"Taxi" gewinnt den Goldenen Bären 2015

"Taxi" gewinnt den Goldenen Bären 2015





Berlinale-Jury vergibt den Hauptpreis an iranischen Regimekritiker

Politische Zeichen gehören zur Tradition der Berlinale: Der Goldene Bär 2015 fährt im "Taxi" durch Teheran. Die internationale Jury unter Vorsitz von Darren Aronofsky bezeichnete den semidokumentarischen Film als "Liebeserklärung an das Kino". Regisseur Jafar Panahi hatte ihn trotz Berufsverbot gedreht: Weil er unter Hausarrest steht, konnte der Filmemacher nicht nach Berlin reisen. Den Goldenen Bären für "Taxi" nahm seine Nichte unter Tränen entgegen. Für die deutschen Beiträge im Wettbewerb der 65. Internationalen Filmfestspiele Berlin gab es immerhin einen Silbernen Bären: Der Däne Sturla Brandth Grøvlen gewann ihn für die Kameraarbeit in Sebastian Schippers in einer einzigen Einstellung gedrehten Nacht-Odyssee "Victoria".

Keine Frage: "Taxi" ist ein guter Gewinner, ein wichtiger Gewinner. Die Jury, zu der auch der deutsche Schauspieler Daniel Brühl gehört, setzt damit ein Zeichen in Zeiten, in denen die freie Meinungsäußerung und damit auch die künstlerische Freiheit bedroht sind, wie selten zuvor. Jafar Panahi drehte den Film gewissermaßen unter Einsatz seines Lebens, und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund: Als Taxifahrer in Teheran unterhält er sich mit seinen Fahrgästen über das, was schief läuft im Iran. Das ist ungeschminkt und ehrlich, ein bedeutsames Stück Kino. So bedeutsam, dass die Festivalkopie heimlich nach Berlin geschmuggelt werden musste.

Auch ein Großteil der Silbernen Bären ging an Filme, die etwas wagten, die Missstände anprangern. Den Großen Preis vergab die Jury an das chilenische Drama "El Club". Regisseur Pablo Larraín lässt darin die schwarzen Schafe der katholischen Kirche, einem Club von Kinderschändern, die gerechte Strafe widerfahren. