Stefanie Stappenbeck

Stefanie Stappenbeck





Urvertrauen, kalter Entzug

2011 bewegte die Geschichte des deutschen Weltumsegler-Pärchens Stefan Ramin und Heike Dorsch die Menschen: Ramin (40) war in einem verstörenden Akt von einem Einheimischen der Südseeinsel Nuku Hiva getötet worden. Der Verdacht von Kannibalismus stand im Raum. Heike Dorsch, die sich ebenfalls in den Fängen des Mörders befand, schrieb zur Verarbeitung das Buch "Blauwasserleben", ihre eigene Geschichte. Nun wurde es für das ZDF (So., 15.03., 20.15 Uhr) mit Stefanie Stappenbeck in der Hauptrolle verfilmt. Für die 40-jährige Schauspielerin war die Arbeit an dem auf Hawaii gedrehten Film nicht nur wegen des traumatischen Stoffes eine Herausforderung. Der Dreh begann wenige Monate, nachdem die Berlinerin ihr erstes Kind zur Welt gebracht hatte.

teleschau: Sie spielen eine Frau, die es tatsächlich gibt und die bei den Dreharbeiten sogar anwesend war. Fühlten Sie sich nicht eingeengt?

Stefanie Stappenbeck: Ich dachte auch vorher, dass ich mich beobachtet oder kontrolliert fühlen würde. Interessanterweise war es dann aber ganz anders. Heikes Anwesenheit war sogar eine Hilfe für mich, eine Erleichterung.

teleschau: Das müssen Sie erklären ...

Stappenbeck: Ich habe Heike öfter Dinge gefragt. Immer dann, wenn ich bei einer Szene unsicher war. Ich holte mir oft ihre Rückversicherung, wenn ich etwas nicht genau wusste, da hat sie mich toll "gecoacht". Eigentlich sagte sie nie, ich solle etwas anderes machen (lacht). Vielleicht hat mir ihre Anwesenheit deshalb so eine positive Energie mit auf den Weg gegeben.

teleschau: Das klingt, als hätte Ihnen Heike Dorsch die Last der Rolle abgenommen.

Stappenbeck: Immer, wenn man lebende Personen spielt, hat man als Schauspieler eine besondere Verantwortung. Durch Heikes Feedback fiel es mir leichter, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Sie ist ein besonderer Mensch. Dafür, dass es um ihre eigene Geschichte ging, besitzt sie eine fast schon erstaunliche Objektivität, wenn es darum geht, das alles einzuordnen. Sie hat die Fähigkeit, sich selbst von außen zu betrachten, ohne dass sie deshalb ihre Gefühle verneint. Bei für sie schwierigen, emotionalen Szenen ging sie manchmal bewusst vorher weg, um das nicht mitansehen zu müssen.

teleschau: Warum hat die Geschichte von Heike Dorsch und Stefan Ramin so ein gewaltiges Medienecho gefunden? Bei aller Tragik des Falles: Urlauber kommen des Öfteren ums Leben, ohne dass die Zeitungen über längere Zeit darüber berichten.

Stappenbeck: Ich glaube, es liegt daran, dass die Tat im Paradies stattfand. Zumindest in einem Setting, das unserer Vorstellung vom Paradies relativ nahe kommt. Die Geschichte von Heike und Stefan erschüttert unser Urvertrauen. Wir haben die Südsee mit ihrem Sonnenschein, der Wärme. Man denkt, es kann einem nichts passieren. Man kann nicht erfrieren, die Bäume hängen voller Kokosnüsse. Die Menschen sind friedlich und lächeln. Dazu kam, dass die "Bild"-Zeitung das Ganze noch angeheizt hat. Weil sie diese Kannibalengeschichte dazuschrieb, die sich ja dann als falsch herausstellte.

teleschau: Haben Sie das Gefühl, dass Heike Dorsch ihren Frieden mit dem gemacht hat, was ihr passiert ist?

