Kein Happy End

Kein Happy End





Wenn (Haupt-)Darsteller während der Dreharbeiten sterben, greift Hollywood in die Trickkiste

Auch die größten Fans von Paul Walker konnten eine gewisse Ironie nicht leugnen. Der Schauspieler, durch die Raser-Filmreihe "Fast & Furious" weltberühmt geworden, starb im November 2013 im Alter von 40 Jahren - ausgerechnet nach einem Autounfall. Teil sieben war zum Zeitpunkt des Unglücks erst halb abgedreht. Doch die Filmemacher ließen sich etwas einfallen: In einer fast sechs Monate andauernden Trauerphase schraubte man am Drehbuch, Walkers Brüder Caleb und Cody sprangen neben zwei weiteren Doubles ein, Gesicht sowie Stimme des Schauspielers wurden für einige fehlende Filmszenen mit dem Computer simuliert. Am 1. April startet "Fast & Furious 7" in den Kinos - und Paul Walker reiht sich ein in eine illustre Reihe von Hollywood-Stars, die ebenso noch vor der Fertigstellung ihres letzten Films starben.

Der Unfall ereignete sich in Santa Clarita, Kalifornien. Nicht Paul Walker, sondern sein Freund und Berater Roger Rodas steuerte den roten Porsche Carrera GT. Die Stelle, an der Rodas, ein wie Walker erfahrener Lenker solcher Sportfahrzeuge, wohl die Kontrolle über den Wagen verlor, ist beliebt bei schnellen Fahrern schneller Autos. Eine Kurve, in der genug Platz ist, den Boliden prima driften zu lassen, also den Wagen in einer Straßen-Abbiegungen zu übersteuern, um nichts am Fahrtempo einzubüßen. Der Porsche prallte gegen einen Laternenmast aus Beton und brannte völlig aus. Gut 70 Kilometer pro Stunde sind auf dieser Straße erlaubt, der Wagen bewegte sich kurz vor dem Aufprall mit der doppelten Geschwindigkeit fort.

Ebenfalls zu schnell unterwegs war einer der bekanntesten Todesopfer der Hollywood-Geschichte: James Dean hatte zu Lebzeiten die Leidenschaft für schnelle Autos mit Paul Walker gemein. Er verunglückte im Alter von 24 Jahren im September 1955 ebenfalls in einem Porsche, allerdings in einem 550 Spyder, vom ewigen "Rebel Without A Cause" liebevoll auf "Little Bastard" getauft. Sein finaler Film "Giganten" (1956) war zwar bereits abgedreht, befand sich aber noch mitten in der Post-Produktion. Da in einigen wenigen Szenen die Stimme von Deans Figur Jett Rink nur schwer verständlich war, synchronisierte sein Freund und Schauspielerkollege Nick Adams die Stellen nach.

Die aufsehenerregendsten Fälle der jüngsten Vergangenheit, bei denen ein Darsteller während Dreh- oder Produktionszeiten starb, sind die von Philip Seymour Hoffman und Heath Ledger. Hoffman starb im Februar 2014 an einem tödlichen Drogenmix. Am 19. November 2015 startet mit "Die Tribute von Panem - Mockingjay: Teil 2" der Abschluss der "Hunger Games"-Filmreihe. Hoffman hatte zum Todeszeitpunkt noch eine Woche Dreharbeiten vor sich, bis alle Szenen seiner Figur Plutarch Heavensbee im Kasten gewesen wären. Frühere Meldungen, man würde den Oscar-Preisträger nachdigitalisieren, dementierte Regisseur Francis Lawrence später. Er wolle nichts vortäuschen und schrieb lieber das Drehbuch um, sodass die eigentlich noch fehlenden Szenen mit Hoffman am Ende herausfielen.

Äußerst einfallsreich gingen Regisseur Terry Gilliam und seine Crew mit dem plötzlichen Tod Heath Ledgers 2008 um, der während der Produktion von "Das Kabinett des Doktor Parnassus" (2009) den Folgen eines Medikamenten-Cocktails erlag. Die Hollywood-Stars Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell sprangen ein und ermöglichten einen zusätzlichen Kunstgriff in einem ohnehin mit nicht wenigen Kniffen versehenen Film: Die Figur Tony verwandelt sich stets, wenn sie einen Zauberspiegel durchschreitet. Ledgers berühmte "Doubles" übernahmen die verschiedenen Parts.

