Jasmin Gerat

Jasmin Gerat





Ein Schritt nach vorn

Sie war "Bravo Girl", zierte das Cover des "Playboy" und gilt als eine der attraktivsten Frauen Deutschlands: Jasmin Gerat, 36, seit ihrem 20. Lebensjahr hauptsächlich als Schauspielerin unterwegs. Doch auch wenn die Tochter einer Deutschen und eines Türken immer wieder ordentliche Rollen spielte, der ganz große Durchbruch blieb der Frau mit Modelgesicht und perfekten Maßen bislang verwehrt. Dies könnte sich nun ändern. In der internationalen Krimiproduktion "The Team" (ab 08. März, sonntags, 22 Uhr, ZDF), an der ein gutes halbes Dutzend europäischer Länder beteiligt ist, spielt Jasmin Gerat die Rolle der deutschen Kommissarin Jackie Mueller.

teleschau: Sie haben für "The Team" mit dänischen Drehbuchautoren und Regisseuren zusammengearbeitet. Sind Sie hinter das Geheimnis gekommen, warum die Dänen so gute Serien machen?

Jasmin Gerat: Es gibt ganz sicher ebenso gute Autoren und Regisseure in Deutschland, nur lässt man die meisten eben nicht wie in Dänemark einfach mal machen. Bei uns gibt es zu viele Bedenkenträger in den Redaktionen. Wenn die deutschen Sender sich, wie bei den Dänen üblich, mehr auf Teamarbeit und Mut der Kreativen einlassen könnten, wäre das ein Gewinn fürs deutsche Fernsehen.

teleschau: Was machen denn die Dänen konkret anders?

Gerat: Ich glaube, dass man sich in Dänemark einfach mehr auf die Intuition der Filmemacher verlässt. Bei "The Team" war das so, obwohl mit Peter Nadermann ein deutscher Produzent am Ruder saß. Peter, der viel Erfahrung mit skandinavischen Produktionen hat und ganze sieben Jahre für unser Projekt gekämpft hat, hat seinen Autoren und Regisseuren während der gesamten Drehzeit freie Hand gelassen. Ich denke, es braucht diese kreative Freiheit, damit am Ende gute Qualität herauskommen kann.

teleschau: Warum tun wir Deutschen uns so schwer, diese an sich einfachen Regeln zu befolgen?

Gerat: Das ist eigentlich ein zu komplexes Thema, um es hier zu beantworten. Zum einen hat das bestimmt mit dem Wesen und der Geschichte von uns Deutschen zu tun. Wir wollen die Dinge gern kontrollieren, alles richtig und bloß keine Fehler machen. Und so gehen die Fernsehmacher eben auch eher logisch und planerisch an ihre Projekte ran, mit dem Damoklesschwert der Quote im Hinterkopf. Leider ist das nicht immer die beste Methode, um gute Filme oder Serien zu machen.

teleschau: Wie sind Sie an die Rolle der deutschen Kommissarin herangekommen?

Gerat: Es gab ein Casting. In der dritten Runde bin ich dann auch Lars Mikkelsen begegnet, der die Rolle ebenfalls noch nicht sicher hatte. Weil es zwischen uns gut funktionierte, war es von Produktionsseite dann wohl schnell klar, dass wir das spielen sollen.

teleschau: Wissen Sie, was genau man in Ihnen sah, das Sie zum deutschen Aushängeschild dieser internationalen Produktion werden ließ?

Gerat: Nein, keine Ahnung. Ich hätte manchmal gerne den Blick von außen, muss aber gestehen, dass es mir sehr schwer fällt, mich selbst zu beurteilen. Ich bin ziemlich kritisch mit mir. Wenn ich dann eine solche Rolle bekomme, frage ich mich eher: Nehme ich mir das selbst ab? Fühle ich mich reif genug, eine Mutter von zwei Kindern und auch noch Kriminalkommissarin zu verkörpern (lacht)?

teleschau: Und - was sagen Sie, wenn Sie das fertige Produkt sehen?

Gerat: Ich finde, das geht total auf. Ab einem bestimmten Punkt muss ich auch loslassen und den Produzenten und Regisseuren vertrauen, dass ich auf der Leinwand oder auf dem Bildschirm genau das bin, was sie von Anfang an in mir gesehen haben.

teleschau: Fiel es Ihnen leicht, eine so toughe Frau zu spielen?

Gerat: Dieser Aspekt der Figur fiel mir in der Tat nicht besonders schwer. Auch ich kann "tough" und einzelgängerisch unterwegs sein. Ich mache gerne mein Ding.

teleschau: Und was fiel Ihnen schwer?

