Poppy Montgomery und Dylan Walsh

Poppy Montgomery und Dylan Walsh





Auferstehung von den Toten

Dass neue Serien bereits nach der ersten Staffel abgesetzt werden, ist weder in den USA noch in Deutschland eine Seltenheit. Dass eine Fernsehsendung allerdings erst gecancelt und dann doch fortgesetzt wird, geschieht so gut wie nie. Schon gar nicht zweimal. Doch die Krimiserie "Unforgettable" scheint ihrem Namen alle Ehre machen zu wollen und wird zumindest als TV-Stehaufmännchen sowie durch ein sagenhaftes Sendeplatz-Wirrwar in Erinnerung bleiben. In den USA wurde das CBS-Format sowohl nach der ersten als auch nach der dritten Staffel abgesetzt. Nun nimmt sich der Sender A&E des TV-Sorgenkinds an und gab die vierte Staffel mit den Hauptdarstellern Poppy Montgomery und Dylan Walsh in Auftrag. In Deutschland zeigt kabel eins jetzt, endlich, muss man sagen, die zweite Staffel. Wie die beiden NYPD-Ermittler sich bei dem ganzen Hin-und Her fühlen und warum sie glauben, dass "Unforgettable" eine weitere Chance verdient hat und diese nutzen wird, verrieten sie vor dem Start der zweiten Staffel in den USA gemeinsam mit ihrer Kollegin Jane Curtin im Interview.

Gute Serien gibt es viele. Was im linearen Fernsehen aber oft fehlt, sind genügend geeignete Sendeplätze und ein langer Atem der Verantwortlichen. "Unforgettable" ist exemplarisch dafür, wie kompliziert es die schöne, neue Serienwelt den TV-Sendern heute manchmal machen kann. Während im Pay-TV bei TNT Glitz bereits die dritte Staffel ausgestrahlt wurde, geht bei kabel eins am Freitag, 10. April (20.15 Uhr), erst Staffel Nummer zwei auf Sendung. Die erste lief im Winter 2012/2013 bei SAT.1. Die Quoten waren damals sogar über Senderschnitt. Aber wenn nun die 13 Episoden (immer freitags in Doppelfolgen) ausgestrahlt werden, wird es die Frage sein, ob "Unforgettable" bei den Fans nicht schon in Vergessenheit geraten ist.

Auch für die Stars sind die Auswüchse des Serienhypes manchmal kaum noch kalkulierbar. "Ich dachte, die veräppeln mich, und Ashton Kutcher kommt gleich um die Ecke und schreit 'Punk'd'!", erinnert sich Hauptdarstellerin Poppy Montgomery beim Interview in New York City: Als die US-Schauspielerin 2013 erfuhr, dass die Serie "Unforgettable" nach dem Absetzen doch fortgesetzt wird, glaubte sie, im amerikanischen Pendant zu "Verstehen Sie Spaß?" gelandet zu sein, das damals noch von dem "Two and a Half Men"-Star moderiert wurde. Die 42-Jährige, die vorher in "Without a Trace" mitwirkte, hatte auch allen Grund, durch den Wind zu sein. Zehn Tage zuvor hatte sie erfahren, dass sie schwanger ist: "Ich habe mich sehr gefreut, dass die Sendung fortgesetzt wird, doch dann fiel mir ein, dass ich schwanger bin und ich dachte: 'Oh Gott, das wird kompliziert - wie soll ich schwanger drehen?"

Dass die Hauptdarstellerin nach dem vorläufigen Serienaus sofort schwanger würde, damit hatten die Produzenten von "Unforgettable" natürlich nicht gerechnet. Gezwungenermaßen warteten sie bis zur Geburt von Poppy Montgomerys Tochter, um mit den Dreharbeiten zu beginnen. "Ich hatte versucht, sie davon zu überzeugen, wie toll es wäre, wenn Carrie in dieser Staffel ein Kind bekäme, aber sie wollten das nicht." Als Vater des Serienbabys wäre nur Dylan Walsh (bekannt aus "Nip/Tuck") infrage gekommen, der in der ersten Staffel noch ihren Vorgesetzen Al Burns im Queens-Office spielte und nun gemeinsam mit Carrie Wells zum New York Police Department (NYPD) nach Manhattan wechselt. Eine gute Entscheidung für die Neuauflage, findet der aus Los Angeles stammende 51-Jährige: "Queens war passend als Umfeld für die erste Season, aber nun ermitteln wir mitten in der big city und lassen dadurch die Sendung in neuem, coolen Glanz erstrahlen."

Doch nicht nur das Setting muss sich ändern, um neue Zuschauer zu gewinnen: "Unforgettable" sollte unterhaltsamer werden, meint Jane Curtin: "In der ersten Staffel war die Sendung sehr ernst und düster. Es gab keine Leichtigkeit. Wenn es so weiter gegangen wäre, dann wären die Zuschauer irgendwann depressiv geworden. Wir wollen ja nicht, dass die Leute sich umbringen." Deshalb werde die Serie laut dem ehemaligen "Saturday Night Live"-Star ab der zweiten Staffel "energiegeladener und zugänglicher für den Zuschauer. Am Anfang war das Problem der Serie, dass sie zu verschlossen war. Die Dialoge der Darsteller waren 'entre-nous'. Da dachte sich das TV-Publikum bestimmt: 'Oh, die Darsteller unterhalten sich, da will ich nicht stören."

Vor allem Curtins Rolle als schrullige Gerichtsmedizinerin Joanne Webster verleiht "Unforgettable" mehr Leichtigkeit. Die 67-Jährige freute sich riesig über den Job, weil sie "schon immer eine Pathologin spielen wollte." In Vorbereitung auf ihre Rolle traf sie sich mit einem und stellte fest: "Die Leute, die diesen Beruf ausüben, sind alles andere als humorlos. Der Leichenbeschauer erzählte mir, dass es üblich ist, Anfänger beim ersten Einsatz zum Erbrechen zu bringen. Er ging mit einem zu einem Toten, der schon längere Zeit bäuchlings auf dem Boden lag. Also sagte er seinem Assistenten: 'Pack du ihn an den Füßen und ich halte ihn an den Schultern und bei Drei drehen wir ihn um. Bei Drei hatte der Neuling die Beine des Toten in der Hand. Der Experte wusste vorher, dass das passieren würde und machte das nur, damit der Neue sich übergeben muss. Fies."

Alles andere als gemein wird Dr. Webster zu Carrie sein. Stattdessen versucht sie, ihr in der zweiten Staffel zu helfen, den Mord an ihrer Schwester aufzuklären. Der Tag des Todes ist der einzige, an den sich die "Unforgettable"-Hauptakteurin nicht erinnern kann - trotz ihres episodischen Gedächtnis, das Ärzte als Hyperthymesie bezeichnen. Diese "Superkraft" wie Poppy Montgomery sie nennt, wird selbstverständlich weiterhin im Fokus der Serie stehen. Außerdem wird es laut der australischen Darstellerin "actionreicher zugehen - samt Catfight und jeder Menge Stunts. Aber natürlich wird es auch Romantik geben. Ich habe zu den Produzenten der Serie gesagt: 'Come on! Lass Al und Carrie wieder zueinander finden!' Mit würde es sehr gut gefallen, wenn die beiden gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten. Es bleibt spannend."

Quelle: teleschau - der mediendienst