Zu Ende ist alles erst am Schluss

Zu Ende ist alles erst am Schluss





Einmal Nostalgie, bitte!

Wer gibt den besten Rat bei Beziehungsstress? Paartherapeuten? Pfarrer? Romain (Mathieu Spinosi), ein junger Literaturstudent mit Romancier-Ambitionen, der sich als Nachtportier durchschlägt, weiß es besser. Mit seinem gramgebeugten Vater Michel (Michel Blanc), dem seine Frau nach einigen Jahrzehnten Ehe mit der Scheidung droht, fährt er zu einer Tankstelle an der Autobahn. Romain zeigt auf den stillen Herrn in Uniform, der hinterm Tresen steht: Ja, an den soll sich der Vater in seiner Not wenden. Der Tankwart bedenkt den verzweifelten Ehemann mit einem klug gemeinten Satz: "Wenn die Gegenwart nichts mehr bringt, muss man die Vergangenheit tanken". Und genau das tut die französische Komödie "Zu Ende ist alles erst am Schluss": Sie schwelgt - etwas einfallslos - in nostalgischer Verklärung.

Der Opa von Romain stirbt, doch für Oma (Annie Cordy) geht das Leben nun mal weiter. Ihre Freiheit währt allerdings nur kurz. Denn ein kleiner Unfall der alten Dame sorgt dafür, dass ihre Söhne, allen voran Michel, ihr schnell einen Platz in einem komfortablen Heim besorgen. Wenigstens Enkel Romain besucht sie dort regelmäßig. Gemeinsam amüsieren sie sich über die naive Malerei an den Wänden und laden sich frech bei den "Künstlern" dieser Werke ein.

Indessen drängt sein Hotelier-Chef Romain dazu, er solle anfangen zu schreiben. Ein junger Mann entdeckt seine poetische Begabung - ein Thema, das für den gallischen Roman und Film so klassisch ist, dass Regisseur Jean-Paul Rouve sich fast scheut, es näher zu entfalten. Dafür tischt er lieber noch ein anderes auf, gut bekannt aus dem anspruchsvolleren französischen Unterhaltungskino der 1970er-Jahre: Bei Romains Eltern kriselt es, Unruheständler Michel und Gattin Nathalie (Chantal Lauby) haben sich entfremdet, angebliche Liebhaber inklusive. Das Übliche eben.

Doch dann werden Film und Familie aus ihrem Trott gerissen: Denn Oma türmt überraschend aus dem Heim. Und wenn Romain die Spur der Großmutter in die Normandie verfolgt, könnte der Film eigentlich Fahrt aufnehmen. Aber dann macht er an der Autobahnraststätte Halt und behelligt den Tankwart aus heiterem Himmel mit der Frage, wie er denn die Frau seines Lebens finde. Die Antwort des Mannes soll philosophisch skurril sein, wirkt jedoch nur verkrampft originell. Und weil nun alles nach dem Schema einer Schreibschule für Nachwuchsautoren abläuft, ist absehbar, dass der Tankwart irgendwann auch dem Vater die bereits erwähnte, bizarre Weisheit mit auf den Weg geben wird.

Gemäß diesem Motto feiert "Zu Ende ist alles erst am Schluss" die (Tugenden der) Vergangenheit, tarnt Ideenentlehnung als Reminiszenz an große Bücher und Leinwandstücke und kompensiert so einen gehörigen Mangel an Inspiration. Nichtsdestotrotz rührt die Nostalgie teilweise: Ob die Vergangenheit schwarz-weiß war, fragen die Kinder einer zweiten Klasse in der Normandie Romains Großmutter. Und wann das war, der Krieg, den sie erlebt hat? Wie die freundliche, liebenswerte alte Frau unter anteilnehmendem Blick und Lächeln der hübschen Lehrerin Louise (Flore Bonaventura) den Knirpsen die Welt von damals erklärt, ist absolut bewegend. Denn früher war nicht alles besser, aber doch irgendwie gefühlvoller, so lernt man. Eine Erkenntnis, die durchaus Trost spendet.

Quelle: teleschau - der mediendienst