Spandau Ballet

Spandau Ballet





"Deutschland war immer Teil unserer Bandgeschichte"

Fans von Spandau Ballet kommen in den nächsten Wochen voll auf ihre Kosten: Am 16. April starten die Achtziger-Helden ("Gold", "True") ihre erste Deutschland-Tour seit fünf Jahren, die sie in sieben Städte führen wird. Parallel dazu stellen die fünf immer noch ansehnlichen Männer ihre DVD-Dokumentation "Soul Boys Of The Western World" höchstpersönlich in deutschen Kinos vor. Beim Vorabinterview in Köln sprachen Sänger Tony Hadley (54), Songwriter Gary Kemp (55) und Saxofonist Steve Norman (55) über die Band-Reunion 2009, ihre besondere Beziehung zu Deutschland und ihre ganz persönlichen "Wind Of Change"-Momente.

teleschau: In den Neunzigern sahen Sie sich wegen Tantiemenstreitigkeiten ausschließlich vor Gericht. Hatte die Reunion-Tour von Spandau Ballet im Jahr 2009 etwas Heilendes?

Tony Hadley: Oh ja. Die Konzerte sorgten für Frieden in unseren Köpfen und gaben uns die Sicherheit, dass das Publikum uns immer noch mag. Das war eine verdammte Erleichterung!

Steve Norman: Es gab nie ein Treffen, wo wir den Streit vollends aus dem Weg räumen konnten. So richtig aufgearbeitet haben wir das erst jetzt für die DVD-Dokumentation. Jeder von uns wurde über die Krise einzeln befragt, so offen und ehrlich waren wir noch nie. Das förderte viele unbequeme und schmerzliche Wahrheiten zu Tage. Aber es half. Deshalb wird der Film auch bei unseren Konzerten eine Rolle spielen.

teleschau: Wo haben Sie so plötzlich das ganze Material der New-Romantic-Zeit aufgetrieben?

Norman: Der Typ, der die Aufnahmen in Steve Stranges berühmten Londoner Nacht-Clubs - dem "Billy's" und dem "Blitz" - Anfang der Achtziger gemacht hatte, fand sie in einer Kiste wieder. Ansonsten hätten wir aus der Zeit so gut wie nichts gehabt. Weil es damals kaum Kameras und Paparazzi gab. Und wenn doch TV-Teams vor Ort waren, mussten die vor der Tür auf uns warten.

Gary Kemp: Wir haben dann noch eine Schwarz-Weiß-Doku über unseren ersten Besuch in New York City aufgetrieben. Unseren Auftritt in der legendären "Soul Train"-Show in Amerika hatte ich noch nie vorher gesehen. Das war wahnsinniges Glück, dass wir die Aufnahmen fanden, sonst hätte die Doku keinen Sinn gemacht. Es ist aber auch aus musikhistorischer Sicht ein interessanter Film: Es ist wunderschön, die Bilder des punkigen London der Siebziger anzusehen, ohne die auch "New Romantic" nie passiert wäre.

teleschau: Auf dem Cover der DVD machen Sie in Robin-Hood-ähnlichen Outfits dem New-Romantic-Look alle Ehre!

Hadley: Als wir die Fotos 1981 in New York machten, fragten sich die Passanten: Wer sind bloß diese Typen? Wir fühlten uns damals wie fünf Aliens, die man im Big Apple ausgesetzt hatte!

Kemp: Die Klamotten sehen deshalb so großartig aus, weil wir sie voller Selbstbewusstsein trugen. Musik und Mode waren immer unsere Passion. Damals gab man mit Kleidung noch ein Statement ab. Heutzutage gibt es nicht mehr viel Individualität. Wenn ich noch einen Mann mit Bart sehe, muss ich brechen. (lacht)

teleschau: In Ihrer Dokumentation sieht man auch Thomas Gottschalk. Wie kommt's?

Kemp: Er überreichte uns im Rahmen von "Thommys Pop-Show" eine Goldene Schallplatte. Das ist 30 Jahre her. Es war der Abend, bevor wir die Band-Aid-Single "Do They Know It's Christmas?" aufnahmen. Wir feierten mit Duran Duran die ganze Nacht in Deutschland durch und standen am nächsten Morgen völlig fertig vor Bob Geldof im Studio in London.

teleschau: Dabei waren Duran Duran in den Achtzigern doch offiziell Ihre Rivalen?

