Steffen Groth

Steffen Groth





Das Kind im Manne

Rollen, Reichtum, Ruhm: Für viele Schauspieler gehören diese Errungenschaften zur Komplettierung ihrer persönlichen Zufriedenheit. Steffen Groth strebte früher auch nach diesen vermeintlichen Glücksgaranten, bis andere Aspekte in den Vordergrund rückten. Die Liebe beispielsweise, die man seiner Meinung nach lernen müsse. Und seine beiden Kinder, die ihm maßgeblich dabei helfen. In seiner neuen Rolle in der ARD-Komödie "Opa, ledig, jung" stellt er einen 45-jährigen Single dar, der kaum Kontakt zu seiner Tochter hat und am liebsten für immer Kind bleiben würde - bis ihm seine Enkeltochter den Weg weist. Wie der 40-jährige Berliner wohl damit umgeht, dass ihm eine Rolle als Großvater angeboten wurde?

teleschau: Sie sind 40 Jahre alt und spielen in "Opa, ledig, jung" einen 45-jährigen Großvater. Was dachten Sie, als man Sie zum Casting einlud?

Steffen Groth: Ich glaubte zuerst, die hätten das Drehbuch dem Falschen geschickt! Vor allem als ich beim Casting einen zehn Jahre älteren, geschätzten Kollegen von mir sah, dachte ich: "Ja genau, zu ihm passt die Rolle!" Aber man wollte mich.

teleschau: Sie sind eine Sportskanone, aber im Film wölbt sich eine Plauze unter Ihrem Shirt. War die echt?

Groth: Ja, die war Bedingung. Und das Tolle am Älterwerden ist ja, dass man mit dem Zunehmen keine Probleme hat (lacht). Obwohl ich nicht nur sportlich, sondern auch Veganer bin, fällt es mir immer schwerer, schlank zu bleiben. Daher kann ich die Behauptung vom Koch Attila Hildmann, dass man mit veganem Essen abnimmt, nicht bestätigen.

teleschau: Hadern Sie mit Ihrem Körper und Ihrem Alter?

Groth: Nein, überhaupt nicht. Ich bin total im Reinen mit mir. Altern ist eine tolle Sache.

teleschau: Warum?

Groth: Mir fällt es immer leichter, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Dinge relativieren sich mit den Jahren und der Erfahrung. Das ist sehr angenehm.

teleschau: Was ist das Wesentliche für Sie?

Groth: Glücklich zu sein. Ich meine damit nicht kurzweilige "happy-happy-times", sondern ein grundsätzliches Gefühl von Zufriedenheit. Das wird mir kein Geld und keine Rolle bringen. Früher bin ich noch stärker davon ausgegangen, dass solch äußere Faktoren einen großen Beitrag zum Glück leisten, aber von diesem Gedanken entferne ich mich immer mehr. Geld hilft natürlich, und schöne Rollen sind etwas Tolles, aber wirkliche Zufriedenheit kommt aus einer inneren Haltung heraus. Danach bin ich auf der Suche!

teleschau: Machen Kinder glücklich? Werner kommt seinem Glück im Film zumindest näher, indem er sich seiner Familie annähert.

Groth: Es ist toll, dass Werner diese Entscheidung trifft und Verantwortung übernimmt, aber er hat noch einen inneren Weg vor sich, den er gehen muss. Es sind äußere Umstände, die ihn glücklich machen sollen und es auch ein Stück weit tun, aber davon allein hängt sein Glück nicht ab. Das Glück wird nie durch etwas Äußeres kommen. Deshalb kann man auch nicht sagen, dass Kinder grundsätzlich glücklich machen. Aber meine Kinder bereichern mich total. Darüber könnte ich nicht glücklicher sein. Sie bringen mich näher an meine Liebensfähigkeit - denn Liebe ist eine Fähigkeit, die man erlernen muss. Jemanden zu lieben, dazu gehören Geduld, Achtsamkeit und Zugewandtheit - da bringen mich meine Kinder immer näher hin, und dafür bin ich ihnen dankbar.

teleschau: Würden Sie manchmal gerne ebenso wie Werner für immer ein Kind bleiben?

Groth: Unbedingt. Wir haben alle ein inneres Kind in uns, das man ab und zu mal rauslassen sollte - vor allem, wenn es in der Kindheit vernachlässigt wurde. Ein bisschen ausrasten und einfach mal loslassen - das sollten wir gerade in Deutschland, wo immer alles so festgelegt ist, öfter machen.

teleschau: Ebenso wie Werner toben Sie sich beim Malen aus, oder?

