Patricia Aulitzky

Patricia Aulitzky





Öfter mal aufs Bauchgefühl hören

"Kunst liegt im Auge des Betrachters." Wenn sich Patricia Aulitzky an ihre Leinwand stellt und mit Ölfarben malt, geht es ihr nicht darum, ein Meisterwerk zu kreieren, sagt die Schauspielerin, sondern sie will beim Malen abschalten. Geld verdienen muss die 35-Jährige mit der Malerei momentan auch nicht: Soeben hat sie den Part einer Anwältin in der RTL-Gefängnisserie "Block B - Unter Arrest" (donnerstags, 22.15 Uhr) sowie die Hauptrolle der Hebamme "Lena Lorenz" übernommen. In zunächst zwei 90-Minütern ist sie am 9. und 16. April (donnerstags, 20.15 Uhr) im ZDF zu sehen. Die gebürtige Salzburgerin hofft, dass die Zuschauer der modernen Version des Heimatfilms eine Chance geben. Am Charme der Wahl-Berlinerin, die die Flucht aufs Land aus eigener Erfahrung kennt und ein Wiener Schnitzel in ihrer Heimat Österreich niemals verschmähen würde, wird das weibliche TV-Pendant zum "Bergdoktor" jedenfalls nicht scheitern. Ob die Sinnsuche einer Hebamme hingegen genug Stoff für einen dauerhaften Sendeplatz bietet, wird wieder im Auge des Betrachters liegen.

teleschau: Das ZDF lässt "Lena Lorenz" und "Hanna Hellmann" unter dem Dachmantel "Neue Heimatfarben" laufen. Was ist denn das Neue an diesen Formaten?

Patricia Aulitzky: "Lena Lorenz" spielt zwar hauptsächlich in den Bergen, ist aber ganz sicher kein altbackener Heimatfilm. Ich hoffe, dass das beim Zuschauer auch ankommt. Denn die Reihe hat so viel zu bieten und behandelt brandaktuelle Themen, mit denen sich jeder identifizieren kann. Lena steckt anfangs in einer Lebenskrise und fragt sich: Wo will ich hin im Leben? Muss ich etwas ändern und die Reißleine ziehen?, Wo bin ich zu Hause? Diese Fragen kennen wir ja alle. Deshalb wird "Lena Lorenz" auch eine große Bandbreite an Zuschauern ansprechen.

teleschau: Steckten Sie auch schon mal in so einer Selbstfindungsphase?

Aulitzky: Ja klar, immer wieder, die Suche darf nie aufhören. (lacht) Das sind ja Prozesse die einen formen und oft auch neu antreiben. Ich bin aber zum Beispiel nicht so ein Fluchttier wie Lena. Wenn es ihr zu viel wird, haut sie einfach ab. Das mache ich nicht. Aber ich gehe dann in die Natur, um meine Batterien aufzuladen, oder meditiere um zur Ruhe zu kommen.

teleschau: Sie leben in Berlin. Dort ist es eher schwierig, dem Lärm zu entfliehen, oder?

Aulitzky: Stimmt, aber wenn man Natur sucht, findet man sie auch. Oder ich fliege nach Hause nach Tirol. Da sitze ich dann auf 1.000 Metern, hab den Berg hinter und den Wald vor mir.

teleschau: Also machen Sie es manchmal wie Lena und kehren zurück in Ihr Bergdorf?

Aulitzky: Genau! Im Gegensatz zu Lena muss ich mich zum Glück aber nicht entscheiden, wo ich wohne. Ich führe wie viele Schauspieler ein modernes Zigeunerleben.

teleschau: Sie haben nicht nur eine Schauspiel- sondern auch eine Fotografie-Ausbildung. Ist das Fotografieren ein weiterer Ausgleich in Ihrem Leben?

Aulitzky: Ja, ich liebe es, zu fotografieren und besuche oft Fotoausstelllungen. Seitdem meine alte Kamera aber so kaputt ist, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnt, ist es weniger geworden. Momentan male ich mehr.

teleschau: Welche Art von Kunst entsteht dabei?

Aulitzky: Ich male oft aus Emotionen heraus mit Ölfarben. Ich glaube,dass ich ein gutes Gespür für Farben habe, aber Kunst liegt ja immer im Auge des Betrachters (lacht). Ich muss die Werke auch nicht verkaufen, sondern mache das nur für mich selbst. Das tut mir gut. Ob es anderen gefällt, ist für mich dabei irrelevant.

teleschau: Wäre Hebamme denn eine berufliche Alternative gewesen?

Aulitzky: Nein! Ich habe Hochachtung vor dem, was Hebammen leisten. Für mich wäre der Beruf nichts: zu viel Blut und Schmerzen. Ich war froh, dass uns bei den Dreharbeiten Hebammen zur Seite standen, die uns gezeigt haben, wie die Handgriffe gehen.

teleschau: Im Film sieht Lena in Berlin zufällig ein Schild mit der Aufschrift: "Nehmen Sie sich eine Auszeit in Bayern", das ihr im wahrsten Sinne den Weg weist. Glauben Sie an solche schicksalshaften Zeichen?

Aulitzky: Jein. Man ist einerseits seines Glückes Schmied und muss zudem selbst entscheiden, ob man das Glas als halb voll oder leer erachtet. Aber ich glaube auch, dass das Bauchgefühl einem signalisiert, was richtig und falsch für einen ist. Da gibt es dann vielleicht Zeichen, die mit dem Bauchgefühl übereinstimmen und einem den Weg klarer weisen.

teleschau: Sie sind also ein Bauchmensch?

Aulitzky: Ich denke sehr viel nach, bin aber auch ein krasser Bauchmensch. Ich versuche zu trainieren, mein Bauchgefühl wahrzunehmen und ihm zu vertrauen. Ich möchte eben nicht nur verstehen, sondern auch fühlen, ob ich Dinge nur aus Pflichtgefühl tue, oder sie wirklich will.

teleschau: Gehen wir zu viele Kompromisse ein, anstatt nach unserem Glück zu streben?

Aulitzky: Wir alle gehen doch oft zu viele Kompromisse ein im Leben, gerade weil wir nach Glück streben. Viele Leute nehmen sich in ihrem Alltag keine Zeit, um in sich hinein zu spüren. Aber wenn man es tut und den Wunsch nach Veränderung findet, braucht man natürlich auch Mut, um seine Komfortzone zu verlassen und Neues auszuprobieren.

teleschau: Sind Sie angekommen?

Aulitzky: Ich komme mehr und mehr in mir selbst an, bezeichne mich aber als modernen Nomaden. Ich bin in der glücklichen Situation, einen Beruf zu haben, den ich liebe und der Abwechslung bringt. Ich bin da, wo mein Job ist. Fixpunkt in meinem Leben sind aber trotzdem meine Freunde und meine Familie, auch wenn wir international verstreut sind und ich sehr viel reise. Mal schauen, wo man so ankommt. (lacht)

teleschau: In einem bayerischen Bergdorf werden Sie sich also nicht so bald mit einem Mann und Kindern niederlassen?

Aulitzky: Das glaube ich nicht, nein! (lacht)

teleschau: Wenn Sie in Ihrer Heimat sind, verschmähen Sie dann ebenso wie Vegetarierin Lena Fleisch?

Aulitzky: Ich bin angevegetariert - so nenne ich das - aber ich esse Fleisch, wenn mein Körper das will. Das kommt nicht sehr oft vor, aber hin und wieder, wenn ich in Österreich bin, lacht mich schon so ein Wiener Schnitzel an, das ich dann genieße.

Quelle: teleschau - der mediendienst