Hadley: Es gab schon Wettbewerb zwischen beiden Bands. Duran Duran hatten zuerst die großen Hits, und wir spürten großen Druck, da nachziehen zu müssen. Spätestens mit "True" haben wir das dann geschafft und waren auf der sicheren Seite. (lacht)

Kemp: John Taylor von Duran Duran war bei unserer DVD-Premiere in Los Angeles. Wir hatten ihn bestimmt 20 Jahre nicht mehr gesehen! Es war auch für ihn großartig, die Ausschnitte aus den Achtzigern, von Band Aid und Live Aid, zu sehen. Er konnte sich auch gut mit unserer Krise identifizieren, denn er ist ja auch mal bei Duran Duran ausgestiegen, weil es interne Probleme gab. Jedenfalls sprach er bei der Premiere in den höchsten Tönen von Spandau Ballet und schrieb danach auch noch etwas über unseren Film auf der Duran-Duran-Webseite. Er verfasste jetzt sogar das Vorwort für unser Programmheft der Tour. Wer hätte das in den Achtzigern für möglich gehalten? Man kann also sagen, dass das Kriegsbeil nun ganz offiziell begraben ist. (lacht)

teleschau: Spandau Ballet hatten immer einen erwachsenen Sound und waren trotzdem Teenie-Idole. Wie erklären Sie sich das?

Hadley: Wir hatten das Beste aus beiden Welten! (lacht)

Kemp: Am Anfang waren wir die kredibile Kultband, dann die umkreischte Teenieband, aber wir hatten immer einen Sound, der wie ein Markenzeichen ist. Den brauchst du auch, um erfolgreich zu sein. Unsere Musik machte uns einzigartig, deshalb haben wir bis heute überlebt.

teleschau: Sie haben nicht nur überlebt, sondern klingen immer noch wie damals. Wie halten Sie eigentlich Ihre Stimme fit?

Hadley: Indem ich sie ständig benutze! Ich tue ja die ganze Zeit nichts anderes als zu singen! Vor ein paar Monaten war ich noch als Solist mit Orchester auf Tour. Jetzt geht es wieder los mit Spandau Ballet. Live vor Publikum zu singen, ist für uns alle der Grund, warum wir das machen.

teleschau: Erinnern Sie sich noch an den Moment, als Sie "True" schrieben?

Kemp: Sehr gut sogar! Wir trommelten alle Leute ins Studio, spielten die fertige Aufnahme vor und sangen lauthals mit. Es war ein großartiger, emotionaler Moment. Wir wussten, dass "True" uns alle Türen öffnen würde. In Amerika schafften wir es damit sogar ins "Black Music"-Radio. Deshalb nannten wir den Film auch "Soul Boys Of The Western World". Vielleicht hörte man in dem Lied zum ersten Mal, wie sehr uns nicht nur David Bowie und die Sex Pistols beeinflusst hatten, sondern auch die Soulmusik, die wir als Kids immer hörten.

teleschau: Nach fünf Jahren gehen Sie nun wieder in Deutschland auf Tour. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Land?

Norman: Die besten! Deutschland war immer Teil unserer Bandgeschichte. In den Musicland-Studios von Giorgio Moroder in München nahmen wir damals die Alben "Parade" und "Through The Barricades" auf und feierten wilde Partys mit Bon Jovi, Freddie Mercury und einigen anderen, die ebenfalls dort abhingen. Das war eine unvergessliche Zeit.

Kemp: Nicht zuletzt verdanken wir ja Deutschland unseren Bandnamen. Ein Freund von uns sah die gekritzelten Worte "Spandau Ballet" an der Wand einer Toilette eines Berliner Nachtclubs. Als er uns davon erzählte, dachten wir, das wäre der perfekte Name.

teleschau: Es gibt im Film eine Sequenz, in der Sie über Berlin sprechen. Spielten Sie wirklich dort in der Nacht, als die Mauer fiel?

Kemp: Nein, nicht genau in jener Nacht. Aber unseren letzten Gig im Jahr 1989 spielten wir in Berlin und das erste Konzert in den Neunzigern ebenfalls. Die Tour hieß "Through The Barricades" - wie die Single und das Album. Der Titel war ein signifikantes Statement für die Zeit damals.

Hadley: Ja, denn überall begannen, Mauern einzubrechen. Da war ein Gefühl von Hoffnung spürbar. Das Stück war mehr als ein Lied über zwei getrennte Liebende. Es hatte Symbolkraft.

teleschau: Es war Ihr "Wind Of Change"?

Kemp: (lacht) Das kann man so sagen! Es ist schon faszinierend, wie viele wichtige Momente "Through The Barricades" begleitete. Das erste Mal sang ich das Stück 1986 ganz allein vor 200.000 Zuschauern bei einem Nelson-Mandela-Tribute-Konzert zu seinem 70. Geburtstag. Dann wurde es oft gespielt, wenn es um den Nordirland-Konflikt ging. Dann zum Mauerfall. Und in der Dokumentation nutzte der Regisseur den Song für den Moment, als wir nach 18 Jahren des Streits wieder zusammenfanden als Band. Man sieht uns im Probenraum, und ich spiele "Through The Barricades". Das Lied ist zweifelsohne so etwas wie das Kernstück von Spandau Ballet.

Spandau Ballet auf Deutschland-Tournee:

16.04., Leipzig, Haus Auensee

17.04., Hamburg, CCH

18.04., Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle

20.04., Berlin, Tempodrom

21.04., Frankfurt, Alte Oper

22.04., München, Philharmonie im Gasteig

06.08., Schwetzingen, Schlossgarten

Quelle: teleschau - der mediendienst