Josef Hader

Josef Hader





"Es ist immer Raubbau"

Natürlich ist es eine Binsenweisheit, dass man Rolle und Darsteller klar voneinander trennen muss. Doch wenn Josef Hader, Star-Kabarettist, umjubelter Gelegenheitsschauspieler ("Indien", "Aufschneider") und Drehbuchautor zum Gespräch am Tisch sitzt, fällt das doch wieder nicht leicht. Auch Hader trägt wie Brenner einen nicht mehr ganz so präsentablen abgewetzten Parka, im Gesicht melierten Flaum, der mit etwas Wohlwollen als Bart durchgehen könnte und ein großes klobiges Brillengestell, das vermutlich auch seinem Kult-Kriminaler Simon Brenner als etwas aus der Zeit gefallen auffallen würde. "Ich bin jetzt in dem Alter, wie sich der Wolf Haas den Brenner immer vorgestellt hatte", sagt der 53-jährige Österreicher über seine neue Rolle, die eigentlich eine sehr vertraute ist. In "Das ewige Leben" (Start: 19.03.) spielt er zum vierten Mal den heruntergekommenen Ermittler aus den beliebten Romanen von Wolf Haas. Gemeinsam mit dem Autor und Regisseur Wolfgang Murnberger hat sich Hader die Rolle mal wieder selbst auf den Leib geschrieben.

"Es ist natürlich eine Ausnahme, dass man eine Figur alle fünf, sechs Jahre wieder spielen darf", sagt Josef Hader über seine Paraderolle und den gemeinschaftlichen Arbeitsprozess, sich Simon Brenner stets aufs Neue zu erarbeiten. "Aber das letzte Mal liegt dann ja schon immer ein paar Jahre zurück, und außerdem steckt man als Drehbuchautor jedes Mal so tief in der Geschichte drin, dass man sich über die Figur überhaupt keine Gedanken macht. Man denkt ganzheitlich: Das ist die einzige Chance, ein gutes Drehbuch zu bekommen", sagt er.

Die Doppelrolle als Darsteller und Drehbuch-Co-Autor kann dabei offenbar durchaus belastend sein. "Ich war einige Male reiner Schauspieler und habe das als sehr befreiend empfunden. Da kann man sich voll und ganz auf seine Figur konzentrieren und die verteidigen. Gegen alle", sagt Hader. "Manchmal kommen ja Regisseure daher und sagen so etwas wie: 'Das ist zwar jetzt für die Geschichte nicht ganz logisch - aber folgende Einstellung sähe einfach für die Kamera toll aus.' In solchen Fragen bin ich als Drehbuchautor natürlich verführbarer", sagt er. "Wenn ich nicht als Autor am Film mitmache, kann ich sturer bleiben."

Auch beim "Das ewige Leben"-Dreh achtete er allerdings wieder stark darauf, dass er seine Schauspielerkollegen durch seine Sonderrolle nicht irritierte. Vorzugsbehandlungen kommen für Hader nicht in Frage. "Die richtigen Filmschauspieler kommen deutlich besser weg als ich", lacht er. "Jeder weiß, dass ich auf gewisse Dinge keinen Wert lege. Leider werde ich dann auch so behandelt." Dabei versteht er sich nicht unbedingt als Asket, aber als genügsam. "Ich brauche halt manche Dinge nicht, die vielleicht für Schauspieler, die alle drei Monate in einem neuen Film stecken, recht sinnvoll sind", erzählt er. "Ich mache aber alle drei Jahre einen Film. Für mich ist das per se etwas Aufregendes. Deswegen brauche ich keinen Komfort. Und keine Extrawürste."

Dennoch strengt die Dreharbeit enorm an, glaubt man Hader, dem Übertreibungen nicht ganz fremd sind. Wie darf man sich den Stress am Set vorstellen? "Wie den Zweiten Weltkrieg, nur ohne Tote", sagt er. "Es geht an gewisse Grenzen der Belastbarkeit. Weil die Drehzeit zu kurz ist, dafür gibt's dann sehr lange Drehzeiten am Tag. Wir haben schon öfter länger am Stück gedreht als 24 Stunden. Meistens am Schluss der Dreharbeiten", klagt Hader. "Ein österreichischer Film ist immer anstrengend - viel zu lange Drehtage, zu wenig Geld. Es ist immer Raubbau."

Beim Schreiben fühlt sich Hader dagegen immer wohl. Ob er denn auch einmal eigene Welten - wie jene aus den beliebten Bestseller-Krimis von Wolf Haas entwerfen möchte? "Ich fürchte, dass ich's nicht kann. Ich würde es wahnsinnig gerne können", sagt Hader über etwaige Roman-Pläne. "Meine Fähigkeiten bewegen sich eher im Dramatischen. Das schaff ich halbwegs. Dramaturgische Konflikte, Dialoge - geht gerade noch. Ein Roman ist aber etwas ganz anderes. Dabei geht's darum, mit Sprache eine ganze Welt zu erzählen. Ich glaube nicht, dass ich das leisten kann", sagt er - fügt dann aber rasch an: "Vielleicht versuche ich's einmal, wenn mir mal sehr fad ist - wegen Erfolglosigkeit wahrscheinlich. Dann könnte ich mich probeweise für ein Jahr hinsetzen, um an einem Roman zu schreiben. Oder aber es kommt einmal der Tag, an dem es mich so sehr vor dem Publikum ekelt, dass ich nicht mehr auftreten will."

Mit der Einsamkeit beim Schreiben kann man ihn jedenfalls nicht schrecken. "Der Teil gefällt mir. Ich liebe die Einsamkeit. Das Schreiben ist für mich das Schönste am ganzen Beruf. Auch im Kabarett", sagt er. Die eigentlichen Auftritte bezeichnet er als "so eine Art lustvolle Pflicht": "Ich spiele gerne, und ich fahre gerne auf Tournee. Aber wenn wieder eine Phase kommt, in der ich monatelang nicht auftrete - dann geht mir nichts ab. Keinerlei Sucht nach Applaus!", beteuert er. "Ich freue mich natürlich, wenn die Leute klatschen. Und ich versuche auch, jeden Auftritt zu einem ganz besonderen zu machen. Ich hab das Gefühl, das bin ich den Leuten schuldig. Sonst wäre mir ja selber fad."

Zum Arbeiten zieht er sich nicht in ein privates Kämmerlein zurück. Ein Schreibzimmer hat er angeblich gar nicht. "Vormittags sitze ich am liebsten im Kaffeehaus zum Konzipieren. Sehr gerne auch in einem italienischen Straßencafé. Wir kommen in Österreich ja leicht mal über die Grenze", erzählt Hader. "Dort hocke ich dann, schreibe vormittags in ein Buch und übertrage das am Nachmittag dann in einen Computer. Für mich ist das der beste Rhythmus." Den Einwand, dass es dort sehr laut zugehen kann, lässt er nicht gelten. "Völlig wurscht", so Hader. "Es ist nur wichtig, dass der Lärm einer ist, den ich nicht verstehe. In Wien brauche ich ein ruhiges Café. Im Ausland bin ich sicher. Ich kann außer Englisch keine Fremdsprache. In Norditalien ist das beim Schreiben von Vorteil. Ich höre nichts, was die Leute um mich herum reden. Ich erfreu mich nur an dem, was passiert. Und ich kann jederzeit abschalten und schreiben."

Quelle: teleschau - der mediendienst