Die Räuber

Die Räuber





Giftiges Geld

"Die Räuber" von Friedrich Schiller ist ein Opus Magnus der deutschen Sturm- und Drang-Dramatik. Unzählige Generationen von angehenden Abiturienten mühten sich durch den Literaturklassiker, in dem es um zwei rivalisierende Brüder geht, die um die Gunst des Vaters buhlen. Das Luxemburger Regie-Duo Frank Hoffmann und Pol Cruchten adaptierte nun das fast 240 Jahre alte Theaterstück für die Leinwand und versah es dafür mit aktueller Relevanz: Die Söhne sind beide Banker, die in einer Mischung aus Größenwahn und Selbstgerechtigkeit über Leichen gehen. Der große, 2014 verstorbene Schauspielfürst Maximilian Schell ist in dieser deutsch-luxemburgisch-belgischen Koproduktion zum letzten Mal auf der Leinwand zu sehen und spielt den ohnmächtigen Patriarchen, der selbst Opfer einer skrupellosen, weil geldgierigen Finanzelite wird.

Drei lange Jahre saß Karl Escher (Éric Caravaca) im Gefängnis, weil er für seinen Vater (Maximilian Schell), den gestandenen Großbankier Escher, den Kopf hinhalten musste. Es ging um dubiose Geldgeschäfte, um Urkundenfälschung und anders gearteten Betrug. In seiner Abwesenheit hat sich sein Bruder Franz (Robinson Stévenin), der eigentliche Betrüger, im Familienunternehmen breit gemacht und leitet inzwischen die Geschäfte. Karl will jetzt nur eins: Rache.

Seine geliebte Schwester Amalia (Isild Le Besco) ist die Einzige, die er darüber informiert, dass er Franz' illegalem Geschäftsgebaren ein Ende setzen will. Um zu beweisen, dass sein Bruder großspurig Geldwäsche betreibt, schreckt Karl nicht davor zurück, sich auf einen skrupellosen Gangsterboss (Tchécky Karyo) einzulassen, und dies nicht ohne Folgen ...

Es ist der brüderliche Zwist, der Konflikt zwischen zwei ungleichen Charakteren, die blutsverwandt und doch gänzlich entzweit sind, auf den sich dieser elegante und stilsichere Gesellschaftskrimi konzentriert. "Die Räuber" ist dabei - auch wenn er anfänglich mit einem Bankraub ordentlich in Fahrt kommt - kein Actionfilm, sondern vielmehr das dezidierte und fein skizzierte Psychogramm einer Banker-Familie, die ins Korrupte abdriftet und die eigenen Werte verrät. Insofern ist dieser Film durchaus als Kritik an einem fragwürdigen Milieu zu verstehen, in dem Geld die einzig relevante Währung ist.

Die beiden französischen Hauptdarsteller Éric Caravaca und Robinson Stévenin verkörpern ihre Rollen mit Bravour, ebenso wie Isild Le Besco als hin und her gerissene Schwester. Nicht zu vergessen Maximilian Schell: Auch wenn seine Leinwandpräsenz etwas atemlos ist, ist dieser Film allein schon seinetwegen sehenswert. Der große Kino-Patron Schell in seiner letzten, gleichwohl dramatischen Rolle! Auffällig und besonders gelungen ist die Auswahl der Musik von Michael Rother, die diesem ambitionierten Kinostück im Zusammenspiel mit der Bildsprache die betörende Atmosphäre eines Film noir verleiht. Und der hat eine eher hoffnungslose Erkenntnis: Am Ende sind wir alle Gefangene - nur dass das eine Gefängnis komfortabler ist als das andere.

Quelle: teleschau - der mediendienst