Der Knastcoach

Der Knastcoach





Humor ist, wenn man trotzdem lacht?

Ist es der bestmögliche Zeitpunkt für so einen Film - oder genau der falsche? Während in den USA eine neue erbitterte Debatte um Rassismus und Polizeigewalt entbrannt ist, versucht sich Hollywood an einer humoristischen Aufarbeitung alter Schwarz-Weiß-Klischees. Für die Afroamerikaner steht zuvorderst Kevin Hart, der in "Der Knastcoach" einen Autowäscher spielt. Dessen weißen Vorgesetzten gibt ein Mann, der für großen Witz steht, aber nicht unbedingt für taktvolle Unterhaltung: Will Ferrell ("Anchorman", "Semi Pro"). Wenn das mal nicht nach hinten losgeht ...

Es beginnt eigentlich schon mit einer Beleidigung. James King (Ferrell), ein schnöseliger Investmentbanker, wird wegen Betrugs zu zehn Jahren Haft im Hochsicherheitsgefängnis verurteilt. Nachdem der erste Schock (er beteuert seine Unschuld) verdaut ist, kommt der Knacki in spe zu der Erkenntnis: Er muss sich auf den Knast vorbereiten. Darnell (Hart), der seit Jahren James' Autos wäscht, kommt da gerade recht.

Der Mann ist nicht sonderlich gebildet, hat nicht viel Geld und ist obendrein schwarz. Der Kerl hat garantiert schon gesessen, denkt James und fleht: "Zeig mir, wie man im Gefängnis überlebt, so wie du es geschafft hast!" Darnell, der tatsächlich noch keine Sekunde seines Lebens hinter Gittern verbracht hat, sieht über die gemeinen Vorurteile seines Chefs hinweg und willigt ein - nachdem ihm eine Vergütung für den Job geboten wurde.

Das Ziel der dreißigtägigen "Ausbildung" ist klar: James will, dem englischen Filmtitel "Get Hard" entsprechend, ein richtig harter Kerl werden, respektiert und gefürchtet. Einer, dem im Knast keiner blöd kommt. Man ahnt es schon: Bei einem weinerlichen, verweichlichten Weißbrot kann da eigentlich kein Weg hinführen. Der Trainingsplan endet folglich auch in einer peinlichen Panne nach der anderen. James' Versuch, wie ein Gangster aufzutreten, führt zu einem knallbunten Walk Of Shame im Ghetto; seine Bitte um Aufnahme in eine Straßengang zu schallendem Gelächter; die Simulation eines Gefängnisaufstandes zu einem Nervenzusammenbruch.

"Der Knastcoach" ist ein polterndes, lautes Gagfeuerwerk, wie man es von Hart und Ferrell kennt. Nicht sehr anspruchsvoll, aber unterhaltsam. Regisseur Etan Cohen gönnt seinen Hauptdarstellern viel Raum, und den nutzen sie vor allem in der ersten Filmhälfte ausgezeichnet. Dass die Sache zum Ende hin stark abflacht, ist schade - aber nicht so schade wie die Tatsache, dass die Chance auf gesellschaftlich relevante Zwischentöne quasi komplett ungenutzt bleibt.

Mit sehr viel Fantasie könnte man in den Plot hineininterpretieren, dass James' latenter Rassismus nach und nach verblasst, dass die Freundschaft zu Darnell an die Stelle von Vorurteilen tritt. Dies wäre aber eine Entwicklung im Nuancenbereich - und das ist definitiv nicht die Sprache, die diese Vorschlaghammer-Komödie spricht. Immerhin: Darnell hat am Ende zwar immer noch keine Ahnung, wer Athene, Odysseus oder Lady Macbeth sind. Schlechter als die Weißen, aus deren Reihen letztlich die wahren Verbrecher stammen, kommt er aber auch nicht weg.

Quelle: teleschau - der mediendienst