Seventh Son

Seventh Son





Ironisches Mittelerde, Hexen inklusive

Beeindruckende Landschaften, düstere Königreiche sowie jede Menge bedrohliche Drachen, Ork-ähnliche Wesen und mystische Magie: Das Fantasy-Epos "Seventh Son" tut gar nicht erst so, als habe es sich nicht großzügig bei den großen Pseudomittelalter-Produktionen der vergangenen Jahre bedient. Spätestens als nach ein paar Minuten tatsächlich Jon Snow alias Kit Harington aus "Game Of Thrones", unter anderem Namen natürlich, die finstere Bühne betritt, wird deutlich: Regisseur Sergei Bodrov schafft mit seinem bildgewaltigen 3D-Spektakel ein zusammengeschustertes Werk, das auf beinahe alle jemals losgefahrenen Fantasy-Züge aufspringt. Und dabei als einfallsloses Mittelerde-Westeros für Arme ebenso durchgeht wie als selbstironisches Megazitat mit Starensemble.

Sergei Bodrov ist kein Unbekannter: Mit "Der Mongole" versuchte sich der russische Regisseur bereits 2007 an einem mythischen Epos, das historischen Fakten gleichermaßen Platz einräumte wie zahllosen Legenden. Das Dschingis-Khan-Biopic bescherte ihm, wie bereits zehn Jahre zuvor sein Werk "Prisoner of the Mountains", eine Oscarnominierung für den besten ausländischen Film. In seiner ersten großen US-Produktion schmeißt der Sowjetkino-Veteran nun sämtliche Bezüge zur Realität über Bord und widmet sich in "Seventh Son" jenen allseits beliebten Fabelwesen, Hexen, Zauberern und bärtigen Helden, die schon seit einigen Jahren dem Fantasy-Nerdtum entwachsen sind.

Durch "Herr der Ringe", "Der Hobbit" und "Game of Thrones" ist das Publikum an jene mystischen Fabelwelten so sehr gewöhnt, dass sich das genreüblich vage bis gar nicht verortete Fantasy-Setting in "Seventh Son" keine größere Erklärung gönnt. Nur so viel: In einer dunklen - was sonst - Ära der Magie und Legenden droht eine bösartige Oberhexen-Königin (gruselig, aber hier kaum oscarreif: Julianne Moore) samt ihrer Hexen-Kolleginnen und übernatürlichen Helfershelfer das schmuddelig-raue Fake-Mittelalterreich zu unterwerfen.

Natürlich sind mal wieder die Frauen das hinterhältig Böse: Seit Jahrhunderten repräsentieren die Hexen in "Seventh Son" das dunkle Zeitalter, vor dem die Menschheit bislang nur durch einen Orden nobler Zauber-Ritter beschützt wurde. Unglücklicherweise gibt es davon nur noch einen: Jeff Bridges, pardon, Meister John Gregory. Dieser sarkastische Magier ist der Letzte, der den Mächten des Bösen Paroli bieten kann. Er braucht dafür aber, nachdem der alte in Flammen aufging, einen neuen Super-Azubi, den er per Prophezeiung in dem jungen "siebten Sohn von einem siebten Sohn" Thomas (Ben Barnes) auch findet.

Ein famos zynischer Bridges ist es, der nicht nur das Reich, sondern auch den Film einigermaßen zu retten imstande ist: Als sprachgewandter Sonderling mit Superkräften ist ihm angenehmerweise jeder Pathos fremd. Es nervt ihn eben, dass er die dunkle Königin, die sich blöderweise auch noch in einen Drachen verwandeln kann, nicht schon vorher um die Ecke gebracht hat und es nun an ihm hängen bleibt, den lästigen Job zu erledigen. So zaubert er sich mehr spitzzüngig als heroenhaft durch die Hexen-Phalanx und achtet dabei weder auf Fairness noch auf überkommene Kategorien wie Ehre. Zudem verzichtet Gregory trotz der metaphysisch-mystischen Story zumeist auf das übliche Geschwurbel von wegen Verheißung, Schicksal und Heldentum.

Er geriert sich als liberaler Hippie-Meister mit Hang zum Betäubungsmittelkonsum und einer überaus ironischen Sicht auf die Dinge, selbst dann noch, als er von der Liebe seines Schützlings zu einer jungen Hexe erfährt. Man müsse die Prophezeiung nicht ganz so ernst nehmen, sagt er gegen Ende, sie sei auch nur Auslegungssache. Einen freigeistigeren, gechillteren Zauberer mit Bart erlebte man - trotz Gandalf - im sonst so bierernsten Genre bislang nicht. Achja: Wundervoll animierte Drachen, vor denen man aufgrund famoser 3D-Technik zugegebenermaßen im Kinosessel bisweilen wegzuckt, gibt es in "Seventh Son" auch noch zu bestaunen. Dazu ein paar kurzweilige Kämpfe, tolkieneske Weiten sowie ein abendfüllendes Ratespiel, welches Fantasyelement aus welchem Werk entnommen wurde.

Quelle: teleschau - der mediendienst