Lisa Tomaschewsky

Lisa Tomaschewsky





Wenn Wünsche wahr werden

Lisa Tomaschewsky ist überzeugt: "Wenn man sich etwas wirklich wünscht, wird es irgendwann wahr." Sieht man sich ihren Werdegang an, scheint das zumindest für sie selbst so zu funktionieren. Eine Portion Glück habe aber auch dazugehört, gibt die 26-Jährige zu, die passenderweise in Glückstadt aufwuchs. Mit 14 Jahren startete sie eine Modelkarriere, um es dann mit 22 als Schauspielerin zu versuchen. Ihre erste Rolle in der ARD-Seifenoper "Verbotene Liebe" schien sie in dieselbe Schublade abrutschen zu lassen, in der schon viele Ex-Laufstegschönheiten landen. Doch ihr Part als Krebskranke im Kinofilm "Heute bin ich blond" 2013 sicherte Lisa Tomaschewsky die Anerkennung als ernstzunehmende Schauspielerin sowie weitere Hauptrollen - zum Beispiel in der neuen ZDF-Samstagskrimi-Reihe "Die Wallensteins" (Samstag, 18. April, 20.15 Uhr), in dem sie zusammen mit Anja Kling als Mutter-Tochter-Gespann in Dresden ermittelt.

teleschau: Freut Sie Ihr Part als Kommissarin in "Die Wallensteins" besonders, weil Sie sich vor Ihrer Schauspiellaufbahn als Polizistin beworben hatten und sich so ein bisschen in der Rolle austoben können?

Lisa Tomaschewsky: Ja, genau diesen Beruf wollte ich ursprünglich mal machen und bin auch weit gekommen bei den Aufnahmetests. Aber dann kam doch alles anders und letztendlich spiele ich nun ohne Polizeiausbildung eine Polizistin. Das ist großartig.

teleschau: Am Ende fügt sich alles, so wie es soll - glauben Sie daran?

Tomaschewsky: Ja, ich glaube, alles hat seinen Sinn. Auch, wenn man es manchmal nicht sofort nachvollziehen kann, ist alles immer für irgendetwas gut.

teleschau: Glauben Sie auch an die Kraft der Gedanken?

Tomaschewsky: Ja. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, und mir einen Parkplatz wünsche, dann kriege ich auch einen. Bei den eigenen Träumen ist es ähnlich: Irgendwie wird man die verwirklichen. Die Frage ist nur, wie das geschieht.

teleschau: Welche Wünsche haben Sie beruflich?

Tomaschewsky: Der wurde schon erfüllt: Ich drehe jetzt international. Damit bin ich schon gut bedient und möchte jetzt nicht zu viel erwarten. Ich würde mir wünschen, dass sich daraus vielleicht mehr ergeben würde. Das heißt nicht, dass ich von einer Karriere in Hollywood träume, das ist nicht die Priorität. Allerdings wäre es toll, international Erfahrungen sammeln zu können, um weiter dazuzulernen.

teleschau: Wie sieht es mit privaten Wünschen aus?

Tomaschewsky: Ich träume schon seit langem von einem eigenen Bauernhof. Wenn jemand einen zu verkaufen hat, der soll sich bitte bei mir melden.

teleschau: Eine kleine Holzhütte im Wald außerhalb von Berlin, in die Sie sich manchmal zurückziehen, haben Sie ja schon.

Tomaschewsky: Die ist ausbaufähig. Ich bastele fleißig daran herum. Wenn es wieder wärmer wird und die Sonne scheint, werde ich dort viel Zeit verbringen.

teleschau: Brauchen Sie den Abstand zum beruflichen Rampenlicht sowie zum Trubel in Berlin?

