Hugh Jackman

Hugh Jackman





Der Vater von Welt trägt Vokuhila

Mut zum Vokuhila: Niemand trägt die schrecklichste Frisur der Welt so würdevoll wie Hugh Jackman (46) in "Chappie" (Kinostart: 5. März). "Ein australischer Journalist nannte meine Frisur einen Feiglings-Vokuhila", witzelt der sympathische Schauspieler und findet, "dass die Haare hinten nicht lang genug waren." Der Australier, 2008 "Sexiest Man Alive", spielt im düster-witzigen Robotermärchen von Regisseur Neill Blomkamp ("District 9") einen Ex-Soldaten, der in Johannesburg einen monströsen Polizeiroboter entwickelt hat und ihn unbedingt auf die Gangster der Stadt loslassen will. Im Interview in einem Berliner Nobelhotel war der Vater zweier Kinder aber sehr friedlich und erzählte gutgelaunt Anekdoten aus seinem Familienleben und warum er sich auf ein Leben nach dem Superhelden-Dasein bei den "X-Men" freut.

teleschau: Dass die Frisur Ihrer Figur Vincent Ihren Status als Sexsymbol gefährden könnte, störte Sie wohl nicht?

Hugh Jackman: Das war mir völlig egal. (lacht) Im Gegenteil, ich fand sie witzig. Das sah ich schon, als mir Regisseur Neill Blomkamp eine Skizze der Figur schickte. Allerdings waren es da noch komplett blonde Haare, ich trug dann ja nur blondierte Spitzen. Insgesamt war das Outfit von Vincent ja eher lächerlich, aber das passte zur Figur. Neill hat sie ziemlich gut entwickelt. Und als Schauspieler verliert man ohnehin jede Beziehung zum eigenen Haar. Man trägt die Frisur, die für die Rolle erforderlich ist. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, wann ich das letzte Mal privat beim Friseur war.

teleschau: Im Film werden Sie als "böser Mann" beschrieben: Wurden Sie schon mal im wahren Leben so genannt?

Jackman: Klar, fast jeden Tag von meinen Kindern. Ich bin zu Hause auch eher rigoros. Mein Vater war ein Disziplinfanatiker. Im Vergleich mit ihm bin ich zwar entspannt, aber objektiv betrachtet eher streng. Auf jeden Fall strenger als meine Frau.

teleschau: Spielen Sie Ihren Kindern manchmal was vor?

Jackman: Das macht doch jeder. Ich meine: Es sind Kinder, die erzählen und machen eine Menge Blödsinn. Und dann muss ich halt so tun, als wäre ich völlig verärgert. Dabei will ich nur nach nebenan gehen, um mich kaputt zu lachen. Besonders wenn die Jüngste irgendwas sagt.

teleschau: Wird das einfacher, wenn die Kids älter werden?

Jackman: Mein Sohn ist 14, die meisten Leute sagen, das ist ein unglaublich schwieriges Alter. Ich empfinde das aber gar nicht so. Mein Sohn ist da ganz pflegeleicht, er beschäftigt sich mit vielen Dingen, entdeckt die Welt, lernt neue Freunde kennen.

teleschau: Oder Mädchen ...

Jackman: Ach, die Mädchen. Ich könnte Ihnen eine schöne Geschichte erzählen, aber mein Sohn hat mir verboten, über ihn mit der Presse zu sprechen. Er ist da sehr bestimmt.

teleschau: Ach kommen Sie, wir sind hier in Deutschland, das kriegt er doch nicht mit.

Jackman: Glauben Sie mir: Es gibt auf der Welt keine Grenzen. Wenn ich Ihnen seine tolle Geschichte erzähle, dann liest er sie heute Nachmittag im Internet.

teleschau: Also finden es Ihre Kinder nicht so toll, einen berühmten Vater zu haben?

Jackman: Mein Sohn definitiv nicht. Meine Tochter ist da anders, sie ist auch noch jünger. Sie hat mir auch noch nicht verboten, Geschichten über sie zu erzählen und genießt das sogar ein bisschen. Wenn ich aus dem Hause gehe, und links stehen die Paparazzi, dann gehe ich natürlich nach rechts. Aber die Kleine sagt dann immer: "Dad, die Paparazzi sind auf der anderen Seite."

teleschau: Glauben Sie, dass Ihren Kinder "Chappie" gefällt?

