Karl Moik

Karl Moik





Verneigung vor "Karl dem Großen"

All den schlimmen Dingen, die sich in aller Welt und vor der eigenen Haustüre gerade ereignen, zum Trotz: In Oberwart im Burgenland wollten sie am Samstagabend eigentlich ein schönes Fest feiern. Der "Musikantenstadl" gastiert in der Stadt (die ARD überträgt am 28.03. wie immer ab 20.15 Uhr live), die Prominenz der volkstümlichen Musikszene ist da. Doch Donnerstagmittag, kurz vor Beginn der ersten Proben, sorgte eine schockierende Nachricht für Entsetzen in der Stadl-Welt: Der Showmaster Karl Moik, der den "Musikantenstadl" 1981 ins Leben rief und viele Jahre moderierte, ist tot. Er sei am Donnerstag in den frühen Morgenstunden im Alter von 76 Jahren in einer Salzburger Klinik verstorben, hieß es in übereinstimmenden Medienberichten. Moik sei in dem Krankenhaus seit drei Wochen wegen Nierenproblemen stationär behandelt worden. Die Unterhaltungsbranche trauert um eine ihrer Legenden. "Nun schunkelt er mit den Engeln", titelte "Bild online". Servus, Pfüat Gott und Auf Wiedersehen!

Showmaster, Entertainer, Moderator, Produzent, Musikant, Sänger und sogar Schauspieler: All das war Karl Moik, doch vor allem war er eine Persönlichkeit. Der geborene Linzer, der nach der Schule zuerst eine Lehre als Werkzeugmacher absolvierte, bevor er erst beim Radio, dann im Fernsehen Unterhaltungsgeschichte schreiben sollte, hinterließ einen tiefen Eindruck, wo immer er auftrat. Moik war ein solider Handwerker, ohne Zweifel, aber ihn umgab auch stets eine besondere Energie, etwas Visionäres. Sein Lachen konnte Säle füllen, hieß es. Wer je mit ihm sprach und in seine auch im Alter noch vor Begeisterung leuchtenden Augen sah, wenn ihn ein Thema so richtig gepackt hatte, der bekam eine Vorstellung davon, wie es ihm gelingen konnte, die Vorderen des ORF und der ARD dür sich und seine Konzepte einzunehmen.

Es braucht zweifellos eine markante Persönlichkeit, um durch eine große Samstagabendshow mit all ihren Unvorhersehbarkeiten zu führen. Gleichzeitig darf der Gastgeber - gerade bei einer Traditionssendung - das Format aber nicht mit seiner Person übertönen. In der Fernsehgeschichte gab es immer wieder Moderatoren, die diesen Spagat so gut meisterten, dass ihr Name für immer mit der Show verknüpft blieb, mit der sie groß wurden. Hans Rosenthal und "Dalli Dalli" ist eine solche Kombination, ebenso wie Kurt Felix und "Verstehen Sie Spaß?". Natürlich auch Thomas Gottschalk und "Wetten, dass ..?" Länger als jeder dieser Herren war aber Karl Moik seinem ureigenen Format treu. Ein Vierteljahrhundert lang hielt er beim "Musikantenstadl", den er selbst aus der Taufe hob, die Zügel in der Hand.

Der Mann, der sich einmal als "demokratischen Diktator" bezeichnete, erinnerte sich vor ein paar Jahren, 2011, in einem Gespräch in München an die Anfänger der Show: "Ich hatte immer schon die Idee von einer Unterhaltungssendung mit volkstümlichen Musikanten." Als der ORF 1980 mit Harald Windisch einen neuen Unterhaltungschef bekam, wuchsen in Moik, damals Moderator der Radiosendung "Volkstümliche Hitparade", die Hoffnungen. Seine Frau Edith gab letztlich den Ausschlag: "Jetzt rufst den Windisch an und gehst da hin", habe sie ihm sanft aber bestimmt befohlen, erzählte Moik. So kam es, dass nach einem Telefonat an einem Dienstag im November 1980 prompt ein Chefetagen-Termin am Donnerstag folgte - Moik sprach vor, im Gepäck gleich drei Konzepte: eine Frühschoppensendung, eine Evergreen-Show und den Musikantenstadl. "Die Knie schlotterten wie Scheibenwischer."

Herauskam ein eineinhalbstündiges Gespräch, an dessen Ende sich Windisch nach dem nächsten freien Livetermin erkundigt habe. Man ging auseinander mit dem für den 5. März 1981 fest geplanten ersten "Musikantenstadl" ... Von Windisch, grinste Moik damals, habe er im Grunde nur eine Vorgabe mitbekommen: "Machen Sie mir eine Unterhaltungssendung ohne den Mief des Bierzeltes. Nu' ja, dann ha'mers halt gepackt." Einfach so. "Das kannst du dir heute gar nimmer vorstellen", sagte Moik 2011, und wer hätte ihm widersprechen wollen.

Es folgten 25 Jahre "Stadl", und 95 Prozent davon hätten aus "traumhaften Erlebnissen" bestanden, schwärmte Moik. Eine Zeit voller Erlebnisse, für die andere vier, fünf Leben bräuchten, sei das gewesen, sagte er mit sichtlichem Stolz und unterstrich bei der Gelegenheit gleich noch, dass es so etwas "überhaupt noch net geb'n" hat: eine Unterhaltungssendung, die in allen fünf Kontinenten der Erde zu Gast war. Das reine Herzblut tropfte aus den Erinnerungen an seinen geliebten "Musikantenstadl". 25 Jahre lang brachte er mit der ORF-Produktion die volkstümliche Musik in alle Welt, von Kanada bis nach China.

