Felicitas Woll

Felicitas Woll





Ihre schwierigste Rolle

Diese Szenen einer Ehe sind so heftig, dass sie kein Zuschauer so schnell vergessen kann. Viele Schläge und verbale Erniederungen muss "Die Ungehorsame" Leonie einstecken. Was für eine Rolle für Felicitas Woll, die die seelischen und körperlichen Qualen einer gepeinigten Ehefrau im harten SAT.1-Drama (Dienstag, 31. März, 20.15 Uhr) eindringlich darstellt. Ein Dreh, der natürlich nicht spurlos an der Schauspielerin vorbeiging, wie die 35-Jährige im Interview betont. In dem Gespräch erklärt die gebürtige Hombergerin, warum ihr dieser Film zum Thema häusliche Gewalt so am Herzen liegt, wie sie selbst ihr Liebesglück bewahrt und wie froh sie über ihren beruflichen Wandel von der süßen "Berlin, Berlin"-Lolle hin zu starken Frauen in "Dresden", den "Taunus-Krimis" und nun "Die Ungehorsame" ist.

teleschau: Etwa 25 Prozent der deutschen Frauen waren bereits oder sind von häuslicher Gewalt betroffen. War Ihnen das vor den Dreharbeiten zu "Die Ungehorsame" bewusst?

Felicitas Woll: Nein, ich hatte mich damit noch nicht auseinandergesetzt. Es ist immer noch ein Tabuthema. Die Gewalt geschieht meist hinter verschlossenen Türen, und oft ahnt niemand etwas davon. Es ist erschreckend, wie viele Frauen betroffen sind.

teleschau: Was kann so ein Film bewirken?

Woll: Das Wichtigste ist, dass dieser Film die Zuschauer aufrüttelt und das Thema präsent macht. Wir müssen mehr darüber sprechen und überlegen, was zwischenmenschlich falsch läuft und wo man ansetzen kann, um zu helfen. Wichtig ist es, nicht wegzuschauen. Und dass die Betroffenen den Schritt machen, sich zu öffnen und Hilfe zu holen.

teleschau: Natürlich steht immer diese eine Frage im Raum: Warum verlassen die Frauen ihre gewalttätigen Männer nicht und holen sich Hilfe?

Woll: Mit dieser Frage habe ich mich auch intensiv auseinandergesetzt. Sie ist nicht so leicht zu beantworten. Da spielen viele Faktoren eine Rolle: Die Frauen schämen sich, dass sie geschlagen werden. Sie möchten nicht zugeben, dass ihre Beziehung nicht perfekt läuft. Außerdem muss man auch erst mal jemanden finden, dem man sich anvertrauen kann. Dann ist natürlich auch Liebe im Spiel. Viele Frauen hoffen, dass der Mann, in den sie sich verliebt haben, wieder so wird. Sie hoffen auf eine Änderung und suchen die guten Seiten, die ja auch in gewalttätigen Menschen stecken. Zwischendurch gibt es immer wieder gute Momente, die diese Hoffnung aufkeimen lassen. Wenn zudem Kinder zu der Beziehung gehören, ist es noch schwieriger, zu gehen. Die Frauen möchten die Familie nicht zerstören und haben Angst vor den Konsequenzen. Als Außenstehender, der Gewalt in Beziehungen nicht kennt, kann man schwer nachvollziehen, warum die Frau nicht geht. Ich würde als nicht Betroffene im ersten Moment auch denken: Warum packt man den Koffer nicht? Wenn ich merken würde, dass meine Beziehung aus dem Ruder läuft, würde ich mir direkt Hilfe suchen. Aber wenn man selbst in der Situation steckt, ist das nicht so einfach.

teleschau: Was war am schwierigsten an dieser Rolle?

Woll: Alles - die vierwöchigen Dreharbeiten, aber auch die Vorbereitung darauf. Ich habe mich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt und mich emotional geöffnet, um die Rolle nachzuempfinden. Es war anstrengend, weil ich versucht habe, die Angst und Traurigkeit mitzutragen, um mich mit der Figur verbinden zu können. Es war definitiv nicht eine Rolle, wie jede andere!

teleschau: Sie spielten in Ihren ersten Jahren als Schauspielerin tendenziell eher lustig-leichtere Rollen. Heute sieht man Sie oft in Krimis. Sind Sie zufrieden mit dieser Entwicklung?

Woll: Auf jeden Fall! Ich bin dankbar, dass ich eine so große Bandbreite spielen und immer neue Facetten zeigen kann. Ich hatte nie einen festen Plan im Kopf, welche Genres oder Figuren ich unbedingt spielen möchte, sondern bin bei der Rollenauswahl immer meinem Bauchgefühl gefolgt. Dinge passieren einfach.

teleschau: Sind Sie generell ein Mensch, der die Dinge auf sich zukommen lässt?

