Marie Gruber

Marie Gruber





"Ich bin kein Star. Ich bin Schauspielerin!"

Deutschlandweite Bekanntheit erlangte Marie Gruber mit dem Kinohit "Go Trabi Go" (1991). Später half sie im 2013 eingestellten "Polizeiruf 110" aus Halle den Kommissaren als Kriminaltechnikerin in allen Lebenslagen. Als Ehefrau stand sie dem ZDF-Kommissar "Stubbe" in dessen ersten elf Einsätzen zur Seite und wurde am Theater in diversen klassischen Rollen gefeiert. Nun verkörpert die 59-Jährige in der Tragikomödie "Alleine war gestern" (Freitag, 20. März, 20.15 Uhr, ARD) die lebenslustige Seniorin Uschi, die sich nach einem Schlaganfall mit Hilfe ihrer WG-Kollegen zurück ins Leben kämpft. Eine besonders anspruchsvolle Rolle für die Mutter zweier erwachsener Kinder, die nach zwei gescheiterten Ehen mit ihrem jetzigen Lebensgefährten seit rund zwei Jahrzehnten in Berlin zusammenlebt.

teleschau: Ihre Figur, die Schlaganfallpatientin Uschi, ist halbseitig gelähmt, hat die Kontrolle über ihre Sprache verloren, muss wie ein kleines Kind gebadet werden. Ist eine Behinderung eine besondere schauspielerische Herausforderung?

Marie Gruber: Ja! Ich wollte diese Rolle unbedingt spielen. Eine Frau verkörpern zu können, die einen solchen Schicksalsschlag erfahren hat, passiert nicht alle Tage. Eine realistische Darstellungsweise mit dem gebotenen Respekt gegenüber der Krankheit war unser Ziel.

teleschau: Eine Gesichtshälfte hängt, der Mund ist schief - gab es technische Hilfsmittel, auf die Sie zurückgreifen konnten?

Gruber: Die hätte ich mir gewünscht, gab's aber leider nicht. Die Maskenbildnerin hat die rechte Gesichtshälfte nachgeschminkt, Falten und Augenbraue etwas betont. Vor jedem Dreh hat sie mit kühlen Fingern die rechte Seite nach unten gestrichen und die linke Seite nach oben gezogen, somit ergab sich für mich ein "innerer Winkel", an dem ich mich orientieren konnte.

teleschau: Mehrere Szenen spielen in der Badewanne. Ist Nacktheit für einen Schauspieler etwas ganz Normales, oder kostet sie Überwindung?

Gruber: Für mich ist das nichts Normales. Ich hatte Glück, musste mich bislang selten ausziehen. In unserer Geschichte war es richtig und wichtig, ich hatte tiefes Vertrauen in die Regisseurin und das Team. Es war eine großartige Erfahrung, absolut professionell und überhaupt nicht peinlich.

teleschau: Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis?

Gruber: Ich habe den Film bislang nicht gesehen, bin aber schon sehr gespannt. Wie immer werde ich ihn mir erst mal allein in meinem Arbeitszimmer angucken. Wahrscheinlich zwei-, dreimal. Ich beurteile nicht das, was ich gespielt habe, sondern achte eher darauf, was ich weggelassen habe. Mein Beruf ist ein Lernberuf, man ist nie "fertig" oder hat "ausgelernt". Ganz zufrieden bin ich nie, manchmal aber froh.

teleschau: Der Filmtitel "Alleine war gestern" bezieht sich auf eine Gruppe von Senioren, die eine Wohngemeinschaft gründen - könnten Sie sich mit diesem Lebenskonzept anfreunden?

Gruber: Unbedingt. Das könnte später durchaus eine Option sein. Noch besser fände ich jedoch eine Mehrgenerationen-WG. Die alten Leute hüten die Kinder, die jungen bringen spannende Geschichten mit nach Hause. Ich umgebe mich gern mit vielen Menschen, schätze unterschiedliche Denkansätze, auch wenn man sich mal in die Haare kriegt.

teleschau: Ein anderer Aspekt des Älterwerdens ist der "Ruhestand". Ist das etwas, worauf Sie sich freuen?