Vor zehn Jahren dann die Zäsur. Nach einem Herzinfarkt und einem Schwächeanfall wurde Karl Moiks 2005 auslaufender "Stadl"-Vertrag nicht verlängert. Die Nachfolge trat Andy Borg in der 145. Ausgabe am 23. September 2006 an. Über seinen Abschied sagte Karl Moik: "Ich musste mich trennen und habe zwei Jahre gebraucht, um mich loszulösen." Zwei Jahre Trennungsschmerz - der "Musikantenstadl" war Karl Moiks Leben. Deshalb schaute sich der zweifache Vater danach auch keine "Stadl"-Sendung mehr an.

Moiks Arbeitsweise, seine Selbstdisziplin und sein hoher Anspruch, waren sicherlich mitverantwortlich für den Erfolg, den der "Musikantenstadl" in den ersten 25 Jahren hatte. "Wenn man auf die Bühne geht", erklärte der gebürtige Linzer einmal, "muss man sich einer Sache bewusst sein: Es gibt kein schlechtes Publikum. Wenn jemand versagt, dann ist das der Mensch auf der Bühne. Ich versuche deshalb immer, das Publikum von Anfang an in der Hand zu haben. Auch an Tagen, an denen man nicht so gut drauf ist, muss das klappen. Der Mensch, der in die Show kommt, hat viel Geld bezahlt. Dafür muss er etwas kriegen. Deshalb kann ich mir auch nicht vorstellen, dass einer meiner Gäste nicht live spielt. Playback ist Betrug am Publikum! Wer nicht live spielen möchte, ist bei mir nicht dabei. Das geht nicht, das entscheide ich. Da bin ich demokratischer Diktator."

"Ich lese gerne Biografien", sagte Moik, der über eine lange Radiokarriere zum Fernsehen kam, nach seinen Hobbys befragt. "Und ich habe immer schon meine Satellitenschüssel gehabt, schon acht Stück hab' ich zu Hause - fragen sie mich nicht warum, es ist ein bisserl verrückt." Über 2.000 TV-Kanäle sollen es wohl gewesen, die Karl Moik daheim empfing. "Wenn ich ein Testbild aus Indien sehe, bin ich schon der glücklichste Mensch", lachte Moik, der Schelm. Das sei dann so etwas wie seine "Blaue Mauritius".

Wenn man 25 Jahre einer Tätigkeit nachgegangen ist, so wusste Moik, dann sei es wichtig, im Anschluss radikal auf Abstand zu gehen, sonst komme man nie los. Ohnehin sei er ein Mensch, der "immer schon in die Gegenwart und in die Zukunft g'schaut hat. Die Vergangenheit ist vorbei."

Vor einem Jahr wurden Moiks gesundheitliche Probleme gravierend. In Moiks Lunge hatte sich Wasser gebildet, die Ärzte nahmen einen Luftröhrenschnitt vor, versetzten ihn ein künstliches Koma, rangen um sein Leben. Im Dezember kam Moik erneut ins Krankenhaus, weil seine Nieren nicht mehr richtig arbeiteten.

Die volkstümliche Musikszene zeigte sich in ersten Reaktionen geschockt. Stefan Mross, der wie manch anderer in seiner Show zum Star wurde, schrieb auf Facebook: "Ihr könnt Euch nicht vorstellen wie sehr ich traurig bin. Bin nur am weinen. Ich bin bei Familie Moik." Andy Borg, der den Musikantenstadl von Karl Moik übernahm, sagte, die Nachricht vom Tod Karl Moiks "macht mich und mit mir Millionen Stadl-Freunde sehr betroffen. Karl Moik war für mich nicht nur ein guter Freund, er war für mich ein großes Vorbild, in dessen Fußstapfen mir vergönnt war, zu treten. Er hat sich, wie kein anderer, in den letzten Jahrzehnten für die Volksmusik und den Schlager in Radio und Fernsehen, vor allem auch für den Nachwuchs eingesetzt. Ihm haben viele große Kolleginnen und Kollegen ihre Karriere zu verdanken. Ich verneige mich vor 'Karl, dem ganz Großen'. Mein persönliches Mitgefühl gilt in diesen schweren Stunden und Tagen Edith, seiner Frau, Wolfgang und Evelyn, seinen beiden Kindern und ihren Familien."

Auch Hansi Hinterseer zeigte sich bestürzt: "Karl hat vielen Millionen Menschen aus allen Generationen Freude mit guter Unterhaltung und Musik geschenkt. Mit dem 'Musikantenstadl' hat er eine der langjährig wohl erfolgreichsten Fernsehsendungen begründet. Unsere Gedanken sind in dieser schweren Stunde natürlich ganz besonders bei seiner Familie." Sängerin Francine Jordi aus der Schweiz, die derzeit als Nachfolgerin von Moderator Andy Borg beim "Musikantenstadl" gehandelt wird, postete ein Bild von sich mit Moik, auf dem sie sich für alles bedankt, was er für sie getan hat. Gegenüber dem Portal "Bluewin" zeigte sich Jordi bestürzt: "Diese Nachricht macht mich tief traurig. Uns hat über das Berufliche hinaus auch Privates verbunden. Auf seine Unterstützung und seinen Rat durfte ich immer zählen."

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz würdigte den "Wegbereiter für einen unvergleichbaren Erfolgslauf volkstümlicher Musiksendungen im Fernsehen". Wrabetz: "Er brachte mehr als 25 Jahre lang den Menschen rund um den Globus populäre österreichische Volkskultur näher. Seine unermüdliche Begeisterung, sein aufopfernder Enthusiasmus und sein Gespür für Unterhaltung machten Karl Moik zum 'Mister Musikantenstadl', der das Format zu weltweiter Bekanntheit führte."

Quelle: teleschau - der mediendienst