Michl Müller

Michl Müller





Wenn die Bombe zum "Bömble" wird ...

Aus der Erfogssendung "Fastnacht in Franken" kennt Michl Müller, den Mann, der sich selber zärtlich "Dreggsagg" nennt und ein T-Shirt mit nämlicher Aufschrift trägt, ein Millionenpublikum. Der Beliebtheitsgrad des 43-jährigen Unterfranken aus Garitz / Bad Kissingen steigt unaufhörlich. Bei 160 Vorstellungen jährlich begeistert er stets die Fans. Im Bayerischen Fernsehen hat er sich längst mit Einzelsendungen bewährt, nun erobert er die Zuschauer auch im Ersten. Müller kennt geografisch wie thematisch keine Grenzen. Die braunen Augen blitzen im Gespräch - ein Energiebündel, das wirkt wie ein Commedia dell' Arte-Clown. Ab 16. April (0.00 Uhr) kommt der freche Franke mit seiner nicht ganz ernst gemeinten Aktualitäten-Chartshow "Drei. Zwo.Eins. Michl Müller" viermal donnerstags in der ARD.

teleschau: Bei der "Fastnacht in Franken" sind Sie seit vielen Jahren als "Dreggsagg" eine feste Größe und tragen zum Millionenerfolg der BR-Sendung bei. Eine Pilotsendung zu Ihrer Chartshow über die von Ihnen aufgespießten Aktualitäten der Woche haben Sie bereits hinter sich. Bricht jetzt trotzdem noch mal das große Lampenfieber aus?

Michl Müller: Das richtige Lampenfieber fängt bei mir sowieso erst wieder fünf Minuten vor der Sendung an - das ist jedesmal das Gleiche. Aber viermal ARD im Ersten - und es soll ja immer wieder aktuell sein -, das bedeutet schon etwas. Trotzdem: Ich denke, es sollte funktionieren.

teleschau: An Ideen mangelt es Ihnen offensichtlich nicht. Die Welt ist zurzeit voller Kabarett, allerdings mit mancherlei Schrecken durchsetzt.

Müller: Ich bin heute auf der Autobahn hierher gefahren - da fiel mir eine Nummer nach der anderen ein. Mindestens ein 20 Minuten-Programm. Die Politik ist mit dankbaren Figuren derzeit gut bestückt. Es muss nicht immer Angela Merkel sein, die Szene mit dem Roboter - die daneben gegangene Begrüßung in Japan - geht mir allerdings kaum noch aus dem Kopf.

teleschau: Wer schreibt eigentlich Ihr Programm, oder machen Sie es ganz allein?

Müller: Ich mach' das ganz alleine. Ich denke, was ich mir selber ausgedacht habe, das kommt auch auf der Bühne authentisch rüber. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mir Gags schreiben lasse. Ich denke auch, dass ich alles sagen kann, was ich will.

teleschau: Sie haben eine lange Bühnenerfahrung, erst als Amateur, dann als Profi seit 2004. Gibt es jemand, von dem Sie sich beeinflussen lassen, einen ersten Zuhörer, wie man so sagt?

Müller: Ich probiere alles erst auf der Bühne aus. Weil das eben ganz anders ist als an irgendeinem Tisch. Erst auf der Bühne ist man ja letztlich der große Erzähler.

teleschau: Apropos Erzähler: Welche Rolle spielt eigentlich bei Ihnen der fränkische Dialekt, genau genommen das Unterfränkische? Mit dem Begriff "Dreggsagg" tragen Sie es ja auch schon auf dem Hemd.

Müller: "Dreggsagg" ist kein Schimpfwort bei uns in Unterfranken. Es bedeutet einfach "Schlitzohr" und ist eher anerkennend gemeint. Auf Fränkisch hören sich ja viele Worte putzig an. Mit allerlei Verkleinerungen - etwa "Bömble" für Bombe - kann man einfach viel mehr als in knallhartem Hochdeutsch sagen.

teleschau: Stoßen Sie gelegentlich an Grenzen?

Müller: Regional gesehen: an keine. Ich spiele mehrheitlich in Bayern, aber auch in Leverkusen, Berlin und Bonn mache ich erfolgreich mein Programm. Was das Politische betrifft, etwa wenn es um die Islamisten geht, dann kann es nützlich sein, erst mal ein paar Tage zu warten, bevor man Witze über aktuelle Ereignisse macht. Es wird kein Thema ausgespart, aber aus einer gewissen Distanz heraus ergibt sich oft ein neuer Aspekt.

teleschau: Sie kommen aus der Fastnacht - was ja an sich nichts Gutes bedeuten muss, wenn man etwa an rheinische Büttenredner denkt. War das ein fließender Übergang?

Müller: Meine Eltern waren Landwirte, ich war ein Nachzügler als Kind und habe bereits im Kindergarten als Spaßmacher angefangen. So erzählt es jedenfalls meine Mutter. Als Kinder mussten wir viel in der Landwirtschaft helfen, ich habe dann Industriemechaniker gelernt und als Facharbeiter und Stahlhärter 15 Jahre lang gearbeitet. Das Kabarett wollte ich erst mal noch eine Zeitlang nebenher betreiben, aber das ging dann leider nicht.

teleschau: Die Karriere wurde gewissermaßen erzwungen. Als was sehen Sie sich heute - als Comedian oder als Kabarettist?

Müller: Am ehesten als Kabarettist. Aber die Grenzen sind fließend. Ich fand selbst Hildebrandt am Besten, als er mit dem Stock den Takt schlug beim Rentner-Rap und in der Jugendsprache den Rentner-Alltag beschrieb. Außerdem: Wenn man einen guten Witz machen will, muss man ja erst mal recherchieren, um einen bestimmten Hintergrund zu haben, vor dem sich dann etwas auf einen einfachen Nenner bringen lässt.

teleschau: Sie würden angeblich mit Angela Merkel, einer Ihrer Lieblingsobjekte, gerne mal auf Ihren Heimatberg, den Kreuzberg in der Rhön gehen. Steht denn dieses Angebot noch?

Müller: Es steht. Eine "Kochkäs-Wanderung" habe ich vorgeschlagen. Oben im Kloster gibt's Brotzeit, eben gekochten Käse und Bier. Politiker sind ja im richtigen Leben doch ganz anders als man sie sonst vom Fernsehen her kennt.

teleschau: Vor ihrem Wangenkuss schrecken Sie nicht zurück?

Müller: Da muss ich aufpassen, sie hat ja mit Größen wie Draghi, Junker und Hollande geübt. Aber ich denke, soweit wird sie es dann gar nicht kommen lassen.

Quelle: teleschau - der mediendienst