Klaus Bednarz

Klaus Bednarz





"Eine Stimme, die fehlen wird"

Er sei "mit Leib, Seele und messerscharfem Verstand Journalist" gewesen - "und ein feiner Mensch": WDR-Intendant Tom Buhrow zeigte sich am Mittwochmorgen tief betroffen vom Tod des langjährigen Moderators und Chefs des kritischen Politmagazins "Monitor" Klaus Bednarz. Der engagierte Reporter, den Buhrow als einen "der bedeutendsten Fernsehjournalisten" bezeichnet, verstarb nach WDR-Angaben am späten Dienstagabend in Schwerin. Er wurde 72 Jahre alt.

Der Name Klaus Bednarz steht für kritischen, investigativen Fernseh-Journalismus, der da ansetzt, wo andere mit dem Fragen aufhören. Schon in den 70er-Jahren war Bednarz als ARD-Korrespondent, unter anderem in Polen und in der damaligen Sowjetunion tätig. Später, ab 1983, moderierte er die "Tagesthemen", bevor er zu der Sendung kam, mit der er deutsche TV-Geschichte schreiben sollte. 18 Jahre lang war der am 6. Juni 1942 in Falkensee/Berlin geborene Fernsehmann Moderator des ARD-Politikmagazins "Monitor" und immer gut für die Aufdeckung handfester Skandale. Ob es um Würmer in Fischen, Schmiergeldaffären oder verbale Fehltritte von Politikern ging, stets war Bednarz, meistens seriös im berühmten blauen Pullover, zur Stelle.

Als er "seine" Sendung Ende 2001 verließ, hatten ihn die Kollegen Petra Nagel, Georg Restle und Philip Siegel mit einem eigenen WDR-Film verabschiedet, der sich unter dem Titel "Tschüss bis zum nächsten mal" mit Bednarz' Einfluss auf die politische Streitkultur in Deutschland befasst. Zu Wort kamen unter anderem Moderatoren-Kollegen wie Stefan Aust oder Harald Schmidt, die Schauspielerin Senta Berger und Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye. Welchem TV-Journalist ist sonst so eine Ehre widerfahren? Bednarz, der die Leitung der Sendung an seine Kollegin Sonia Seymour Mikich weitergab, blickte fünf Jahre später im Interview so auf den Abschied zurück: "Ich mochte die innenpolitische Sendung sehr gerne - schuf mir aber schon damals den Freiraum für größere Dokumentationen. Es war eine großartige, schwierige und sehr intensive Zeit. 18 Jahre, und ich möchte keinen Tag missen." Doch nun, so Bednarz, genieße er es, "den täglichen Stress mit all den politischen und juristischen Auseinandersetzungen nicht mehr zu haben. Heute habe ich die nötige Ruhe, um mich auf meine Projekte einzulassen."

Denn da war nicht nur der furchtlose Aufdecker und engagierte Studiomoderator Klaus Bednarz. Bei seinem Namen denkt der Fernsehzuschauer auch automatisch und fast ein bisschen ehrfürchtig an große Reisereportagen mit epischen Landschaftsbildern und kleinen, aber ehrlichen Geschichten vom Ende der Welt. Regelmäßig zog es den einstigen "Monitor"-Chef, der seit 2002 Sonderkorrespondent und Chefreporter des WDR-Fernsehens war, in entlegenste Regionen. Seine beeindruckenden Porträts, etwa über Sibirien, Ostpreußen oder die Rocky Mountains, brachten ihm diverse Preise ein und sorgten für Top-Quoten im ARD-Programm.

