Amy Adams

Amy Adams





Gar nicht mal so langweilig

Eigentlich ganz normal sollen sie sein. Bisweilen gar stinklangweilig. Aussagen wie diese gibt es von großen Schauspielern zuhauf. Dass man jenseits der Hollywood-Hills dahinter eher nichts weiter als Koketterie vermutet, kein Wunder. Auch Amy Adams weiß ein solches Bild von sich selbst zu vermitteln. Tatsächlich erstrahlt die 40-Jährige seit Jahren in einer weißen Weste. "Ich bin nicht interessant. Ich mache keine interessanten Dinge", findet sie einem "Collider"-Interview eine Antwort dafür. Man könnte es ihr ja abnehmen, wären da nicht die Rollen, mit denen Hollywoods bekanntester Rotschopf seit Nicole Kidman in den letzten Jahren die Kinoleinwände rund um die Welt einnahm. Fünf Oscarnominierungen sprechen für sich. Ab 23. April ist die zierliche Schöne abermals preisverdächtig in Tim Burtons "Big Eyes" zu sehen. Kann so jemand privat wirklich stinklangweilig sein?

Jüngst ging Adams sogar noch weiter: "Ich bin eine introvertierte Person", offenbarte sie dem "Glamour"-Magazin. "Ich habe Angst vorm Fliegen, Platzangst und eine soziale Phobie." Letztere zeige sich vor allem, wenn sie vor Publikum auftrete. Eine Schauspielerin, ein passionierter Musical-Fan, bekannt bei einem Millionenpublikum, traut sich kaum auf die Bühne? Zurückgezogen, menschenscheu, und natürlich vollkommen skandalfrei? Entweder hat Amy Adams schlaue Berater, die sie ausgeklügelt von Paparazzi und Regenbogenpresse fernhalten, oder man muss ihr die vermeintlich gefallsüchtigen Aussagen doch abnehmen.

Wenig Aufschluss gibt auch der Wikipedia-Artikel zu ihr. In der Kategorie "Personal Life", in der normalerweise feinstsäuberlich Narkotika-Skandale und verflossene Liebschaften protokolliert werden, ist bei Amy Adams nur ein Zweizeiler zu finden: Sie sei seit 2001 mit Schauspieler und Künstler Darren Le Gallo liiert, Verlobung 2008, im Mai 2010 brachte sie eine Tochter zur Welt. Keine überstürzte Eheschließung, Nachwuchs nach neun Jahren Beziehung - eine Kleinbürgerlichkeit, die man eher in einem katholisch-geprägten Vorort vermuten mag, meilenweit entfernt von Hollywood.

Ihren Verlobten lernte die Tochter eines Soldaten und einer Bodybuilderin bei ihrer Schauspielausbildung kennen. Eine eigene Wikipedia-Seite hat Le Gallo nicht, er ist kein Star. Bei seinen Filmen, etwa eine Handvoll, erscheint sein Name erst an x-ter Stelle im Abspann, so klein sind die Rollen. Er kümmere sich vermehrt um seine Kunst. Vor allem ist er aber der Mann an Amy Adams Seite: "Er ist der großzügigste Mensch, den ich kenne", sagte sie mal über ihn, "er hat meinen Weg stark beeinflusst."

Aus ihrem Zusammenleben ist selbstredend nur wenig bekannt. Neben dem Anwesen in Los Angeles bewohnen die beiden mit Tochter Aviana eine Wohnung in New York. Man gehe vor allem in umliegende Restaurants oder lade Freunde und Nachbarn zu Dinner-Partys ein. Le Gallo arbeitet von zu Hause aus an seinen Gemälden, die Garage des kalifornischen Anwesens wurde zu einem Studio umgemodelt. Wenn seine berühmte Freundin auf Reisen ist, passt er, wie die "Vanity Fair" in einer überlangen Huldigung Adams schrieb, auf die Tochter auf.

Weiterhin werden dort reihenweise Kollegen aufgezählt, die nur Gutes von der Social-Media-Verweigerin erzählen. Regisseur Spike Jonze, der sie in "Her" (2013) besetzte, bezeichnet Adams als Muse, die von sich aus inspiriere, aber auch lautstark ihre Meinung sage - was sich mit den Aussagen, sie sei introvertiert, natürlich beißen würde. David O. Russell zeigt sich gar verliebt, "seitdem ich Amy das erste Mal vor Jahren traf", so der Regisseur. Sie sei "voller Seele und unbändig sexy". Gerade Letzteres arbeitete er bei seinen Filmen mit ihr, "The Fighter" (2010) und "American Hustle" (2013), deutlich heraus. Seither sieht man die in der amerikanischen Provinz, in Castle Rock, Colorado, aufgewachsene Schauspielerin auf den Covern von Modezeitschriften und ähnlichen Pressebildern immer wieder auch bewusst aufreizend und mit viel Ausschnitt.

Am Anfang ihrer Karriere galt sie eher als bieder, ähnlich, wie sie sich eben in Interviews präsentieren will. Ein nettes Mädel, hübsch, süß und naiv. So wurde sie in "Catch Me If You Can" (2002) bekannt. Auch in ihrer ersten bekannteren Hauptrolle, in der Indie-Tragikomödie "Junebug" (2005), begeisterte sie als provinzielles Dummerchen. Danach schien sie für einige weitere arbeitsintensive Jahre auf diesen Stereotyp gebucht zu sein. Doch diese Zeiten sind längst passé. Ähnlich vielseitig wird in Hollywood kaum eine Darstellerin eingesetzt, zuletzt eben auch als sexy Vamp für O. Russell oder als ehrgeizige Lois Lane in "Man Of Steel" (2013). Sie bleibt eben wenig greifbar. Wie Amy Adams aber wirklich tickt, steht nirgends geschrieben, vor allem nicht in der Klatschpresse.

"Ein Promi zu sein bedeutet heutzutage viel mehr als ein Image oder Talent zu haben. Es geht darum, gesehen zu werden und der Welt zu zeigen, wer man ist", sagte sie 2008 dem "Interview Magazine". "Und irgendwann muss man sich entscheiden, ob man das mitmacht oder sich zurückhält und sich um sein eigenes Leben kümmert." Amy Adams scheint schon früh für sich den richtigen Umgang mit der umtriebigen Traumfabrik und deren Gier nach Klatsch gefunden zu haben. Ihr Vorbild ist Meryl Streep: "Man weiß nicht, was sie zum Frühstück hatte und was sie Samstagnacht machte. Das erlaubt dem Zuschauer, sie von ihren Figuren zu trennen."

Wahrscheinlich liegt auch darin die Kraft in ihrem Schauspiel. "Sie bleibt mit Absicht ein wenig mysteriös", erkannte auch ihr "The Master"-Kollege (2012), der verstorbene Philip Seymour Hoffman, in der "Vanity Fair". "Deshalb ist man bei ihr immer so überrascht und deshalb packt sie einen. Sie wird zu dem, was sie spielt." Sich an ihrem Idol Meryl Streep zu orientieren, war sicherlich die richtige Entscheidung. Und das sollte alle Wissenslücken über die nebenbei begabte Sängerin verschmerzen lassen. Denn so lange Amy Adams der Welt ein langweiliges Privatleben vorgaukelt, darf man auf der Leinwand Großes erwarten.

Quelle: teleschau - der mediendienst