Dominic Monaghan

Dominic Monaghan





"Menschen sind die gefährlichsten Tiere"

Ein bisschen Deutsch habe er in der Schule gelernt, gibt "Herr der Ringe"- und "Lost"-Star Dominic Monaghan zu. Eine Kostprobe gibt er im Interview allerdings nicht. Der in Berlin geborene, britische Schauspieler zeigt sich im Gespräch zu seiner neuen Serie "100 Code" (ab 19. März auf Sky Atlantic HD) ohnehin eher von seiner ernsthaften Seite. In der internationalen, von Sky Deutschland co-produzierten Thriller-Serie spielt der 38-Jährige einen misanthropischen New Yorker Polizisten, der widerwillig nach Schweden reist, um dort mit einem schwedischen Kollegen (Michael Nyqvist, der Star aus der Verfilmung von Stieg Larsons Millennium Trilogie) an der Aufklärung einer Mordserie zu arbeiten. Parallelen zu seiner Figur sind dabei durchaus erkennbar: Monaghan, der seit 2012 in seiner erfolgreichen Reality-Doku-Show "Wild Things" (hierzulande bei ProSieben Maxx) um den Globus reist, um (vermeintlich) gefährliche Tierarten vorzustellen, sucht nicht unbedingt die Nähe anderer Menschen, wie er im Gespräch immer wieder deutlich macht.

teleschau: Ihre Vorbereitung für Ihre Rolle in "100 Code" war ungewöhnlich: Sie spielten das Online-Rollenspiel "Skyrim". Warum?

Dominic Monaghan: Ich wollte mich von der Außenwelt abschotten. Denn die Figur, die ich spiele, ist nicht sehr kontaktfreudig, sucht nicht gerade die Gesellschaft von anderen Menschen. Deswegen verbrachte ich viel Zeit allein zu Hause und spielte "Skyrim".

teleschau: Und warum gerade dieses Spiel?

Monaghan: "Skyrim" steckt voller Abenteuer, voller Fantasiefiguren. Es ist interessant, in diese Welt abzutauchen. Und es war hilfreich, um mich von anderen Leuten fernzuhalten.

teleschau: Sie sind in Berlin geboren, in Deutschland und Großbritannien aufgewachsen und leben jetzt in den USA. Sie scheinen die perfekte Besetzung für "100 Code" zu sein, denn in der Serie geht es ja auch darum, dass verschiedene Kulturen aufeinanderprallen ...

Monaghan: Ich bin mein ganzes Leben gereist, und ich denke, das werde ich auch immer tun. Meine Figur hingegen nimmt es nicht leicht, dass er nach Stockholm kommt, er schätzt andere Kulturen, andere Sprachen und neue Dinge nicht - im Gegensatz zu mir.

teleschau: Fühlten Sie selbst sich denn jemals fremd?

Monaghan: Für mich war das immer normal. Wenn jemand meine Biografie liest, denkt er vielleicht, dass das alles für mich komisch gewesen sein muss. Für mich war es das nie, das ist eben mein Leben. Ich nahm immer an, dass alle Kinder alle drei bis vier Jahre umziehen, für mich war es das Normalste der Welt. Daran hat sich auch später als Erwachsener nichts geändert. Ich wollte immer neue Dinge auf der ganzen Welt entdecken.

teleschau: Genau wie Ihre Figur kamen Sie das erste Mal nach Schweden. Was hat Sie dort am meisten überrascht?

Monaghan: Ich fand, dass die Menschen dort politisch sehr konservativ sind. Natürlich sind sie sehr fortschrittlich, was Bildung, das Gesundheitswesen und das Sozialsystem angeht. Außerdem sind die Schweden sehr intelligent und belesen. Aber sie glauben eben auch, dass sie sich in der Position befinden, dir genau zu vorzuschreiben, wie du dich zu verhalten hast oder nicht. Und das mag ich nicht.

teleschau: Und da denkt man immer, hier in Deutschland wäre alles geregelt und verboten ...

