Winnetous Sohn

Winnetous Sohn





Alles Indianer

"Man kann keinen Regenbogen sehen, wenn es nicht regnet", weiß Max (Lorenzo Germeno). Der zehnjährige Junge sieht eine Menge Regen. Seine Eltern sind getrennt, und er wird wegen seiner Figur öfter mal verspottet. Trotzdem lässt sich Max nicht unterkriegen. Im Gegenteil, der Hobby-Indianer setzt den Widrigkeiten des Lebens einen entwaffnenden Optimismus entgegen, mit dem er sein großes Ziel verfolgt. Max will unbedingt "Winnetous Sohn" werden. Doch bevor er die Rolle bei den Karl-May-Festspielen bekommt, muss er in André Erkaus Kinderfilm einem Cowboy aus seiner Einsamkeit holen, sich mit dem neuen Freund seiner Mutter arrangieren und seinen Vater aus der Feuerwasser-Höhle befreien.

Weil der Darsteller von Winnetous Sohn bei den Proben vom Pferd fällt, wittert Max seine Chance. Er will das Casting beim Colonel (Uwe Ochsenknecht) gewinnen und sich seinen Traum erfüllen: Schließlich ist niemand besser für die Rolle geeignet als Max, der sich selbst "Häuptling" nennt und ein wandelndes Indianer-Lexikon ist.

Außerdem hofft der korpulente Junge, dass er seine Eltern wieder versöhnen kann, wenn er auf der Freilichtbühne auftritt: Max lebt allein bei seiner Mutter Birte (Alice Dwyer). Seinen Vater Torsten (Christoph Letkowski) sieht er nur unregelmäßig. Dabei waren die drei früher eine richtig tolle Familie, haben viel zusammen unternommen und saßen regelmäßig bei den Karl-May-Festspielen auf der Tribüne.

Wer jetzt denkt, in André Erkaus sympathischem Kinderfilm geht alles glatt, täuscht sich gewaltig. Max hat einen Höllenritt vor sich. Andere Kinder finden den fröhlichen dicken Jungen nervig, sein Papa lässt ihn im Stich, die Mama kümmert sich vor allem um ihren neuen Freund. Das Leben kann auch im Film ziemlich hart sein - was aber den unerschütterlichen Max nicht davon abhält, seinen Traum zu verwirklichen.

Hindernisse sind da, um überwunden zu werden. Zusammen mit dem eigenbrötlerischen Morten (Tristan Göbel) beginnt Max ein Trainingsprogramm, das ihn auf den Rücken eines stolzen Mustangs führen soll. Die beiden einsamen Kinder werden echte Freunde und lernen etwas kennen, was ihnen bisher fremd war: Selbstbewusstsein.

André Erkau inszenierte "Winnetous Sohn" nach einem Original-Drehbuch von Anja Kömmerling und Thomas Brinx als charmantes Feelgood-Movie für Kids. Der Regisseur verschließt sich dabei aber nicht vor der Lebenswirklichkeit: Max und Morten sind echte Typen, Kinder, die in den Reihenhäusern und Plattenbauten wirklich leben. Ihre Probleme sind real, man kann sich mit ihnen identifizieren. Schade nur, dass auf die erwachsenen Figuren nicht so viel Sorgfalt gelegt wurde: Sie sind vor allem Karikaturen.

Quelle: teleschau - der mediendienst