Gerat: Dass Jackie ihre Emotionen kontrolliert und alles nur mit sich ausmacht. Dass sie ganz viele Gefühle einfach kappt und wegdrückt. Das kann ich persönlich überhaupt nicht. Ich muss mich immer äußern, muss es loswerden, weil ich ansonsten krank werde. Im wahrsten Sinne des Wortes! Mittlerweile habe ich mich damit angefreundet, dass Jackie Mueller so tickt. Wenn ich jedoch meine belgische Kollegin Veerle Baetens in ihrer Rolle sehe, in der sie sehr körperlich agiert und emotional sein darf, bin ich immer noch ein bisschen neidisch (lacht).

teleschau: Ist das Emotionsarme nicht ein arges deutschen Klischee, das da in der Rolle transportiert wird?

Gerat: Ich musste bei dieser internationalen Produktion feststellen, dass an manchem Klischee auch oft was dran ist. Das größte Klischee in Bezug auf uns Deutsche ist ja unsere Pünktlichkeit und Strukturiertheit. Und was passierte? Beim Dreh haben sich die Belgier und Dänen dann tatsächlich gewundert und betont, wie außergewöhnlich sie es finden, dass hier alles so pünktlich und gut organisiert abläuft. Das hatten sie so noch nicht erlebt. Plötzlich wurde aus dem Vorurteil etwas total Positives, weil diese urdeutsche Eigenschaft, die Gruppe enorm bereichert und gefördert hat. Das Schöne an "The Team" war aber auch, dass mir plötzlich bewusst wurde: Ich bin nicht nur Deutsche, ich bin auch Europäerin. Es war ein sehr erfüllendes Gefühl, zu sehen, was wir gemeinsam haben und gemeinsam erschaffen können.

teleschau: Diese Rolle dürfte Ihrer Karriere noch mal einen ganz neuen Schub verleihen, oder?

Gerat: Ich weiß es nicht und denke nicht über so etwas nach. Klar, es sieht so aus, als wäre das ein Projekt mit hoher Aufmerksamkeit auch über die deutschen Grenzen hinaus. Allein wenn man bedenkt, in wie vielen Ländern "The Team" zu sehen sein wird. Andererseits bin ich der festen Überzeugung, dass man eine Schauspielkarriere nicht planen kann. Es gehört ganz viel Glück dazu. Unter anderem das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Leute zu treffen. Weil ich weiß, wie zufällig so etwas ist, gehe ich immer nur einen Schritt nach dem anderen. Ich konzentriere mich immer nur auf das nächste Projekt. Zu einer langfristigen Karriere gehört auch ganz viel Entspanntheit. Deshalb habe ich es aufgegeben, Dinge zu forcieren. Dennoch arbeite ich natürlich an mir.

teleschau: Was heißt "an sich arbeiten" für Sie? Wenn man bedenkt, dass Sie schon viele Jahre im Geschäft sind ...

Gerat: Als Arbeitswerkzeug habe ich nur mich selbst zur Verfügung. Das heißt für mich persönlich, dass ich mein Instrument benutzen muss, üben muss, wach bleiben muss für die eigene Entwicklung und Reifung als Schauspieler. Dass ich mich auch als Mensch permanent weiterentwickle und reflektiere. Damit meine ich allerdings nicht, dass ich nur um mich selbst kreise - was eh nicht klappt, wenn man ein Kind hat (lacht).

teleschau: Ist ein reiferer Mensch immer auch ein besserer Schauspieler?

Gerat: Ich liebe es, im Kino zu sitzen und reifen Gesichtern zuzuschauen. Einer Jeanne Moreau beispielsweise, ich liebe sie! Es gibt aber auch junge Schauspielerinnen wie Jella Haase, die ebenfalls in "The Team" zu sehen ist. Sie hat noch nicht so viel Lebenszeit hinter sich und dennoch transportiert sie extrem viel Erfahrung und eine Reife. Ich glaube, es gibt wohl alte Seelen, die brauchen gar nicht so lange auf diesem Planeten gewesen zu sein. Die bringen etwas mit, wo man denkt: "Das kannst du doch noch gar nicht wissen! Wo kommt denn das jetzt schon her, was ich da sehe und spüre im Spiel?" So etwas ist dann eine Magie, die man nicht erklären kann.

teleschau: Können Sie sich vorstellen, dass "The Team" fortgesetzt wird?

Gerat: Ich hoffe es sogar. Ich hätte große Lust dazu, längere Zeit Jackie Mueller sein zu dürfen.

Quelle: teleschau - der mediendienst