Helmut Dietl

Helmut Dietl





Ein Leben für die Münchner Freiheit

Er war einer der wichtigsten deutschen Regisseure. Mit "Schtonk!" und "Rossini" schrieb Helmut Dietl Filmgeschichte, mit "Monaco Franze" gelang ihm ein dauerhafter, unübertroffener Serienerfolg. Am Montag ist Helmut Dietl laut Medienberichten im Kreise seiner Familie in München verstorben. Der Star-Regisseur, der an Lungenkrebs erkrankt war und Jahr 2007 einen Schlaganfall erlitten hatte, wurde 70 Jahre alt.

Als Helmut Dietl Anfang Mai 2014 in Berlin unter Standing Ovations den Deutschen Filmpreis für sein Lebenswerk erhielt, war das ein bewegender Moment, die viele zu Tränen rührte. Der an Krebs erkrankte Regisseur bedankte sich zuerst bei seiner Ehefrau seit 14 Jahren, Tamara Duve: "Die Tatsache, dass ich hier stehe, habe ich der Pflege meiner Frau in den letzten sechs Monaten, die sehr hart waren, zu verdanken." Hinter der Verleihung vermutete der Kritiker der Deutschen Filmakademie "eine Taktik, um ein verlorenes Schaf wieder einzufangen". Iris Berben, die Präsidentin der Akademie, hatte ihn überredet, den Preis anzunehmen. Dietl sprach sehr langsam, machte Pausen. Humorvoll verabschiedete er sich dann mit den Worten: "Wenn es Ihnen recht ist, gehe ich jetzt."

Wie ein Wunder war das, als Helmut Dietl 1974 die berühmten "Münchner Geschichten" schrieb und drehte. Ganz nah am Leben waren diese Szenen, dem Volk in allen seinen Schichten genau aufs Maul geschaut und voller Erotik, nicht zu vergessen. Ein "actor's director" wurde Dietl nach amerikanischem Vorbild gerne genannt, weil er seine Schauspieler so liebte: etwa den Halmer oder den "Monaco Franze" Helmut Fischer, der so früh verstarb und heute als Bronzefigur vor dem Café "Münchner Freiheit" in Schwabing steht.

Münchner Freiheit atmeten alle Serien Dietls, und er schuf damit ein Genre, dem man den Ehren-Namen "Münchner Serien" gab. Allenfalls Franz Xaver Bogner ("Irgendwie und sowieso", "Zur Freiheit") konnte ihm da noch das Wasser reichen. Im Frühjahr 1983 wurde - nach einem Los Angeles-Aufenthalt Dietls - "Monaco Franze - Der ewige Stenz" erstmals ausgestrahlt, und wahrscheinlich hat es in der Sparte Unterhaltungsfiktion nie mehr etwas Besseres im deutschen Fernsehen gegeben. In Schwabing hatten sie sich damals getroffen, Dietl, Fischer und der Koautor Franz Geiger. Unvergessen, die Liaison des "ewigen Stenz", Ex-Kommissar übrigens, und seines angetrauten "Spatzl", gespielt von Ruth Maria Kubitschek. Der schlitzohrige Charme, der sanfte Zynismus, der sich mit einer Prise Bosheit paart, blieben typisch für Dietl, der am 22. Juni 1944 in Bad Wiessee geboren wurde.

Und dann die Frauen, in der legendären Glamour-Serie "Kir Royal" von 1986, mit Senta Berger, genau so wie im richtigen Leben: "Ich hab' Frauen sehr gern", verriet Dietl mal im Interview. Seit nunmehr 15 Jahren verheiratet mit Tamara Duve (die gemeinsame Tochter ist inzwischen zwölf), blieb Dietl lange beziehungsskeptisch. "Ich hoffe, dass es gut geht, es scheint ja so", sagte er dann, "aber ich bin gerne bereit, immer wieder dieselben Fehler zu machen." Und über Frauen generell: "Ein gewisses Jagdfieber hat nachgelassen. Aber eine Frau ist für mich immer von ganz herausragender Bedeutung. Frauen haben meine Arbeit und mein Leben immer stark beherrscht."

Wie kaum einem anderen gelang dem "schwierigen" Dietl immer wieder die Balance zwischen Fernsehen und Film. Die Mediensatire "Schtonk" über den "Stern"-Skandal der Hitler-Tagebücher oder der Schlüsselfilm "Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" über die Münchner Cineasten-Schickeria sind bleibend. In München war er immer zu Hause, Berlin blieb ihm fremd. Der Film "Vom Suchen und Finden der Liebe", in welchem sich der Komponist Mimi Nachtigall (Moritz Bleibtreu) und die Sängerin Venus Morgenstern (Alexandra Maria Lara) trennen und doch nicht voneinander loskommen, blieb einer romantische Exkursion, erkennbar der langjährigen Lebenspartnerin Veronica Ferres gewidmet. Die Politsatire und Kir-Royal-Fortsetzung "Zettl" (2012) geriet nach schwerer Drehbuch-Geburt zur reinen Hauptstadt-Groteske.

"Alles, was ich gemacht habe, hat stets mit meiner eigenen Person zu tun gehabt", verkündete Dietl. "Beschäftigung mit Kunst ist immer therapeutisch, eine Art Höhlenmalerei. Man pinselt etwas an die Wand, um sich die Angst zu nehmen - Angst vor der Vergänglichkeit zum Beispiel." Noch im vergangenen Jahr hatte Dietl erklärt, dass er an zwei neuen Projekten arbeite - einem Film, den er gemeinsam mit dem österreichischen Schauspieler, Autor und Kabarettisten Josef Hader realisieren wollte, und einer Autobiografie: "Ich habe vor knapp zwei Jahren damit angefangen, mein Leben aufzuschreiben, meine Erinnerungen. Was ich besser nicht hätte tun sollen! Ich hatte letzten Herbst, als ich erfahren musste, dass ich Krebs habe, bereits 160 Seiten fertig, war aber erst im Jahr 1968 angelangt. Irgendwie mag ich es jetzt schon nicht mehr lesen!"

Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen, sagte am Montag: "Mit Helmut Dietl verlieren wir einen der ganz großen Filmsatiriker des deutschen Fernsehens. Für die ARD hat er in den 80er-Jahren mit 'Monaco Franze' und 'Kir Royal' zwei Serien geschaffen, die Fernsehgeschichte geschrieben haben. In den 90er-Jahren folgten mit 'Schtonk!', 'Rossini' und 'Late Show' drei Filme, die die moderne Mediengesellschaft und ihren Jahrmarkt der Eitelkeiten pointiert aufs Korn nahmen. Sein unbestechlicher Blick verbunden mit der Fähigkeit, seine Geschichten mit Witz, Charme, Perfektion und einem untrüglichen Gefühl für das richtige Timing zu erzählen, bleiben unvergessen."

Quelle: teleschau - der mediendienst