Tomaschewsky: Ja, ich bin ein Naturkind. Wenn ich frei habe, bin ich immer im Wald oder auf dem Wasser. Deswegen bin ich gerne in der Hütte. Meinen Job mache ich ja nicht wegen des Rampenlichtes, sondern weil ich den Beruf liebe und gerne Charaktere ausbaue und verkörpere.

teleschau: Sie waren nicht unbedingt ein Musterkind: Mit 14 Jahren haben Sie die Schule abgebrochen, um Model zu werden. 2009 zogen Sie sich für den Playboy aus. Standen Ihre Eltern trotzdem immer hinter Ihnen?

Tomaschewsky: Ich habe mit 14 Jahren angefangen zu modeln und mit 18 die Schule verlassen. Natürlich ist das nicht gerade das, was sich Eltern für ihr Kind vorstellen, aber sie haben mich immer unterstützt. Von meinem Vater habe ich gelernt, mich nicht vollquatschen zu lassen, sondern auf mein Bauchgefühl zu hören. Ich habe das schon mit 14 versucht, umzusetzen und mich nicht in etwas hineinziehen zu lassen, wo ich nicht hingehöre. Das kann man in dem Alter natürlich nicht immer, denn man steckt in einer schwierigen Phase mitten in der Pubertät.

teleschau: Was hat Sie in Ihrer Kindheit besonders geprägt? Haben Sie auch "Dresdner Dämonen" wie Ihre Rolle Kim in "Die Wallensteins"?

Tomaschewsky: Nein. Ich wurde zum Beispiel von meiner Großmutter sehr positiv geprägt: Sie hat mir viel Wärme gegeben und mir immer gesagt: "Du bist schlau genug, um zu wissen, was für dich das Richtige ist." Das fand ich gut, dass man den Kindern nicht die Entscheidung nimmt, sondern sie ihnen überlässt und sie dabei unterstützt. Das war für meine Entwicklung sehr positiv.

teleschau: Sie haben früher erfolgreich gemodelt und dann beschlossen, Schauspielerin zu werden. Sie waren ja nicht das erste Model, das diesen Berufswechsel versucht. Wie schwer war dieser und hatten Sie damals im Hinterkopf, dass die Leute Ihr Scheitern erwarten?

Tomaschewsky: Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, was andere Leute erwarten, sondern immer für mich selbst versucht, diesen Job gut zu machen. Ich weiß, dass niemand auf mich gewartet hat als Schauspielerin und dass es ganz viele andere tolle Kollegen gibt. Ich bin damals einfach zur Schauspielschule gegangen und hab gefragt, wie es funktioniert und habe es dann relativ schnell durchgezogen - bis ich dort aufgrund von Talentfreiheit entlassen wurde. Nach dem Rauswurf dachte ich mir: "Hm, jetzt haben andere über mich geurteilt und entschieden, ich könne das nicht!"

teleschau: Dann dachten Sie sich: "Jetzt erst recht"?

Tomaschewsky: Ich habe zunächst versucht, mich gut zu fühlen als Schauspielerin, und dann den Leuten dieses Gefühl zu vermitteln. Solange ich mich mit dem Job nicht wohlfühle, kann ich ihn auch nicht gut ausüben. An diesen Punkt musste ich erst mal kommen. Es gib immer wieder Momente, in denen ich denke: Ich kann das nicht, ich mach das nicht, es ist alles ein großer Mist, ich bin doch talentfrei, und alle anderen haben Recht. Aber wenn man dann positives Feedback bekommt, ist es das Schönste, was einem als Schauspieler passieren kann.

teleschau: Sie haben Ihre Modelkarriere mit einem klaren Cut beendet: Für Ihre erste Hauptrolle als eine Krebskranke in "Heute bin ich blond" rasierten Sie sich die Haare ab. Wie wichtig war diese Rolle samt äußerlicher Veränderung, um als Schauspielerin ernstgenommen zu werden?

