Geburtstags-Doku "Peter Heinrich Brix - Ein Mann mit Charakter" vom Stapel. Um 22.10 Uhr folgt das 15 Minuten Stück "Brixi - mich gibt`s nur zweimal", in dem Schauspieler Brix auf seine Kultrolle Adsche Tönnsen trifft. Die Wiederholung der Krimikomödie "Der Mann der alles kann" (2012) beschließt den langen Brix-Abend.

Warum es für ihn als Schauspieler geklappt habe - wurde der Mann mit dem klaren Blick einmal gefragt. "Ich hatte Glück, eine unbändige Spielfreude und einen starken Willen. In dieser Reihenfolge. Die Leute merken schnell, wenn Darstellung und Realität nicht übereinstimmen. Gerade im Volkstheater oder bei den sogenannten Volksschauspielern." Bei Peter Heinrich Brix scheinen Darstellung und Realität selbst in schwächeren Filmen auf faszinierende Art fast eins zu sein. Weswegen man den Mann in der deutschen TV-Landschaft keinesfalls missen möchte.

Quelle: teleschau - der mediendienst