Scott Eastwood

Scott Eastwood





Eastwood, Version 2015

Natürlich sucht man zuallererst nach Gemeinsamkeiten. Als Sohn der Hollywood-Ikone Clint Eastwood ist es eben schwer, Vergleichen mit dem berühmten Vater zu entgehen. Und tatsächlich fallen schnell äußerliche Parallelen auf: Auch Scott Eastwood hat diese eindringlichen Augen, zwar blau und nicht grün wie die seines alten Herrn, doch ebenso ausdrucksstark. Auch die Gesichtszüge gleichen sich. Die mit nun 29 Jahren langsam aufkommenden Fältchen um die Augen zeichneten auch Clint im selben Alter aus. Nur wirkt Scott Eastwood beim Interview in den Veranstaltungsräumen des Bayerischen Hofs lockerer und offener, als man es seinem Vater zutrauen würde. Ob er trotzdem den Namenlosen aus Sergio Leones Dollar-Trilogie ähnlich trocken und packend hätte darstellen können? Genügten da die Augen? Für die Hauptrollen-Premiere des Juniors in "Kein Ort ohne dich" (Kinostart: 30. April) sind andere Qualitäten gefragt.

Darin verkörpert Scott Eastwood ironischerweise einen Cowboy - und damit das amerikanische Leitbild echter Männlichkeit, mit dem auch Vater Clint in den 60er-Jahren weltberühmt wurde. Doch der Cowboy 2015 ist anders als der vor 50 Jahren, er schießt nicht auf "the Bad and the Ugly", sondern umgarnt hübsche Frauen und kümmert sich verantwortungsvoll um heilige Traditionen. Und hierzu braucht es eben keine grimmigen Blicke, sondern vielmehr ein nettes Grinsen und fesche Muskeln. Ein knackiges Hinterteil ist dabei natürlich auch nicht verkehrt. Eastwoods Exemplar hat es einer kleinen Traube wartender Journalistinnen im Münchener Hotel besonders angetan: "Damit kann er sich sehen lassen", ist deutlich aus einem beinahe pubertären Gekicher heraus zu hören. "Und in echt sieht er ja noch viel besser aus als im Film", bringt eine weitere Dame ein, die mit ihrem Interview bereits dran war.

Dabei scheint der Frauenschwarm an diesem durchaus heiteren Frühlingstag nicht gänzlich auf der Höhe zu sein. Zum Gespräch grüßt der Kalifornier mit müdem Blick und theatralisch stöhnend: "Ich werde alt". Nach einem Schluck aus einer Dose Energy Drink ist aber hollywoodgeschulte Professionalität angesagt. Während des kurzweiligen Interviews platzt mehrmals ein lautes Lachen aus ihm heraus, das seine perlweißen Zähne hervorblitzen lässt. Für wenige Minuten hat man einen neuen Best Buddy. Dabei sticht auch immer wieder eine betonte Höflichkeit hervor, die typisch amerikanisch sein mag, bei Eastwood aber mehr bedeutet: "Ein Gentleman zu sein, ist mir sehr wichtig", betont er. "Man hat nur eine so kurze Zeit auf diesem Planeten, und deine Mitmenschen werden sich nur daran erinnern, wie du auf sie zu Lebzeiten wirktest." Zudem sei ihm Materialismus ein Graus, seine einstige Selbstverliebtheit habe er erfolgreich abgelegt.

