Fast & Furious 7

Fast & Furious 7





Mehr als nur nostalgische Raserei

Per Fallschirm landen sie mit ihren Fahrern punktgenau auf dem Asphalt und preschen mit kreischenden Reifen los. Aus dem Stand springen sie durch zerberstende Glasfassaden von einem Hochhaus ins andere: Die hochgerüsteten Schlitten von Ex-Gangster Dominic Toretto (Vin Diesel) und Undercover-Cop Brian O'Connor (Paul Walker) können eben alles. Müssen sie auch, denn die Freunde haben in Superterrorist Deckard Shaw (Jason Statham) einen fast übermächtigen Gegner. "Fast & Furious 7" ist endlich da - Erleichterung und Traurigkeit halten sich die Waage. Denn Paul Walker, der gemeinsam mit Diesel 2001 die erfolgreiche Überholspur-Actionfilmserie begann, starb völlig überraschend noch während der Dreharbeiten bei einem Autounfall.

Das war vor gut eineinhalb Jahren. Lange schien es fraglich, ob "Fast & Furious 7" auf die Piste gehen würde. Aber schließlich wurde das Skript umgeschrieben, Szenen wurden neu gedreht und Walkers Brüder als Doubles für viele Stunt-Szenen eingesetzt. Überdies gelang mit der Verpflichtung von Jason Statham als Oberschurke sicherlich ein großartiger Besetzungs-Coup. Hinterm Lenkrad darf auch Dwayne "The Rock" Johnson, seit Teil fünf Mitglied der Raserbande, wieder durchstarten. Auch "Tough-Chick" Michelle Rodriguez als Torettos Freundin Letty ist erneut an Bord. Und sogar Action-Legende Kurt Russell mischt jetzt mit.

Die Handlung knüpft hingegen nahtlos an die Vorgänger an: Deckard Shaw (Jason Statham) will sich an Toretto rächen, der in Teil sechs dessen Bruder Owen zur Strecke gebracht hatte. Und natürlich zieht das Team erneut mit Tugenden wie Freundschaft, Liebe und Loyalität sowie natürlich reichlich Pferdestärken in den Kampf gegen den Bösewicht. Dennoch bleiben Fragen offen: Kann der siebte Teil seine Vorgänger toppen? "Das Aufregendste, was ich je gemacht habe", sei der Film, beteuert ein erfahrener Stunt-Koordinator aus der Filmcrew. Aber welche Rolle kann Paul Walker noch spielen? Und wie schlägt sich Horror-Regisseur James Wan ("Saw", "The Conjuring") im Tempo-Genre? So viel lässt sich feststellen: "Fast & Furious 7" ist ein Action-Kracher, der Walker einen würdigen Abschied beschert. Dabei blickt der Film aber auch mal in den Rückspiegel und nimmt Nebenstrecken durch Gelände, das sonst eigentlich James Bond oder "Mission: Impossible" durchpflügen.

So greift der Film natürlich die Liebesgeschichte zwischen Dominic und Letty wieder auf: Die beiden versuchen, ihre Beziehung zu reparieren, an deren beste Momente sie sich aufgrund eines schweren Traumas nicht erinnern kann. Und "Fast & Furious 7" ist mehr als nur nostalgische Raserei, sondern auch ein in NSA-Zeiten hochaktueller Thriller: Der hohe Regierungsbeamte Frank Petty (Kurt Russell) verspricht Toretto Unterstützung gegen Shaw, wenn er mit seinem Team Shaws Kollegen, den Hacker Jakande (Djimon Hounsou) verfolgt und ihm eine Überwachungssoftware (mit dem hübschen Namen "Das Auge Gottes") Jakande abluchst.

Gerade letzterer Handlungsstrang zeigt, wie sehr sich die Filmreihe im Laufe der Jahre veränderte: Gingen die Konflikte am Anfang noch vom Milieu der heimlichen Raser und passionierten Schrauber aus, muss nun mindestens die gesamte Welt gerettet werden. Der Kampfmodus ist nicht mehr auf lokal, sondern global eingestellt: Es geht durch Los Angeles, den Kaukasus, Abi Dhabi. Aber wenn Autos an jedem Ort fliegen können, sieht das nicht nur ein bisschen parodistisch, sondern auch austauschbar aus. Die "Fast & Furious 7"-Macher haben das noch rechtzeitig gemerkt. Für den Showdown wird die abgesägte Schrotflinte hervorgeholt und das gute alte Muscle-Car auf Touren gebracht.

Quelle: teleschau - der mediendienst