Tilo Prückner

Tilo Prückner





"Ich bin ein Wühler"

Er war Star in "Bomber & Paganini" (1976, mit Maria Adorf), ein Erfolgsgarant bei "Adelheid und ihre Mörder" (1992 bis 1999, mit Evelyn Hamann) und als Hamburger "Tatort"-Kommissar im Einsatz (2001 bis 2008): Jetzt ist der 74-jährige Schauspieler Tilo Prückner, geborener Augsburger, erneut als TV-Ermittler zu sehen: In der Vorabendserie "Rentnercops" (mit Wolfgang Winkler, Katja Danowski und Aaron Le, acht Folgen, ab 31. März, dienstags, 18.50 Uhr, im Ersten) spielt er einen pensionierten Polizisten, der für spezielle Fälle in den Dienst zurückgeholt wird. Ein Gespräch mit Prückner über die Vorstellung des eigenen Rentnerdaseins, Freiheitsgefühle im Alter und ein (un-)mögliches "Tatort"-Comeback.

teleschau: Herr Prückner, kürzlich sagten Sie: "Im Ruhestand würde ich mich nicht langweilen, sondern verblöden." Das müssen Sie erklären.

Tilo Prückner: (lacht) Das war natürlich etwas überspitzt formuliert. Es gibt ja viele Männer, die ein Leben lang gearbeitet haben, in Rente gehen und plötzlich nicht nur ihren Ehefrauen auf die Nerven gehen, weil sie ständig zu Hause herumlungern, sondern bald auch einen deutlichen Verfall spüren. Sie sind nicht mehr gefordert, das nimmt ihnen den Antrieb. Die Gefahr, dass es mir genau so geht, sehe ich zwar nicht, aber ich merke schon, dass in Ruhephasen auch bei mir manchmal irgendetwas einschläft, mental wie körperlich.

teleschau: Hoffentlich fürchten Sie keine Gemeinsamkeiten zu dem Ermittler, den Sie aktuell in "Rentnercops" spielen. Der erlebt sein Rentnerdasein vor allem hinter zugezogenen Vorhängen bei Zigaretten, Bier und Pizza.

Prückner: Nein, ich denke nicht, dass mir so etwas passieren könnte. Zudem ist beim Ermittler in "Rentnercops" ja klar, warum er sich gehen lässt. Seine Frau, die er sehr geliebt hat, ist gestorben, und er trauert ihr nach. Man kennt das ja: Wenn in einer funktionierenden Ehe einer der beiden Partner stirbt, erlischt bei dem anderen oft auch jeder Lebensmut. Beim Ermittler gibt es sogar eine Tendenz zur Verwahrlosung.

teleschau: Wie stellen Sie sich Ihren Ruhestand vor?

Prückner: Erst mal stelle ich mir den gar nicht vor (lacht). So lange ich kann, werde ich drehen. Nur gezwungenermaßen werde ich in Rente gehen, was natürlich auch schnell passieren kann. Ich könnte zum Beispiel von heute auf morgen krank werden.

teleschau: Für viele bedeutet der Ruhestand auch Freiheit. Im vergangenen Jahr sprachen Sie einmal darüber, derzeit auch ohne Ruhestand einen "eiskalten Hauch der Freiheit" zu merken. Woher kommt der?

Prückner: Ich meinte damit die Folgen des Scheiterns meiner Ehe. Ich hatte nicht mehr die Frau, die mir die Wäsche wäscht und die überhaupt immer da war, auch dann, wenn wir uns gerade mal nicht mochten. Auf einmal war sie weg, und seitdem weht ein frischer Wind in meinem Leben. Hinzukommt, dass ich mich im Alter sowieso viel freier fühle und auch verhalte.

teleschau: Inwiefern?

Prückner: Ich nehme einfach kein Blatt mehr vor den Mund und kann mit allen Tacheles reden. Ich sage, was mir gefällt und was nicht. Höfliche Ausflüchte wie "das finde ich interessant" brauche ich nicht.

teleschau: Wann haben Sie sich zuletzt besonders frei gefühlt?

Prückner: Allein wenn ich arbeite, fühle ich mich schon sehr frei, weil ich nicht mehr diesen Karrieredruck spüre. Früher hätte ich gesagt: "Vorabendserie? Pah!" Heute sage ich: "Vorabendserie? Super!" Die spiele ich wesentlich lieber als einen schlecht geschrieben "Tatort".

teleschau: Warum denken Sie, ist Freiheit im Alter einfacher?