Stappenbeck: Ich kann diese Frage nicht wirklich beantworten, das müsste man sie selbst fragen. Aber ich finde, sie strahlt etwas aus, das diesen Gedanken nahelegt. Sie vermittelt mir ein Gefühl, dass das Leben trotz allem lebenswert ist. Und dieses Gefühl kommt total bei mir an.

teleschau: Wie schafft man es, nach einem solch traumatischen Erlebnis ins Leben zurückzukehren?

Stappenbeck: Man kann diese Frage nur für sich persönlich beantworten. Für mich war jede Niederlage, die ich erlebte, dazu da, dass ich sie in etwas Positives umdeute. Ich denke, jede erfolgreiche Krisenbewältigung funktioniert so. Glückliche, stabile Menschen sind eher jene, die genau diese Fähigkeit mitbringen: gut zu sein im Umdeuten von Ereignissen (lacht). Oder dass man wenigstens das Gefühl hat, man hätte etwas aus den Ereignissen gelernt. Mir ist das bisher einigermaßen gut gelungen.

teleschau: Sie sind im vergangenen Frühjahr Mutter geworden und haben bereits im September diesen Film gedreht. War das nicht ziemlich anstrengend?

Stappenbeck: Ja, weil ich ja auch noch voll gestillt habe. Noch schwieriger war jedoch, dass ich Angst hatte, ins Wasser zu gehen, was aber für diesen Film notwendig war. Ich musste sogar vom Boot ins Meer springen. Ich wäre als Kind zweimal fast ertrunken, daher kommen meine Probleme. Um diese Szenen spielen zu können, bereitete ich mich mit Hypnose-Sitzungen vor, die mir diese Angst nehmen sollten. Es hat tatsächlich geklappt.

teleschau: Wissen Sie, warum das funktionierte?

Stappenbeck: Ganz genau natürlich nicht. Ich habe mit der Therapeutin allerdings auch über meine Angst geredet. Was ich erstaunlich fand: Sie schaffte es, dass ich mein berufliches Ins-Wasser-Gehen von meiner persönlichen Angst trennen konnte. Ich habe es sogar insgesamt geschafft, emotional besser zu trennen zwischen der Rolle und meinem wirklichen Leben. Wenn ich abends nach Hause ging, konnte ich prima einfach Mutter sein und diese ganze, emotional sehr aufwühlende Geschichte hinter mir lassen.

teleschau: Es gab nie Zweifel, ob dieser Film vielleicht zu früh kommt oder dass es der falsche Film zu diesem Zeitpunkt war?

Stappenbeck: Doch, natürlich gab es die vorher. Meine Tochter war ja noch so klein. Andererseits konnten wir so ganz viel gemeinsame Zeit verbringen. Fridas Papa war ja die ganze Zeit mit dabei. Dazu kommt: Ich durfte das machen, was ich am liebsten tue: meinen Beruf ausüben, dazu noch auf Hawaii, einem traumhaft schönen Ort für die ganze Familie. Wir waren alle sehr glücklich da. Insofern haben sich meine Zweifel Gott sei Dank in Luft aufgelöst. Ich habe diese Zeit immer weniger unter dem Aspekt der Anstrengung gesehen, sondern als Geschenk, das mir das Leben macht. Das hat ungemein geholfen (lacht).

teleschau: Nun ist ihr Kind bald ein Jahr alt. Wie sind Ihre Erfahrungen: Lässt sich das Muttersein gut mit der Schauspielerei vereinbaren?

Stappenbeck: Wenn man einen Mann hat wie ich, dann schon. Chris ist ungeheuer fortschrittlich. Er ist Musiker und hat für das erste Babyjahr seine Projekte auf Eis gelegt und Jobs abgesagt. Dadurch ist aber auch eine enge Beziehung zwischen Tochter und Vater entstanden. Das ist ganz toll, finde ich, und ich glaube auch, dass beide sehr von dieser Nähe profitieren.

teleschau: Können Sie sich ein zweites Kind vorstellen?

Stappenbeck: Wir sprechen darüber. Deshalb befragen wir alle, die uns über den Weg laufen und Erfahrung haben, wie es mit zwei Kindern ist. Wir haben uns aber noch kein abschließendes Urteil gebildet (lacht).

Quelle: teleschau - der mediendienst