Gruber: Alleine das Wort finde ich furchtbar! Die Vorstellung, mich aus dem Berufsleben zu verabschieden und die Beine hochzulegen, ist für mich unmöglich. Es gibt schließlich noch so viel zu tun. Und die Rentenaussicht ist auch nicht so, dass an ein Aufhören in den nächsten 20 Jahren zu denken ist. Wenn der Kopf mitmacht, werde ich auch noch mit 85 arbeiten.

teleschau: Die Filmfigur Uschi übernimmt zunächst den häuslichen Part - wäre das auch Ihre WG-Rolle?

Gruber: Das weiß ich nicht, vielleicht wäre jemand anderes geeigneter. Wenn ich mich intensiv auf eine Arbeit vorbereite, dann macht mein Lebenspartner viel, kocht, wäscht, geht einkaufen. Ein Mann, der gut und gerne kocht, ist ein großer Luxus. Überhaupt ist die Küche nicht mein bevorzugtes Betätigungsfeld. Aber ich habe zwei Kinder großgezogen, da ist Hausarbeit jetzt nicht die große Unbekannte. Und wenn ich mal mehr Luft habe, kann es passieren, dass ich zum Putzteufel mutiere. Aber es gibt in der Tat schönere Freizeitbeschäftigungen.

teleschau: Wie kamen Sie eigentlich zur Schauspielerei?

Gruber: Es gab nicht den berühmten Kick. Ich hatte jahrelang Schultheater gespielt und gerne Kostüme gebastelt. Irgendwann, ich muss wohl 14 gewesen sein, wusste ich einfach: Ich will Geschichten erzählen, ich will wissen, wie das geht.

teleschau: Das klingt ziemlich geradlinig - gab es nie Zweifel?

Gruber: Die hat man in diesem Beruf doch ständig. Es gab jedoch nie etwas, das mich ähnlich gereizt hätte.

teleschau: Sie haben bis zum Mauerfall in der DDR gelebt - wie sehr hat Sie das geprägt?

Gruber: Sehr, das macht ja den größten Teil meines Lebens aus. Meine sozialen Wurzeln sind im Osten, meine beiden Kinder wurden dort geboren. Das kann und will ich nicht abschneiden. Ich sage nicht, im Westen wäre es besser gewesen. Das wäre wie Reue, so als ob ich mein eigenes Leben bereuen würde, wie absurd.

teleschau: Sie haben einmal gesagt, Sie sehen sich nicht als Star. Was gefällt Ihnen denn nicht am Star-Sein?

Gruber: Ich bin Schauspielerin. Ein Beruf, der nach wie vor nicht geschützt ist. Jeder kann sich Schauspieler nennen. Und: Jeder kann ein Star sein in seinem Bereich. Ich kann mit diesem Begriff nichts anfangen.

teleschau: Woran messen Sie Ihren Erfolg?

Gruber: Gar nicht. Wenn mein Spiel berührt oder jemanden zum Lachen bringt, ist es ein großes Geschenk und treibt mich weiter, neugierig zu sein und Papierfiguren zum Leben zu erwecken.

teleschau: Der rote Teppich war nie Ihr Ziel?

Gruber: Ich könnte oft über rote Teppiche laufen, allein durch meine Mitgliedschaft in der Deutschen Filmakademie. Wie viele meiner Kollegen finde ich aber meist den Weg daran vorbei. Wenn ich nichts zu sagen habe, möchte ich auch nicht in jede Kamera gucken, das überlasse ich dann doch lieber den Stars. Das, was ich zu erzählen habe, erzähle ich den Zuschauern lieber durch meine Arbeit.

teleschau: Und abseits vom roten Teppich - werden Sie auf der Straße erkannt?

Gruber: Ja. Ich lebe in Pankow, einem ganz normalen Berliner Bezirk. Ich werde oft im Supermarkt angesprochen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln, aber meistens sehr diskret. Wenn dabei ein Kompliment für mich rausspringt und wir zusammen lachen können, gestaltet sich der Tag nach dem Auseinandergehen für beide Seiten vielleicht noch ein bisschen schöner.

Quelle: teleschau - der mediendienst