Home - Ein smektakulärer Trip

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"Teletubbies" meets "Star Wars"

Eine schlimme Prüfung für Eltern ist die Zeit, wenn die durch ihre Kindergartenfreunde infizierten lieben Kleinen auf einmal darauf bestehen, die "Teletubbies" zu gucken. Die populäre TV-Sendung wurde zwar 2001 womöglich auch wegen ihres bedenklichen Einflusses auf die Sprachentwicklung der Allerkleinsten abgesetzt. Doch im Zeitalter von online jederzeit verfügbaren Inhalten ist das nur ein schwacher Trost. Jetzt droht neues Unheil für Eltern: Der putzige kleine Alien Oh, Star des neuesten Dreamworks-3D-Animationsfilms "Home - Ein smektakulärer Trip" von Tim Johnson, redet ein ähnlich fürchterliches, wenngleich auch wortschatzreicheres Kauderwelsch wie die Teletubbies. Aber selbst wenn man als Erziehungsberechtigter darüber hinweghören mag oder kann: Auch die Figuren und Späße des Buddy-Films sind alles andere als einfallsreich.

Das Dreamworks-Team, das nach dem Flop von "Die Pinguine aus Madagascar" wohl dringend mal wieder einen Kinohit braucht, bedient sich aus bekannten und erfolgreichen Quellen: Die Sprechweise des kleinen Oh, der der lilafarbenen Rasse der "Boovs" angehört, ist ganz offensichtlich an die des weisen Yodas und Jar Jar Bings aus "Star Wars" angelehnt - jedoch ohne auch nur im Entferntesten deren Charme und Witz zu erreichen. Auch bei allen anderen Filmzutaten - von der Dramaturgie bis zu der Moral von der Geschichte - gehen die Shrek-Geburtshelfer dieses Mal kein Risiko ein.

Man nehme also ein paar niedliche Aliens, die sich ähnlich wie einst E.T. nichts sehnlicher wünschen als ein Zuhause. Unter Führung des sich passenderweise mit seiner Risikofeindlichkeit brüstenden Captain Smek (deutsche Synchronisationsstimme: Uwe Ochsenknecht) landen die Boovs schließlich auf der Erde, um sich dort vor ihren Feinden, den sogenannten "Gorks", zu verstecken. Die Menschen werden von den knuddligen lila Wesen kurzerhand in ein bonbonbuntes "Paradies" verfrachtet. Nur das pfiffige, farbige Mädchen Gratuity "Tip" Tucci, ist der Zwangsumsiedlung versehentlich entgangen. Im Original wird Tip übrigens von Rihanna gesprochen, die passend zum Film auch ein Konzeptalbum herausbringt, das den sicher auf den Fuß folgenden Merchandise-Wahnsinn um seicht-kommerzielle Popstücke erweitert.

Auf der Flucht vor den Invasoren lernen die Zwölfjährige und ihre Katze "Schwein" in einem verlassenen Supermarkt den für einen Boov äußerst geselligen Oh (deutsche Stimme: Bastian Pastewka) kennen, der vor seinen Artgenossen geflüchtet ist. Der tollpatschige kleine Kerl mit den sechs Beinchen hat nämlich versehentlich eine Partyeinladung an das ganze Universum geschickt - sodass auch die grässlichen Gorks schon bald den neuen Aufenthaltsort der heimatsuchenden Spezies erfahren werden. Gemeinsam begeben sich das Mädchen und das Alien auf den titelgebenden smektakulären Trip, um Tips Mutter in Australien zu finden.

Nebenbei versuchen die beiden niedlichen Außenseiter noch die Boovs, die Menschen und die Erde zu retten. Dabei erleben sie ein paar leidlich spaßige, hauptsächlich auf Slapstick und Situationskomik beruhende Geschichten, wie beispielsweise jene, als Oh in einer öffentlichen Toilette den WC-Stein für ein Bonbon hält und verspeist und anschließend den ekligen Geschmack mit einer Kloschüssel Limonade hinunterspülen will. Nunja, Fäkalwitze sollen ja bei Kindern recht beliebt sein.

Womöglich sollte man diese Sache mit den "schmutzigen" Witzen und der Sprachentwicklung von Kindern auch einfach nicht so eng sehen. Schließlich erlaubte selbst der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un erst im Frühling letzten Jahres die Ausstrahlung der sprachgestörten "Teletubbies" im Staatsfernsehen, da er sie für unbedenklich hält.

Quelle: teleschau - der mediendienst