Jackman: Meinem Sohn auf jeden Fall. Ich glaube, auch meiner Tochter würde der Film gefallen. Die beiden stehen auf Roboter und haben zum Beispiel "Wall-E" ins Herz geschlossen. Aber meiner neunjährigen Tochter könnte ich "Chappie" nicht zeigen, dafür gibt's dann doch ein paar Szenen, die zu brutal sind.

teleschau: Warum leben Sie in New York und nicht in Los Angeles?

Jackman: Nur zwei Wochen, nachdem ich meine Frau kennengelernt hatte, sagte sie mir: "Wenn dir etwas an dieser Beziehung liegt, solltest du darauf vorbereitet sein, in New York zu leben. Ich gehe hier nämlich weg." Mir war das recht, ich komme überall klar, solange meine Familie da ist.

teleschau: In "Chappie" spielt Technologie eine große Rolle: Welches technische Gerät würden Sie gerne besitzen?

Jackman: Im Film gibt es diesen kleinen Dienerroboter, der seinen Besitzer mit einem freundlichen "Guten Abend Sir, kann ich Ihnen ein Getränk bringen?" begrüßt. So einen würde ich gerne haben. Die gibt's ja auch schon in Japan, glaube ich. Ansonsten wünsche ich mir manchmal einen Helfer, der für mich im Internet die Antworten auf alle meine Fragen recherchiert. Der könnte dann auch mein Erziehungsratgeber sein, weil er einfach alles gelesen hat, was zu dem Thema geschrieben wurde. Ganz ehrlich: Wenn man Kinder hat, macht man alles zum ersten Mal, ohne zu wissen, ob es richtig ist.

teleschau: Fürchten Sie sich eigentlich vor künstlicher Intelligenz?

Jackman: Ich glaube, es ist etwas, worüber man ernsthaft diskutieren muss. Klügere Leute als ich, Bill Gates und Stephen Hawking, warnten erst kürzlich davor. Auch wenn einige Umweltschützer jetzt protestieren: Ich glaube, tief in uns steckt das Bestreben, unsere Spezies und unseren Planeten zu verbessern. Wir müssen aber aufpassen, dass das, was wir erschaffen, nicht unser Untergang ist.

teleschau: Freuen Sie sich eigentlich schon auf die Zeit, wenn Sie keine Superhelden mehr spielen?

Jackman: Ein Teil von mir freut sich drauf. Ich müsste dann nicht mehr so oft ins Fitnessstudio. Wobei ich nicht sagen will, dass es schlecht ist, sich fit zu halten. Und: Es gab eine Zeit, in der ich von anderen Leuten auf diese Rollen festgelegt wurde. Ich nahm das selber gar nicht wahr, weil ich auch Theater spielte, sang und tanzte oder die Oscar-Verleihung moderierte. Aber die Außenwahrnehmung war eine andere.

teleschau: Also verabschieden Sie sich von Wolverine?

Jackman: Ich glaube, meine Superhelden-Karriere geht dem Sonnenuntergang entgegen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Die "X-Men"-Filme sind großartig, die Rolle ist anspruchsvoll, die Kollegen sind eine Wucht. Aber ich habe immer die Vielfalt geliebt.

teleschau: Sie haben im letzten Jahr Ihre Krebserkrankung öffentlich gemacht ...

Jackman: Statistisch gesehen, hat jeder zweite Australier über 50 Hautkrebs. Wir sind aufgewachsen, ohne über die Gefahren des Ozonlochs Bescheid zu wissen oder uns um Sonnenschutz zu kümmern. Ich habe zum Glück die ungefährlichste Variante und denke nicht mehr so oft daran. Nur, wenn ich alle drei Monate zur Vorsorgeuntersuchung muss. Die meisten Menschen müssen nur einmal pro Jahr hin, was sie übrigens unbedingt machen sollten.

Quelle: teleschau - der mediendienst