Kevin Hart

Kevin Hart





"Männer werden Frauen nie verstehen"

Zuletzt durfte Kevin Hart die ganz große Bühne betreten: Der US-Schauspieler präsentierte bei der Oscar-Verleihung Anfang März den Preis für den "Besten animierten Kurzfilm". Keine überraschende Wahl, denn in den USA gilt der 35-Jährige schon seit Längerem als kommender Superstar. Seit einigen Jahren liefert Kevin Hart einen Kino-Kassenerfolg nach dem anderen ab, allein "Ride Along" (2014) spielte weltweit über 150 Millionen Dollar ein. Jetzt setzt der Mann aus Philadelphia dazu an, sich auch in Deutschland einen Namen zu machen: Demnächst ist er in "Top Five" (Kinostart: 16. April), einer Komödie seines US-Kollegen Chris Rock, zu sehen, in "Get Hard" (Kinostart: 23. April) spielt er an der Seite von Superstar Will Ferrell. Und auch in "Die Trauzeugen AG" (Kinostart: 12.03.) darf Hart sein ganzes komisches Potenzial zeigen, das er auch im Interview voll ausspielt, wenn er über die komplizierten Beziehungen zwischen Männern und Frauen, seinen Rückzugsraum und seine eigene geplante Hochzeit mit Schauspielerin und Model Eniko Parrish spricht.

teleschau: Was sollte ein Trauzeuge tun - und was auf keinen Fall?

Kevin Hart: Ich musste das selbst lernen. Als ich das erste Mal Trauzeuge war, musste mir mein Zuständigkeitsgebiet erklärt werden. Ich ging mit meinem Freund essen und bald fragte er mich, was wir danach machen. Ich hatte nichts vorbereitet und keinen Plan. Ich wusste nicht, dass ich damit für einen Event verantwortlich war. Ich hatte keine Ahnung von der Party, zu der ich all seine Freunde hätte zusammentrommeln müssen und all so was. Jetzt weiß ich Bescheid. Das Wichtigste ist, dass er einen sorglosen Tag erleben darf, an seinem großen Tag. Es geht darum, jemand zu sein, der ihn auf das Ereignis vorbereitet. Jemand, der für ihn da ist und ihm sagt, dass er das Richtige macht. Das Paar soll keine kalten Füße bekommen. Es gilt den perfekten Tag zu organisieren, der Tag, an dem Träume wahr werden. Das gilt natürlich auch für die Trauzeugin.

teleschau: Was beinhaltet für Sie der perfekte Hochzeitstag?

Hart: Ich bin verlobt und heirate in etwa eineinhalb Jahren. Es wird perfekt, weil ich mit all dem nichts zu tun haben werde. Ich unterschreibe den Scheck. Macht, was ihr machen wollt und sagt mir am Ende, was es kostet! Ich will nicht weiter involviert sein. Als Mann kannst du dabei nichts gewinnen, du kannst nichts richtig machen.

teleschau: Das klingt konservativ ...

Hart: Männer sind Männer und Frauen sind Frauen. Die klügsten Männer kapieren, dass sie Frauen niemals ganz verstehen werden. Das musst du akzeptieren. Das ist ein Problem, das nicht zu lösen ist. Am Ende des Tages sind wir unterschiedlich. Das zu verstehen, hilft dir unheimlich weiter. Zu Hause bin ich der, der ihr den Rücken frei hält. Bei Streitereien gebe ich klein bei und sage ihr, dass sie Recht hat. Das macht mein Zuhause zu einem besseren Ort.

teleschau: Das klingt ein wenig einseitig, sind Sie sich wirklich sicher mit dieser Hochzeit?

Hart: Ja, wir sind seid sechseinhalb Jahren zusammen und machen das. Es ist an der Zeit. Ich kann das nicht vermeiden. Ich wollte mich verloben und bin verlobt. Damit habe ich Druck gemacht zu heiraten, und das machen wir jetzt. Eine Zeit lang kaufte ich ihr Hunde, anstatt sie zu heiraten, aber jetzt will ich nicht noch mehr Hunde.

teleschau: Die Vorstellung Ihrer Verlobten von Romantik dürfte eine andere sein ...

Hart: Ich bin ein ziemlich romantischer Typ! Aber es dauerte eine Weile, um wieder dahin zu kommen. Ich war schon mal verheiratet und wurde geschieden. Ich sagte ihr zu Beginn der Beziehung, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich noch einmal für eine Heirat zu haben bin. Dass es einiges bräuchte, um mich dahinzubringen. Sie hat es geschafft. Sie gab mir das Gefühl, eine tolle Frau haben zu können. Nicht, dass das bei meiner ersten Frau nicht so gewesen wäre. Aber damals habe ich sehr jung geheiratet. Jetzt bin ich 35, ein Mann, ein Erwachsener.

teleschau: Und trotzdem steckt bei Ihnen das Kind im Manne, oder?

Hart: Ja, ich habe auch einen eigenen Rückzugsraum, ich nenne ihn meine Männer-Höhle. Da kommt sonst niemand rein. Nur ich und mein Hund. Darin will ich alleine sein. Da ist nur ein Fernseher mit Videospielen drin. Sonst nichts.

teleschau: Welche Games spielen Sie?