Groth: Ja, das ist wohl meine Form der Traumatherapie. (lacht) Mein Bruder konnte als Kind immer viel besser malen als ich. Aber dann habe ich irgendwann gemerkt, dass jeder Mensch malen kann, und es für mich entdeckt. Das macht mich total frei. Wie bei allem, was ich tue, bin ich auch bei der Malerei ein "Ganz oder gar nicht"-Mensch: Ich male sehr großflächig auf riesigen Leinwänden von mindestens drei mal zwei Metern.

teleschau: Sie sollen schon als Kind gewusst haben, dass Sie das Talent zum Schauspieler haben.

Groth: Gewusst habe ich das damals nicht, aber ich habe es unbedingt gewollt.

teleschau: Heute wissen Sie, dass Sie schauspielern können?

Groth: Ja, ich habe bewiesen, dass ich es kann. Aber natürlich gab es auch Sachen, die schlicht und ergreifend kacke waren.

teleschau: Manchmal muss man als Schauspieler auch einfach Rollen annehmen, um Geld zu verdienen.

Groth: Genau!

teleschau: Nun schreiben Sie sich die guten Rollen selbst: Sie sollen an Drehbüchern arbeiten. Gibt es da schon etwas Konkretes?

Groth: Noch nicht. Wir stecken noch in der Stoffentwicklung unter anderem für eine TV-Serie und führen Gespräche mit Produktionsfirmen. Das ist ein langwieriger Prozess.

teleschau: Ist die Konzeption einer Serie momentan eine gute Idee? Sie sind ja selbst erst vor kurzem mit der ARD-Serie "Dating Daisy" gescheitert.

Groth: Bei "Dating Daisy" war vielleicht das eine oder andere im Drehbuch mit zu heißer Nadel gestrickt. Ich glaube, das sind nur die Geburtswehen, bevor die wirklich coolen Serien entstehen.

teleschau: Welche Serien sind denn gut?

Groth: Ich mag "Hubert und Staller", und "Der Tatortreiniger" ist ein Kracher. "Doctor's Diary" war echt lustig, und "Mord mit Aussicht" ist großartig!

teleschau: Stimmt es, dass Sie sich akribisch auf Rollen vorbereiten und diese Perfektion als Pflicht eines Schauspielers erachten?

Groth: Perfekt muss man nicht unbedingt sein, aber üben und sich gut vorbereiten sollte man sich auf jeden Fall. Das habe ich wohl von meinem Vater geerbt (der klassische Trompeter Konradin Groth, d. Red.): Er hat vor wichtigen Konzerten keinen Alkohol getrunken, ist täglich zehn Kilometer joggen gegangen und hat acht Stunden sein Instrument geübt. Auch Meryl Streep macht angeblich jeden Tag Schauspielübungen. Da könnte man meinen: Die hat es ja nun wirklich nicht mehr nötig. Doch, hat sie! Und genau deswegen ist sie so gut. In Amerika ist das normal unter Schauspielern. Wir hier in Deutschland sagen oft: "Ist ja nur Film!" Aber das ist Quatsch. Man muss üben! Am Theater macht man das automatisch durch die tägliche Probe. Für einen Film muss man das selbstständig tun, um gut zu sein. Daher gibt es auch nur einen kleinen Prozentsatz an deutschen Schauspielern, die genial sind.

teleschau: Wer zum Beispiel?

Groth: Alexander Fehling. Ich bin ein großer Fan von ihm. Auch Moritz Bleibtreu und Ronald Zehrfeld sind gigantisch! Wir in Deutschland sagen das viel zu selten! Es gibt eine Kultur der Missachtung den Künstlern gegenüber. Die Leute haben Freude daran, die Künstler fertig zu machen. Es gibt kein Starsystem. Das verstehe ich nicht! Wieso bringen Produzenten ihre Künstler nicht weiter nach vorne? Wir haben drei Stars. Das war's! Es gibt keine weiblichen Stars, nur drei Männer.

teleschau: Sie meinen Schweiger, Schweighöfer und M'Barek?

Groth: So sieht's aus. Das sind Kassenschlagergaranten. In Frankreich, England oder den USA stehen die Menschen auf ihre Stars und feiern sie. In Deutschland machen auch die Medien keine Stars, sondern suchen nur nach Negativschlagzeilen. Warum ist das so? Franka Potente hat zum Beispiel eine Megakarriere in Amerika gemacht, und Alexandra Maria Lara spielt internationales Zeug. Warum findet sie nicht statt? Ich würde mir wünschen, dass es da einen Sinneswandel gäbe und mehr Positives berichtet wird. Denn Negatives haben wir ja wirklich genug in der Welt.

Quelle: teleschau - der mediendienst