Woll: Ja, ich bin kein Planer. Man hat zwar eine bestimmte Richtung im Kopf, wo es hingehen soll, aber letztendlich lässt sich das Leben überhaupt nicht planen. Es kann immer sein, dass das Schicksal einem einen Strich durch die Rechnung macht und sagt: Nein, für dich habe ich jetzt etwas anderes geplant! Ich vertraue auf das Schicksal und lebe ganz entspannt damit.

teleschau: Wenn Sie doch mal von Stress und Sorgen geplagt werden, wie entspannen Sie?

Woll: Zu Hause zu sein und Zeit mit der Familie zu verbringen, ist für mich Entspannung. Ich bin sehr ausgeglichen und verspüre keinen extremen Stress. Ich nehme mir bewusst Auszeiten von der Arbeit. Ich bin dann zu Hause, koche, gehe spazieren, höre Musik - mache also alles, was andere Leute auch so machen (lacht) - und bin einfach nur Mutter.

teleschau: Sie haben vor Kurzem auch ein Kinderlied aufgenommen.

Woll: Ja, ich habe zusammen mit anderen Künstlern eine CD herausgebracht. Ich liebe es, zu singen. Es ist für mich ein Geschenk und eine tolle Abwechslung zur Schauspielerei. Ich habe schon immer gern gesungen und früher auch in einer Band gespielt. Zum ersten Mal habe ich jetzt ein Lied selbst geschrieben.

teleschau: Wird man in Zukunft mehr Musikalisches von Ihnen hören?

Woll: Ich fände es toll, wenn sich die Möglichkeit ergäbe. Singen ist für mich das, was für andere Yoga machen ist. Es ist momentan zeitlich schwierig, aber ich würde es toll finden, wenn ich mich abends ab und zu mit einer Gruppe von Leuten hinsetzen könnte, um Musik zu machen.

teleschau: Die Zeit reicht nicht, weil viele neue Schauspielprojekte anstehen?

Woll: Ja, dieses Jahr habe ich viel zu tun. Im Frühjahr starten die Dreharbeiten für den neuen Taunus-Krimi "Der böse Wolf", der als Zweiteiler gedreht wird. Danach warten noch weitere, spannende Projekte, die aber noch nicht spruchreif sind.

teleschau: In "Die Ungehorsame" sind Sie zunächst eine alleinerziehende Mutter, die direkt bei Männern klarstellt: "Mich gibt es nur mit Anhang." Sie waren nach der Trennung vom Kindsvater Ihrer Tochter auch lange allein. War es sehr schwer, den richtigen Partner zu finden?

Woll: Er hat mich gefunden.

teleschau: War das auch so eine Schicksalsfügung?

Woll: Vielleicht.

teleschau: Sie leben auf dem Land in der Nähe von Kassel, Ihr Partner Emrah Karacok in München. Ist eine Fernbeziehung gut, um die Spannung in der Partnerschaft aufrechtzuerhalten?

Woll: Für den Anfang einer Beziehung kann das hilfreich und auch spannend sein, weil man nicht zu sehr aufeinanderhockt. Man lernt sich langsam richtig kennen und kann sehen, ob es wirklich funktioniert. Denn wenn die erste große Verliebtheit erst mal vorbei ist und der Alltag mit dazukommt, zeigt sich ja erst, ob man es miteinander aushält. Aber eine Fernbeziehung hat natürlich auch Nachteile. Irgendwann muss man schauen, in welche Richtung man geht und ob man etwas an der räumlichen Trennung verändern möchte.

teleschau: Ihr Partner ist sieben Jahre jünger als Sie. Ist das 2015 noch ein Problem?

Woll: Für andere vielleicht, für uns nicht! Aber mittlerweile haben immer mehr Frauen jüngere Partner. Das funktioniert, weil sich die Frauen ja auch verändern. Manchmal ist die Gesellschaft aber immer noch ein wenig zu spießig - das muss sich ändern!

teleschau: Sie sind mit 26 Jahren Mutter geworden. Sind Sie froh, dass es so früh passierte?

Woll: Ja! Viele meiner Freunde und Bekannten sind auch relativ früh Mutter geworden. Heutzutage sagt man, 26 ist früh. Meine Mutter hat mich mit 20 bekommen. Das war damals normal. Ich habe das immer als Geschenk empfunden, eine junge Mutter zu haben und zu sein.

teleschau: Könnten Sie sich noch weitere Kinder vorstellen?

Woll: Das würde ich nicht ausschließen.

Quelle: teleschau - der mediendienst