Halbe Brüder

Halbe Brüder





Die Asche ihrer Mutter

Ob es Sido bereut, die Maske abgelegt zu haben? Schließlich kann sich Paul Hartmut Würdig, wie der Berliner Rapper mit bürgerlichem Namen heißt, in Christian Alvarts neuem Kinofilm nicht verstecken. Wirklich schlecht macht er seine Sache als Hauptdarsteller zwar nicht, aber gegen das vogelwilde Drehbuch haben auch echte Schauspieler keine Chance. Etwa Fahri Yardim, der sich zusammen mit Sido und Tedros Teclebrhan auf eine Odyssee durch Deutschland machen muss. Sie spielen drei "Halbe Brüder" und suchen ihre Väter, einen Haufen Geld und sich selbst.

Wie die Jungfrau zum Kinde kommen Yasin (Fahri Yardim), Julian (Paul "Sido" Würdig) und Addi (Tedros Teclebrhan) zu einer gemeinsamen Mutter. Ein Notar eröffnet ihnen, Brüder zu sein. Welch ein Schock! Sie sind doch so unterschiedlich! Yasin ist ein verwöhntes Managersöhnchen, Julian ein Trickbetrüger mit zwei Kindern und großer Sehnsucht nach bürgerlicher Existenz, Addi ein rappender Tagedieb, der sich nicht die Mühe macht, seine Wörter vom Gehirn filtern zu lassen.

Wenigstens hatte ihnen ihre gemeinsame Mutter im Testament einen Schatz versprochen, den die drei Typen zu heben gedenken. Dafür müssen das türkische Weichei, der deutsche Familienvater und der großmäulige Afrikaner allerdings ihre gegenseitigen Vorurteile aus dem Handbuch für Multikulti-Klischees sausen lassen. Aber weil der Teufel in der Not bekanntlich Fliegen frisst, raufen sich auch die drei Beelzebübchen irgendwie zusammen und fahren mit der Asche ihrer Mutter von Berlin aus über Frankfurt und Köln nach Fehmarn.

"Deine Mudda ist 'ne Autobahn", witzeln sie fröhlich, und dann geht sie schon los, die wilde Fahrt. So wie es das Drehbuch vorsieht, finden sie unterwegs drei Väter, einen Haufen Geld und sich selbst. Das Script von Doron Wisotzky, der für Matthias Schweighöfer die Kassenschlager "What A Man" und "Schlussmacher" verfasste, wurde von Christian Alvart inszeniert. Der hatte schon bei zwei guten Kieler "Tatort"-Folgen Regie geführt und sich im Thriller-Genre versucht ("Antikörper", "Pandorum").

Bei "Halbe Brüder" setzt Alvart auf den Krawall-Stil, den er auch bei den "Tatorten" mit Til Schweiger pflegte: immer feste druff. Nur dass "Halbe Brüder" als Komödie firmiert und statt handfester Action, Humor und Timing gefragt sind. Vorsichtig ausgedrückt lässt sich behaupten: Bei Lustspielen hat Alvart noch Luft nach oben.

Dabei mangelt es der Mischung aus Kumpelkomödie und Road-Movie gar nicht mal an witzigen Ideen. Manche sind sogar richtig gut. Der finstere U-Bahn-Gangster Lemmele (Charly Hübner) und sein schmutzig-fieses Inkassokaninchen (Gregor Bloéb) sind herrlich skurrile Figuren, die aber leider wie Fremdkörper wirken. "Halbe Brüder" macht den Eindruck, als hätte eine ganze Armada von Redakteuren und Drehbuchverbesserern das Script solange verstümmelt, bis nur noch Fäkalhumor, abgestandene Integrationsscherze und billige Sexwitze übrig blieben.

Da können auch die drei bemitleidenswerten Hauptdarsteller einfach nichts machen. Sido, Fahri Yardim und Tedros Teclebrhan, der als Teddy Comedy durchaus witzig sein kann, sind arme Würstchen, denen nichts anderes übrig bleibt, als ihre Kalauer runter zu rattern. "Mama war 'ne Schlampe" ziehen Sido und Teddy im Abspann-Song Bilanz: Viel mehr lässt sich über "Halbe Brüder" auch nicht mehr sagen. Außer dass eine ganze Riege deutscher Film- und TV-Stars zu herrlich selbstironischen Gastauftritten bereit war: Detlev Buck, Samuel Finzi, Lilo Wanders, Julia Dietze, Michael Mendel, Erdal Yildiz und ein Schlagerstar, dessen Name an dieser Stelle noch nicht verraten wird - um nicht den einen überraschenden Moment des Films zu zerstören.

Quelle: teleschau - der mediendienst