Prückner: Ich persönlich merke, dass ich mir im Alter eine gewisse Distanz zum Leben leiste, die mich sehr entspannt. Ich bin für mein Alter zwar schon noch ein Wühler und mache eigentlich viel zu viel. Aber auch bei mir wird das Bedürfnis größer, das Leben eher zu beobachten. Ich habe viele schwere Dinge erlebt, mit denen ich heute aber durch bin. Das alles liegt jetzt hinter mir, und es ist eine gewisse Leichtigkeit, die ich nun verinnerliche.

teleschau: Was tun Sie denn in Ihrer Freizeit, um sich wohl zu fühlen?

Prückner: Ich lese viel und schreibe auch gerne, vor allem Drehbücher, die zwar immer sehr gelobt, aber nicht realisiert werden, weil sie nicht mainstreamig genug sind. Ein Roman von mir wurde hingegen schon veröffentlicht, und ich überlege mir gerade den nächsten. Außerdem bin ich ein ziemlich geselliger Typ. Ich treffe gerne Menschen. Und ich mache Sport.

teleschau: Welchen Sport?

Prückner: Ich mache täglich eine Stunde Gymnastik, Sit-Ups und Ähnliches. Und ich jogge. Wobei ich gestehen muss, dass ich das Joggen eine Zeitlang habe schleifen lassen. Zuerst habe ich drei Monate lang die "Rentnercops" gedreht, dann war ich vier Wochen in Indien, und danach hatte ich wie so viele diese fürchterliche Grippe.

teleschau: Den dreimonatigen Dreh für die "Rentnercops" haben Sie mal als "Arbeit wie im Bergwerk" beschrieben. Wie meinten Sie das?

Prückner: Es waren sehr harte Produktionsbedingungen. Für Vorabendserien ist immer nur wenig Geld da, was bedeutet, dass sehr schnell gedreht werden muss. Außerdem ist die Arbeit extrem textlastig, weil Dialoge eben kostengünstiger sind als eine Verfolgungsjagd im Auto. Kurz: In Vorabendserien spielt man in fast jeder Szene mit, spricht ständig und versucht, dazu noch zu spielen. Eine Vorabendserie zu drehen, ist für mich die eigentliche hohe Kunst des Fernsehens und ganz harte Maloche. Eine "Tatort"-Produktion ist dagegen total gemütlich.

teleschau: Würden Sie denn zusagen, wenn noch mal das Angebot für eine Rolle als "Tatort"-Kommissar käme?

Prückner: Das ginge ja gar nicht, dafür bin ich wirklich zu alt. Und ich sage ganz ehrlich: Die "Rentnercops" spiele ich lieber als den Typen im "Tatort", der ich damals war.

teleschau: Weshalb?

Prückner: Meine Figur in den "Rentnercops" ist sehr gut geschrieben, die Autorin ist hervorragend. Ich finde die "Rentnercops" an sich auch sehr witzig. Vor allem sind sie nicht so blöd und spielen irgendeinen falschen Ernst.

teleschau: Gibt es ein Format, das Sie momentan trotzdem mehr reizen würde als die "Rentnercops"?

Prückner: Eine Mini-Serie. Mittlerweile hat das deutsche Fernsehen ja kapiert, was das US-Fernsehen schon längst begriffen hat, nämlich dass gute gemachte Mini-Serien toll funktionieren. Ich meine damit durchgehende Geschichten, die über etwa acht Folgen erzählt werden. So etwas wie Jürgen Vogel und Thomas Heinze gerade mit "Blochin" (produziert fürs ZDF, d. Red.) gemacht haben.

teleschau: Jedes andere TV-Format haben Sie ja bereits bedient. Ein Grund, warum es in der FAZ einst hieß, ohne Sie hätte der deutsche Film anders ausgesehen.

Prückner: Ich erinnere mich, dass ich auch mal an ein Filmset kam und der Regisseur zu mir sagte: "Ah, da kommt ein Teil deutscher Filmgeschichte."

teleschau: Was haben Sie dazu gesagt?

Prückner: "Noch lebe ich." (lacht)

Quelle: teleschau - der mediendienst