Scorpions - Forever and a day

Scorpions - Forever and a day





Und Klaus pfeift weiter

Im Dezember 2012 sollte nach fast 50 Jahren Schluss sein mit den Scorpions. Die sorgfältig geplante zweijährige "Farewell Tour", die in Städten wie Bangkok, Beirut oder Budapest Halt machte, begleiteten die Regisseurin Katja von Garnier ("Bandits") und ihr Team mit der Kamera. Doch aus "Forever and a Day" wurde doch kein Abschiedsfilm mit weinenden Fans am Straßenrand. Stattdessen wirkt er nun wie eine ansprechende Sammlung von Gründen, warum es zu begrüßen ist, dass die weltberühmte deutsche Band sich doch zum "Rücktritt vom Rücktritt" entschied und weitermacht.

Sie haben ein Herz unter der Lederjacke und trotz Rockdröhnung erkennbare Melodien: Katja von Garniers Fanfilm feiert die Scorpions und versucht zugleich, das Geheimnis ihres Erfolgs in allen Aspekten darzustellen. Den Rahmen dazu bietet die "Farewell Tour". Immer wieder nimmt der Film den Zuschauer mit in den Backstage-Bereich, zeigt die Anspannung vor dem Auftritt und bietet dann mit ausgewählten Songs atmosphärisch aufgeladene Bilder von den Live-Shows. Mit eigenen Augen kann man sich davon überzeugen, dass die Scorpions alles andere als out sind. Die Fans toben - und nicht nur die Grauhaarigen. Sänger Klaus Meine sichtet unter den Jubelnden auch die "dritte" Generation der um die 20-Jährigen, die die Rocker zum ersten Mal auf der Bühne sehen und sich wünschen, dass sie wiederkommen. Zum 50. Bandjubiläum schieben die Hannoveraner dann auch prompt noch eine Welttournee 2015/2016 nach.

Wie man sich ihr Tourleben vorstellen darf, zeigt der Film mit vielen Archivaufnahmen und lässt die Bandmitglieder ausführlich zu Wort kommen. Immer wieder wechselt Garnier zwischen Erinnerungen und Szenen aus der "Farewell Tour", die flüssig ineinander geschnitten werden und den Film vorantreiben. Auf der einen Seite die umjubelten Stars, auf der anderen die Menschen, die Anekdoten aus den Anfängen zum Besten geben und etwa vom Horror des Stimmverlustes vor einer ausverkauften Halle erzählen.

So richtig persönlich wird es selten, lediglich Klaus Meines langjährige Ehefrau spielt eine größere Rolle im Film. Die Scorpions werden als skandalfreie Band präsentiert - gelebter Rock'n'Roll ja, aber anscheinend ohne Sex & Drugs. Das "Wildeste" - so verraten historische Aufnahmen - waren Autogramme auf blankem Busen weiblicher Fans in den 70er-Jahren in den USA. Und beim Bad im sibirischen Baikalsee bei vier Grad wird Gitarrist Rudolf Schenker zurückgepfiffen - bloß nicht erkälten und die Tournee gefährden.

"Wir spielen überall, wo es eine Steckdose gibt", heißt es an einer Stelle. Was die Hannoveraner von anderen Rockbands unterscheidet, arbeitet der Film ganz klar heraus. Sie haben sich nie mit dem Erreichten zufrieden gegeben und immer wieder bis zur Perfektion an sich, ihrer Musik und den Texten gearbeitet. Das wird vor allem in den Interviews mit Wegbegleitern wie dem verstorbenen Manager Peter Amend, Journalisten, anderen Musikern und prominenten Bewunderern klar.

"Forever and a Day" hakt dabei natürlich pflichtbewusst die Stationen und Triumphe der Scorpions ab. Dabei verlässt sich die Filmemacherin darauf, dass deren außergewöhnliches Leben mit historischen Momenten wie der Wendeballade "Wind Of Change", dem Treffen mit Michail Gorbatschow und ihre zum Teil überraschenden Erfolge von den USA bis Japan genug interessanten Stoff bieten. Und das tun sie. Denn tatsächlich fühlt man sich mit "Forever and a Day" dem Phänomen Scorpions am Ende ein Stück näher gekommen.

Quelle: teleschau - der mediendienst