Focus

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Richtiger Schwerpunkt

Zuletzt lief es für Will Smith alles andere als rund. War er vor wenigen Jahren noch vor Johnny Depp der am besten verdienende Hollywood-Schauspieler, wartet der 46-jährige Amerikaner seit "Men in Black 3" (2012) vergeblich auf den nächsten Kassenerfolg - seine letzten beiden Filme "After Earth" und "Winter's Tale" waren sogar eher das Gegenteil. Ob es Will Smith mit "Focus" gelingt, jenen Fluch zu brechen, bleibt abzuwarten. Die unterhaltsame und wendungsreiche Gaunerkomödie ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Will Smith macht darin nämlich endlich mal wieder das, was er - seit "Der Prinz von Bel-Air"-Zeiten - am besten kann: lustig sein.

Es geht rasant los: Die ersten fünf Minuten von "Focus" sind noch nicht vorbei, da hat man bereits die erste Knutschszene, das erste Verwechslungsspiel und einen bewaffneten Überfall gesehen. Will Smith spielt dabei den cleveren Meisterdieb Nicky, der ein Team von Taschendieben anführt und davon ziemlich gut lebt. Als die attraktive Jess (Margot Robbie) recht ungeschickt versucht ihn auszunehmen, beschließt er, sie unter seine Fittiche zu nehmen und in die hohe Kunst der Täuschung einzuführen. Schnell werden die beiden zu einem ziemlich erfolgreichen Gespann - und natürlich dauert es auch nicht lange, bis es gehörig zwischen ihnen knistert. Doch bevor Jess ihm zu nahe kommen kann, serviert Nicky sie eiskalt ab.

Allerdings bringt das Schicksal die beiden drei Jahre später erneut zusammen, und zwar ausgerechnet, als Nicky in Buenos Aires vom skrupellosen Autorennstall-Besitzer Garriga (Rodrigo Santoro) für einen gefährlichen Millionencoup engagiert wird. Die alten Gefühle zwischen ihm und Jess keimen wieder auf. Was folgt, ist ein chaotisches und herrlich absurdes Verwirrspiel, bei dem im Grunde jeder jeden hinters Licht führt und am Ende alles anders kommt, als man gedacht hätte.

Dass die abgehobene Dramaturgie dieses Gaunermärchens etwas hanebüchen ist, lässt sich nicht abstreiten. Trotzdem ist die dritte Regiearbeit des Duos Glenn Ficarra und John Requa ("Crazy, Stupid, Love.") gut gemachte Unterhaltung. Das liegt nicht zuletzt an der Besetzung: Will Smith, der als charmanter und gut gekleideter Manipulator tatsächlich attraktiv wirkt, und die wunderhübsche Margot Robbie ("The Wolf of Wall Street") als freche Diebin bilden ein perfektes Paar, zwischen dem man die Funken förmlich sprühen sieht.

Dass die beiden so wunderbar harmonieren, birgt eine gewisse Ironie, denn ausgerechnet bei der Besetzung des Films gab es vorab enorme Probleme. Nachdem Ryan Gosling und Emma Watson als Hauptdarsteller ausschieden, wurde Brad Pitt gefragt. Er lehnte ab. Anschließend waren Ben Affleck und Kirsten Stewart im Gespräch. Affleck hatte keine Zeit, und als schließlich Will Smith zusagte, machte Kirsten Stewart einen Rückzieher. Dafür, dass niemand in "Focus" mitspielen wollte, steht nun am Ende ein kurzweiliger Film. Und nicht nur Fans des komischen Potenzials von Will Smith können hier auf ihre Kosten kommen, sondern vielleicht sogar Menschen, die beim Genre "romantische Komödie" normalerweise sofort Ausschlag kriegen.

Quelle: teleschau - der mediendienst