Avengers: Age of Ultron

Avengers: Age of Ultron





Der selbstgemachte Feind

"Alles ist eine Nummer größer", hatte Chris Hemsworth versprochen. Der Australier spielt im neuen "Avengers"-Film "Age of Ultron" den Hammergott Thor. Zusammen mit seinen Kollegen Captain America (Chris Evans), Iron Man (Robert Downey Jr.), Hulk (Mark Ruffalo), Hawkeye (Jeremy Renner) und Black Widow (Scarlett Johansson) muss der Superheld mal wieder die Welt retten. Dabei bekommen es die Superhelden aus dem Marvel-Kinokosmos mit einem hausgemachten Problem zu tun: Tony Stark alias Iron Man hat eine künstliche Intelligenz auf die Welt losgelassen, die von der Menschheit nicht besonders viel hält. Und ja: Der 3D-Actionfilm löst das Versprechen von Chris Hemsworth ein. Und zwar so richtig. Allerdings geht im Getöse von "Avengers: Age of Ultron" vieles unter, was die bisherigen Marvel-Actionfilme auszeichnete: Ironie und Lässigkeit.

Dass es wieder ordentlich krachen würde, daran ließ auch Joss Whedon im Vorfeld keinen Zweifel: "Visuell ist Teil zwei noch gewaltiger als der erste Avengers-Film", hatte der Regisseur garantiert. Aber ganz ehrlich: Man fühlt sich ziemlich schnell erschlagen von diesem Film der visuellen Superlative. Ohne Vorwarnung geht's gleich mit einer ausufernden Action-Sequenz los, in der zwei neue Antagonisten der Avengers eingeführt werden: die Maximoff-Zwillinge Wanda (Elizabeth Olsen) und Pietro (Aaron Taylor-Johnson) aus dem osteuropäischen Sokovia.

Die Geschwister, die ihre Eltern durch eine Bombe aus der Waffenschmiede Tony Starks verloren, wurden von der Geheimorganisation Hydra genetisch optimiert. Ihre Kampfnamen sind Quicksilver und Scarlet Witch: er ist schneller als das Licht, sie kann Gedanken manipulieren. Damit haben die Avengers nicht gerechnet. Mit ihren eigenen Ängsten konfrontiert, sind sie gar nicht mehr super und abgeklärt, sondern verschreckt und ziemlich irrational. Paranoid, könnte man sagen. So paranoid, wie es auch eine Gesellschaft ist, die durch die Aufrüstung von Überwachungsapparaten und Waffensystemen gegen eventuelle Bedrohungsszenarien gewappnet sein will.

Vor allem bei Tony Stark trägt die Gehirnwäsche von Scarlet Witch Früchte: Er lässt Ultron auf die Menschheit los. Eigentlich sollte die künstliche Intelligenz als Friedensprogramm die Arbeit der Superhelden unterstützen. Doch die Geister, die Stark rief, wird er nicht mehr los: Weil Ultron die Menschen nach dem Studium ihrer Geschichte für unwürdig befindet, macht er sich mit größter Vehemenz und viel Erfindungsreichtum daran, sie auszulöschen. Mit seiner Armee von Vasallen - einer Kreuzung aus Zombies, Orks und Robotern - hat Ultron überall die Finger im Spiel.

Es ist daher eine globale Aufgabe, die sich den Avengers stellt. Eine Aufgabe, der sie lange Zeit ziemlich hilflos gegenüberstehen. Denn die Probleme sind hausgemacht, und die Helden ziemliche Wracks, die an ihren Fähigkeiten und ihrem Lebenssinn zweifeln. Nicht zuletzt verlaufen sich zwei der Avengers auch noch auf dem Minenfeld der Liebe.

In die kurzen Ruhemomente zwischen den Actionexzessen packt Joss Whedon ziemlich viele Themen, die er mit ernstem Ton gewissenhaft abhandelt. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass es sich vor allem für die Familie zu kämpfen lohnt und die Menschen in ihrer arroganten Dummheit trotzdem irgendwie nett sind. Bei insgesamt zweieinhalb Stunden Laufzeit wirkt das bisweilen redundant, zwischendurch kann man also getrost eine zweite Portion Popcorn holen oder mal aufs Klo gehen.

Der Zuschauer verpasst nicht viel, weil es keine Überraschungen gibt. "Avengers: Age of Ultron" ist mehr als jeder Marvel-Film zuvor eine am Reißbrett entworfene Wuchtbrumme, deren durchaus eindrückliche Effekte für eine Reizüberflutung epischen Ausmaßes sorgen. Das Publikum bekommt genau das, was die Studiobosse und Aktionäre erwarten: einen weltweit funktionierenden Blockbuster, mit dem sich Kasse machen lässt.

Nicht zuletzt aus Marketinggründen wurde der Film unter anderem in Südkorea, Südafrika, England und Italien gedreht. Der Erfolg der Marvel-Kinohelden ist ein weltweites Phänomen, die Fans müssen überall bei Laune gehalten werden. Dass es einen dritten Teil geben wird, ist ausgemachte Sache. Auch dessen Bösewicht steht schon fest: Er schaut nach dem Abspann grimmig ins Publikum.

Quelle: teleschau - der mediendienst