Was immer wieder auffällt, ist die Betonung darauf, dass er nun schon länger Single sei. Das liege nicht daran, dass er nicht an die große Liebe glauben würde, oder gar jene auf den ersten Blick - wie es seiner Figur in "Kein Ort ohne dich" widerfährt: "Tatsächliche Liebe braucht aber ein Fundament, an dem man arbeiten muss. Das kostet viel Zeit", sagt er mit immer brüchiger werdender Stimme und ohne die sonst dauerhafte Sunny-Boy-Attitüde. Seine letzte Freundin, mit der er in der Öffentlichkeit auftrat, betrog ihn mit Ashton Kutcher, wie er vor kurzem im US-Fernsehen verriet. Die Offenheit, über diese Geschichte zu reden, störte den "Two And A Half Men"-Star im Anschluss mehr, als es bei Eastwood den Anschein machte. Dass er sich nun schwer bei "der Suche nach Liebe" tut, wie er es selbst ausdrückt, liege vor allem an einem vollen Terminplan: "Wenn ich hier fertig bin fliege ich nach Toronto für Drehvorbereitungen, dann New York für zwei, drei Pressetage, Miami, Atlanta, Dallas, Minneapolis, was auch immer ... Nach L.A. für ein paar Frühstücksfernsehen-Sendungen, zurück nach New York zu Jimmy Fallon und anderen TV-Shows. Hier hin, da hin, Hawaii, es ist verrückt, ich habe kein Leben zur Zeit."

Es scheint so, als ob die Karriere des Scott Eastwood nun so richtig Fahrt aufnimmt. Seine kommenden Projekte klingen vielversprechend, darunter Oliver Stones "Snowden"-Biopic oder die Comic-Verfilmung "Suicide Squad" von David Ayer. Beim Blick zurück dagegen lässt sich gelinde gesagt wenig Spektakuläres entdecken: Zwar stehen bei ihm große und erfolgreiche Filme wie "Flags Of Our Fathers", "Gran Torino" und "Invictus - Unbezwungen" zu Buche, seine Rollen darin waren allerdings allesamt nicht sonderlich groß. Dass dort zudem sein Vater jeweils Regie führte, hat auch sein Geschmäckle. Doch nach dessen Starthilfe geht es nun stetig bergauf. Dabei habe es ihm der vierfache Oscargewinner nicht gerade leicht gemacht, steckte er kürzlich der "New York Post": "Er war am Set mit mir viel strenger als mit allen anderen."

Ohnehin lehrte Clint sein viertes Kind von insgesamt sieben, auf eigenen Beinen zu stehen: "Sein Credo war immer, dass wir selbst hart arbeiten müssen, um unsere Ziele zu erreichen", erzählt er, als das Gespräch schließlich zum Thema Nummer eins wandert. So verdiente das Hollywood-Kind nach der High School sein eigenes Geld als Einparker, auf dem Bau und noch bis vor wenigen Jahren als Barkeeper. Der beste Tipp seines Vaters? "Er sagte immer: Halt die Klappe und höre zu. Was weißt du schon? Höre zu, was die Leute zu sagen haben und lerne daraus" - man kann sich den grantelnden Clint dabei nur zu gut vorstellen.

Seine ersten Jahre verbrachte Scott Eastwood mit seiner Mutter auf Hawaii. Die Stewardess war eine Affäre seines Vaters, die mit ihm sogar noch eine Tochter hat. So firmierte der Newcomer auch lange Zeit als Scott Reeves, unter dem Nachnamen seiner Mutter. Auch in seinen ersten Filmen wurde er noch als solcher geführt. Doch auf Geheiß des Vaters wechselte er dann doch zum karrierenützlicheren Eastwood: "Das ist aber auch nur ein Name. Ich bin froh mit dem, was ich bin. Ich versuche eben wie jeder andere, die beste Version meiner selbst zu sein", lässt er Understatement walten. Ohnehin hoffe er, dass die Karriere bald auch wieder zweitrangig werde - wenn eben die richtige Frau in sein Leben tritt. Denn wie seine Filmfigur könnte er sich gut vorstellen, bei der Entscheidung zwischen Job und Mädchen zu letzterem zu tendieren: "Ich bin ohnehin nur ein ganz normaler Kerl, der da reingerutscht ist. Es macht mir Spaß, aber den hätte ich vielleicht auch als Feuerwehrmann." Die vor der Tür wartenden Damen könnten sich das bestimmt auch sehr gut vorstellen ...

Quelle: teleschau - der mediendienst