Er war einer der wenigen TV-Journalisten, die fesselnd erzählen können: Mit ruhigem Ton und höchster Intensität präsentierte Klaus Bednarz, der 2007 in den Ruhestand ging, aber deshalb noch lange nicht von seiner großen Leidenschaft, der TV-Reportage abließ, Alltagseinblicke aus allen möglichen Winkeln der Erde. Warum? "Die Menschen wollen Bilder sehen, in Ruhe andere Länder und andere Menschen kennenlernen", sagte Bednarz im Interview. "Und vielleicht verstärkt sich die faszinierende Wirkung durch meine ruhige Erzählweise mit langen Einstellungen von Landschaften und eindrucksvollen Gesichter." Um das Leben der anderen dem deutschen Publikum frei Haus zu liefern, war ihm keine Reise zu strapaziös. Kälte? Kein Problem für den langjährigen Auslandskorrespondenten. "Während meiner Korrespondentenzeit in Moskau machte ich die Erfahrung, dass ich ab minus 20 Grad erst aufblühe. In den vier Wochen Rockies hatten wir maximal minus 40 Grad. In Sibirien erlebte ich schon minus 56 Grad. Wenn man bestimmte Regeln beachtet, sich einstellt - auch mental -, und wenn das Team funktioniert, ist so etwas machbar", sagte Bednarz, der sein "Leben lang Sport getrieben" habe: Fußball, Schwimmen, Volleyball, Radfahren ...

Seine persönliche Motivation erklärte Bednarz im Interview so: "Zunächst reizen mich die grandiosen Landschaften an den Rändern der Erde. Sie erinnern mich an die Einmaligkeit der Schöpfung. Dann fasziniert es mich, zu erleben, wie Menschen in diesen klimatisch und geografisch extremen Zonen überleben. Wie sie nicht nur vegetieren, sondern wie sie über Jahrtausende hinweg eine eigene, fantastische Kultur schaffen. Ob das nun die Eskimos im äußersten Norden Sibiriens sind oder die Yámana-Indianer im äußersten Süden Südamerikas: Es sind Völker, die in Europa allzu lange als wilde und unkultivierte Wesen betrachtet wurden - 'dem Tier näher als dem Menschen', wie Darwin es beschrieb. Wenn man sich näher mit diesen Menschen beschäftigt, stellt man fest, welch großartige Leistung sie über Jahrtausende vollbracht haben." Er sei sein "Leben lang politischer Journalist gewesen, ich höre damit nicht auf, nur weil ich die Grenzen der Bundesrepublik verlasse", verriet Bednarz. "Ich kann als Reporter voller Ehrfurcht vor den Wunderwerken der Natur stehen und trotzdem sehr wohl merken, welchen Schaden der Mensch vor dieser Kulisse anrichtet und welche Probleme die Menschen haben, die hier leben."

Zuletzt lebte Klaus Bednarz in Mecklenburg-Vorpommern. Als er vor einigen Jahren gefragt wurde, ob er, der große Auslandsreporter, nicht auch mal für einige Jahre im Ausland leben wollte, ließ seine Antwort tief blicken. "Die Sehnsucht gibt es in der Tat. Ich habe mir schon überlegt, die Zivilisation für eine Weile hinter mir zu lassen und für ein halbes Jahr oder länger an den Baikalsee zu ziehen", sagte Bednarz.

WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich würdigte Klaus Bednarz als einen "Anker für alle, die sich für Menschenrechte, Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen. Für ihn nie nur Beiwerk oder Sonntagsrede. Eine starke Stimme, die fehlen wird." WDR-Intendant Tom Buhrow sagte: "Mit Klaus Bednarz verlieren wir einen der bedeutendsten deutschen Fernsehjournalisten. Klaus Bednarz war ein unbeugsamer Fürsprecher für Mensch und Umwelt. Er war Vorbild für kritischen, unerschrockenen Journalismus. Unter seiner Leitung entwickelte sich 'Monitor' zu einem Magazin, das auf dem Gebiet des investigativen Journalismus Herausragendes und Richtungsweisendes geleistet hat und leistet."

Anlässlich des Todes von Klaus Bednarz würdigt das WDR Fernsehen den renommierten Journalisten am heutigen Mittwoch mit einem Porträt und der Wiederholung seiner Reisereportage "Die Ballade vom Baikalsee". Von 22.00 Uhr bis 22.10 Uhr wird die Hommage "Klaus Bednarz - ein Reporterleben. 1942 - 2015" der Autorinnen: Juliane Fliegenschmidt und Charlotte Gnändiger (Redaktion: Markus Preiß) gesendet. Im Anschluss folgt die Sommerreise des Zweiteilers "Die Ballade vom Baikalsee" aus dem Jahr 1998.

Quelle: teleschau - der mediendienst