Monaghan: Also in Deutschland, zumindest kann ich das für mich sagen, ist das nicht so. Immer wenn ich hier war, hatte ich das Gefühl: Du kannst machen, was du willst, solange du niemanden verletzt, solange du vernünftig bleibst. In Schweden hingegen scheint es diese geheime Absprache zu geben, die sagt: Wir tun Dinge auf eine bestimmte Art und Weise. Und wenn du das nicht genauso machst, dann bekommst du Schwierigkeiten.

teleschau: Haben die Schweden denn sonst noch exotische Eigenarten?

Monaghan: Vielleicht die Art, wie sie Fisch essen. Sie sind ziemlich wagemutig, wenn es darum geht, rohen Fisch zu essen. Im Vergleich zu anderen Ländern ist ihr Wissen über Fisch und die verschiedenen Zubereitungsarten ziemlich außergewöhnlich. Abgesehen davon: eher nicht.

teleschau: Hatten Sie denn Zeit, die Natur zu erkunden?

Monaghan: Ja, wir sind ein paarmal rausgefahren. Aber es gibt dort nicht wirklich gefährliche Tiere. Außer einer Vipern-Art, aber die ist harmlos. Ich musste den Leuten sagen: Schaut her, das ist eine Viper, die ist zwar giftig, wird euch aber nicht umbringen. Und trotzdem meinten alle: Passt auf! Da gibt es Vipern! Für einen Erwachsenen sind sie trotzdem ungefährlich. Aber was Schlangen angeht, gibt es überall auf der Welt sehr viele falsche Vorstellungen. Auch in Schweden.

teleschau: Woher kommt eigentlich Ihre Faszination für exotische Tiere?

Monaghan: Für mich ist das ganz natürlich. Ich interessiere mich für das Leben. Sogar mehr für Tiere als für Menschen. Und am meisten faszinieren mich Tiere, die - wenn man so will - missverstanden werden. Klar: Ich mag auch Löwen, Tiger, Enten, Katzen und Pferde. Aber diese Tiere haben keinen schlechten Ruf - im Gegensatz zu Schlangen, Spinnen und Skorpionen, Bienen, Wespen und Ameisen. Sie werden schlecht behandelt, weil gewisse Mythen aufrechterhalten werden. Und ich rede jetzt nicht über Tolkien oder so ...

teleschau: Sondern über moderne Mythen wie "Der weiße Hai", der dafür verantwortlich ist, dass alle Menschen Angst vor Haien haben ...

Monaghan: Ich habe keine Angst vor Haien. Aber ja, auch Filme zeichnen oft ein falsches Bild, das immer weitergegeben wird. Und das ist gegenüber den Tieren nicht fair, wirft aber auch ein schlechtes Licht auf die Menschen. Und das war das Ziel der Show: Ich versuche, dass die Leute ein anderes Bild von diesen Tieren bekommen. Denn wenn man ihnen mit etwas Respekt begegnet und sich richtig verhält, dann werden diese Tiere niemandem etwas tun.

teleschau: Was ist das gefährlichste Tier, dem Sie je begegnet sind?

Monaghan: Menschen. Gar keine Frage. Es gibt kein anderes Tier, das dir vorspielt, dass alles in Ordnung ist, wenn es das gar nicht ist. Wilde Tiere lügen nicht. Vor Menschen nehme ich mich immer in Acht. Und danach ... vielleicht die schwarze Mamba. Denn sie kann dich innerhalb von Sekunden töten. Trotzdem: Ich würde die Nacht lieber mit einer schwarzen Mamba als mit einem unheimlichen Menschen verbringen.

teleschau: Suchen Sie bei diesen Begegnungen eigentlich auch den Nervenkitzel?