Tomaschewsky: Diese Rolle war für mich eine große Chance, die Modewelt hinter mir zu lassen. Mich hat es irgendwann nicht mehr herausgefordert, als Model schön zu sein. Natürlich mache ich mich gerne hübsch und mag auch meine Haare - ich habe ja jetzt zum Glück wieder welche. Als Model habe ich auch viel gelernt und von der Welt gesehen, aber ich wollte etwas machen, das auch mein Inneres befriedigt und das ist das Schauspiel.

teleschau: Wie war es als Ex-Model mit Wallemähne plötzlich eine Glatze zu haben: Haben sich die Reaktionen auf Sie geändert?

Tomaschewsky: Ja, ich wurde anders behandelt. Es gab eine interessante Situation nachdem ich mir die Glatze rasiert hatte. Ich saß mit meinen Schauspielkollegen in einer Bar, mit dem einen oder anderen Schnaps, um auf den neuen Haarschnitt zu trinken. Zuerst hatte ich noch eine Perücke auf. Aber es wurde irgendwann so heiß in dieser Bar, dass ich sie einfach abgelegt habe. Innerhalb von Sekunden hat sich alles geändert. Alle sahen mich an. Die gesamte Aufmerksamkeit der Menschen war nur noch auf meine Glatze gerichtet. Dann kam eine leicht angetrunkene Frau zu mir und meinte: "Sie sind krank. Was haben Sie denn?" Da habe ich gesagt, dass ich nicht krank bin und sie meinte: "Aber Sie sehen so krank aus!" Da habe ich gesagt: "Selbst wenn ich so aussehe, heißt das ja nicht, dass ich es auch bin. Und selbst wenn ich es wäre, fände ich es sehr respektlos, einfach so konfrontiert zu werden von einer fremden Person." Damit kann man jemanden verletzen.

teleschau: Hat das Ihre Einstellung zu Äußerlichkeiten beeinflusst?

Tomaschewsky: Seit dieser Erfahrung denke ich: Egal, ob krank oder gesund, dick oder dünn, groß oder klein - das ganze Gegaffe und Gequatsche ist überflüssig! Jeder schaut natürlich mal, das passiert auch ungewollt. Aber ich versuche seitdem, nicht mehr zu starren und mit mehr Offenheit und Toleranz durch die Welt zu gehen.

teleschau: Also ist für Sie Schönheit nicht das makellose Modelideal, dem Sie ja selbst entsprechen?

Tomaschewsky: Das Modelideal ist ein Klischee. Für mich sind Menschen schön, die etwas ganz Besonderes in den Augen haben und Freude ausstrahlen. Es ist großartig, dass egal, wie man aussieht, schön sein und etwas Tolles vermitteln kann.

teleschau: Aber sowohl als Model als auch als Schauspielerin muss das Gewicht gewissen Richtlinien entsprechen.

Tomaschewsky: Als Model arbeite ich ja nicht mehr, und in der Schauspielerei wurde ich damit noch nicht konfrontiert, da ich von Natur aus schlank bin. Ich habe das Luxusproblem, dass ich gerne einige Kilos mehr drauf hätte. Das Wichtigste ist, dass eine Schauspielerin sich wohlfühlt, damit sie gut spielen kann - unabhängig von der Kleidergröße. Das Gewicht einer Schauspielerin ist völlig überbewertet - XS oder XL ist doch egal! Ich fände es cool, wenn die Produzenten umdenken und querbeet besetzen würden mit Frauen aller Kleidergrößen.

teleschau: Sie sollen beim Kochen auch einen speziellen Würzt(r)ick haben.

Tomaschewsky: Das stimmt. Ich mache alles nur mit geraden Zahlen. Wenn ich koche, dann würze ich mein Essen zum Beispiel nach Umdrehungen. Also, ich drehe die Pfeffermühle entweder zwei-, vier- oder sechsmal statt dreimal oder fünfmal. Das Essen schmeckt aber immer. Ich zähle auch Stufen oder stelle meine Klimaanlage auf 26 oder 28 - obwohl komischerweise 27 meine Lieblingszahl ist. Aber das beeinträchtigt mein Leben nicht.

Quelle: teleschau - der mediendienst