Als besonders tragisch gilt der Fall der erst zwölfjährigen Nachwuchsschauspielerin Heather O'Rourke. Am 1. Februar 1988 starb sie noch während der Post-Produktion zum dritten Teil der legendären Horrofilmreihe "Poltergeist". Da der Film mit seinem ursprünglichen Ende inklusive O'Rourke keine Jugendfreigabe in den USA bekommen hätte, musste der Schluss neu gedreht werden. Die Figur der Verstorbenen wurde dabei von einem Körperdouble übernommen. O'Rourke starb nach einer ärztlichen Fehldiagnose an einem Darmverschluss. So wurde auch sie Teil des sogenannten "Poltergeist-Fluchs": Dieser beschreibt die Tatsache, dass gleich mehrere Darsteller der Reihe früh und zum Teil tragisch ums Leben kamen.

Mit Bruce und Brandon Lee ereilte sogar Vater und Sohn ein ähnliches Schicksal. Bruce starb kurz vor Abschluss der Nachproduktion von "Der Mann mit der Todeskralle" 1973. Große Änderungen standen aber keine mehr an, zusätzliche Double-Einsätze oder dergleichen waren nach Lees Ableben keine nötig. Die Actionszenen des Martial-Arts-Films beanspruchten die Genre-Ikone so sehr, dass er aufgrund eines Hirnödems und eines epileptischen Anfalls in den Gängen des Studios in Hongkong zusammenbrach. Wenige Wochen später starb er. Über den endgültigen Todesgrund wird noch heute spekuliert.

Bei Filius Brandon liegt dieser dagegen auf der Hand: Der aufstrebende Schauspieler wurde mit seiner letzten Rolle als Eric Draven in "The Crow" (1993) wohl auch zum Star, weil er, während die Kameras liefen, ums Leben kam. Als in einer Filmszene auf seine Figur geschossen werden sollte, löste sich eine Attrappenhülse aus der 44-er Magnum, die nach vorherigen Großaufnahmen eines Pistolenschusses darin unbemerkt noch festklemmte. Der 28-Jährige starb zwölf Stunden später im Krankenhaus. Noch acht Tage waren für die Dreharbeiten angesetzt. Für die fehlenden Szenen sprang vor allem Stunt-Double Chad Stahelski ein, der mithilfe von Computer-Tricks Lees Gesicht verpasst bekam.

Die "Matrix"-Trilogie hatte sogar zwei Todesfälle zu beklagen. Pop-Star Aaliyah drehte bereits für Teil zwei, "Matrix Reloaded" (2003), einige Szenen und war auch für den dritten Teil (ebenfalls 2003) eingeplant. Nachdem sie 2001 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war, übernahm Nona Gaye ihre Rolle. "Das Orakel" Gloria Foster wurde nach zwei fertig gedrehten Filmen im Trilogie-Finale "Revolutions" von Mary Alice ersetzt. Foster starb 2001 an den Folgen ihrer Diabetes-Erkrankung.

Die Liste von Hollywood-Stars, die noch vor der Beendigung ihre letzten Films verstorben waren, lässt sich noch weiter fortsetzen: Natalie Wood, James Deans Co-Star in "... denn sie wissen nicht, was sie tun" (1955), ertrank bei einem privaten Bootsausflug 1982 während sie "Projekt Brainstorm" drehte. Ein Körperdouble sowie eine Stimmen-Imitatorin sorgten dafür, dass der Film fast zwei Jahre später doch noch ins Kino kam. Der alkoholkranke Schauspieler Oliver Reed starb auf dem Set zu "Gladiator" 1999 an einem Herzinfarkt. CGI und eine ihm nachempfundene Puppe sorgten für die noch fehlenden Aufnahmen mit dem Briten. Tyrone Power starb 1958 ebenfalls an einem Herzinfarkt während einer epischen Duell-Szene für "Salomon und die Königin von Saba", Schauspieler Yul Brynner ersetzte ihn schließlich komplett.

Jungstar River Phoenix starb 1993 an einer Überdosis Morphium und Kokain. "Dark Blood" war damals bereits zu 80 Prozent abgedreht, landete allerdings lange Zeit in den Archiven. Erst 2012 veröffentlichte Regisseur George Sluizer eine Version des Thrillers. Darin schließt der Niederländer die bestehenden Film-Lücken als Erzähler aus dem Off. Und am Ende noch ein Todesfall, bei dem ohne die Hauptdarstellerin nichts mehr ging: Marilyn Monroes Film "Something's Got To Give" aus dem Jahr 1962 wurde nie abgeschlossen. 1999 erschienen Teile des bereits vorhandenen, neunstündigen Materials als Teil einer Dokumentation.

Quelle: teleschau - der mediendienst