Monaghan: Nein. Ich werde zwar oft gebissen, aber die Gefahr suche ich nicht. Ich springe ja nicht aus Flugzeugen, ich bin kein Extremkletterer, fahre keine schnellen Autos. Nein, ich mag Tiere einfach und ich mag es zu reisen. Und ich gebe den Tieren die Chance des Zweifels. Denn vielleicht ist das Tier ja tatsächlich zunächst wütend, aber vielleicht kann ihm zeigen, dass ich ihm nichts tun will und es beruhigt sich. Und wenn man weiß, wie es geht, dann klappt das bei den meisten Tieren.

teleschau: Klappt das nur bei Ihnen? Oder auch bei anderen Menschen?

Monaghan: Ich kann jedem beibringen, keine Angst mehr zu haben - etwa vor Schlangen. Selbst bei Leuten, die hysterisch schreiend vor den Tieren stehen, schaffe ich das in einer guten halben Stunde.

teleschau: Und wie funktioniert das?

Monaghan: Mit Hilfe einiger psychologischer Übungen am lebenden Objekt. Wichtig ist: Die Schlange hat mit der Angst nichts zu tun, sie ist einfach nur sie selbst. Wer Angst vor ihr hat, entscheidet sich, sich ihr gegenüber angreifbar und verängstigt zu fühlen und panisch auf sie zu reagieren. Und das ist nicht ratsam. Aber man kann das Gehirn umtrainieren. Ich meine, ich hatte Leute, die sagten, ich gehe nicht in dein Haus, weil sie wussten, dass ich all diese Tiere zu Hause haben. Und kurz darauf saßen sie entspannt da und hatten das Tier auf der Hand.

teleschau: Haben Sie eigentlich auch "normale" Hobbys?

Monaghan: Klar! Ich spiele oft Playstation, spiele gerne Fußball, gehe surfen.

teleschau: Und wie steht's mit Musik? In "Lost" spielten Sie einen Rockstar, sie besitzen zwei Beatles-Tattoos. Hat Sie das nie gereizt?

Monaghan: Nein, es war schon immer mein Traum, Schauspieler zu werden. Natürlich liebe ich Musik. Ich spiele ein bisschen Klavier und Gitarre. Aber ich wusste schon immer, dass ich darin nicht so gut bin. Ich machte schon als Kind andere Leute nach, meine Lehrer etwa. Ich sprach wie die Muppets oder Figuren aus der "Sesamstraße". Ich liebte es schon immer, irgendwelche Stimmen nachzuahmen. Für die Musik entwickelte ich nie so viel Leidenschaft. Aber wenn man mir ein paar Tequilas gibt, dann singe ich schon ziemlich gut! (lacht)

teleschau: Und was?

Monaghan: Beim Karaoke gerne "Ice Ice Baby" von Vanilla Ice. Oder Eminem-Songs. Und ich liebe "Brown Eyed Girl" von Van Morrison.

teleschau: Haben Sie eigentlich jemals mit "Lost"-Erfinder J. J. Abrams über einen Part in den neuen "Star-Wars"-Filmen gesprochen? Oder halten Sie als eingefleischter Fan die Fortsetzungen ohnehin für überflüssig?

Monaghan: Nein, wir sprachen sogar tatsächlich darüber, als ich bei seiner Geburtstagsparty war. Das war kurz bevor er mit dem Dreh begann. Er kennt mich gut, er weiß, dass ich Fan bin, ein "Star-Wars"-Tattoo habe und dass das der wichtigste Film meines Lebens ist. Ich hätte ihn nicht daran erinnern müssen. Aber ich habe es trotzdem getan! (lacht) J. J. ist ein guter Freund und hat einen tollen Humor, er meinte nur: "Okay, okay, ich weiß schon ..." Abgesehen davon: Ich würde sofort wieder mit ihm zusammenarbeiten. Das gilt auch für Peter Jackson. Sie sind einfach großartige Typen. Wer weiß, irgendwann passt es vielleicht mal wieder.

Quelle: teleschau - der mediendienst