Hart: Ich spiele "NBA 2K" auf der PlayStation, "Madden NFL" und bin ein "Call of Duty"-Zocker. Damit verliere ich Tage. Ich gehe montags rein und komme am Donnerstag wieder raus. Meine Frau hat auch so einen Raum, der ist aber ganz anders. Sie lädt ständig Leute zu sich ein. Ich betrete den nicht, das ist ihr Raum.

teleschau: Wer räumt in Ihrer Höhle auf?

Hart: Das ist mein Job. Dafür bin ich verantwortlich.

teleschau: Was ist das Geheimnis einer funktionierenden Beziehung?

Hart: Du musst dem anderen Raum geben. Jeder muss sein Ding machen können. Ich glaube, Beziehungen, in denen Männer und Frauen alles zusammen machen, sind ungesund. Männer müssen ihre Männer-Touren machen. Sonst kannst du nicht nach Hause kommen und das genießen. Aber meine meiste Zeit verbringe ich bei der Arbeit. Wenn ich zurück nach Hause komme, gehört die meiste meiner Zeit ihr.

teleschau: Und wer machte jetzt letztlich wem den Heiratsantrag?

Hart: Ich ihr. Es war an ihrem 30. Geburtstag. Ich drehte gerade "Ride Along 2". Ich gab eine Überraschungsparty und flog ihre ganze Familie ein, sicherlich 40 Personen, und brachte sie in einem Hotel unter. Wir trafen uns in einem von mir gemieteten Restaurant, das ich umgestaltete und mit Fotos ihres Lebens, von Bildern als Baby bis zu ihrem 30. Geburtstag, gestaltete. Sie weinte vor Glück. Als die Geburtstagstorte kam, hielt ich um ihre Hand an.

teleschau: Was haben Sie aus Ihrer ersten Hochzeit gelernt?

Hart: Vieles! Ich war damals 22. Das stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Ich verstand nicht, was es bedeutet, verheiratet zu sein. Ich musste meine Fehler erst kennen lernen und zugeben. Wir haben zwei wundervolle Kinder und sie ist eine tolle Mutter. Aber mit uns sollte es nicht sein. Es musste scheitern, damit andere Sachen beginnen konnten. So ist das Leben. Man bringt sich in Situationen, in denen man alles als falsch wahrnimmt. Das kann nicht gesund sein, die Bürden sind zu schwer. Ich bin jetzt mit den ganzen Dingen durch, die ich mal machen wollte. Als ich 22 war, sah das noch ganz anders aus. Ich wusste nichts und wollte alles herausfinden, baute Mist. Ich war 22, da muss man Fehler machen. Wenn du die nicht mit 22 machst, stirbst du, ohne gelebt zu haben. Ich hatte damals eine Menge Ärger.

teleschau: Ihr Sohn heißt Hendrix, nach Jimi Hendrix. Was würden Sie den gerne fragen?

Hart: Das ist einfach, ich würde ihn fragen, wie man Gitarre spielt! Ich bin ein großer Fan von seinem Gitarren-Spiel. Meine Ex-Frau war ein Jimi-Hendrix-Fan. Ich auch, aber nicht so sehr wie sie. Sie wollte diesen Namen. Ich gab dafür meiner Tochter den Namen, sie heißt Heaven Lee Hart.

teleschau: Bislang sind Sie vor allem in den USA bekannt. Ist Ihr Humor zu speziell?

Hart: Nein, ich selbst sehe mich auf dem Weg dahin, früher oder später global erfolgreich zu sein. Wenn du das schaffen willst, braucht du aber in jedem Land jemanden, der sich mit deinem Humor identifizieren kann. Jeder muss eine Verbindung zu deinen Themen haben. Du musst ehrlich sein, was deinen Lifestyle angeht und deinen Comedy-Stil. Das bin ich. Es wird bei mir immer größer und besser. Meine Filme haben den gleichen Rhythmus. Bei "Trauzeugen AG" ist die Heirat ist nur eine Überschrift, der Film handelt vom schwierigen Weg zur Freundschaft - gepaart mit einem ziemlich grenzwertigen Sinn für Humor. Wenn du deinen Rhythmus, deinen Stil hast, kannst du sehr lange sehr erfolgreich sein.

teleschau: Ist es nicht schwierig, bekannt zu sein und sich gleichzeitig ein Privatleben zu erhalten?

Hart: Ich lebe nicht sehr zurückgezogen und bin sehr nahbar. Man kann zu mir kommen und "Hi" sagen, kann mich nach einem Bier fragen und bekommt ein Bier. Ich unterstütze die Leute, die mich unterstützen. Der Tag, an dem du denn Sinn für die Realität verlierst, ist der Tag, an dem du vergisst, wer du bist. Die Leute sind der Grund für deinen Erfolg, zu denen musst du eine Beziehung behalten. Wenn die nicht mehr da ist, weißt du irgendwann nicht mehr, was lustig ist und was die lustig finden. Du beginnst dich zu fragen, wie Leute Alltägliches machen und weißt es nicht. Du weißt nicht, was angesagt ist. Deswegen investiere ich Energie in soziale Netzwerke und will interagieren. Ich will immer wissen, was geht. Ich will nicht in einem Haus leben wie in einer Festung und denken, das sei die Realität. Denn das ist sie nicht.

Quelle: teleschau - der mediendienst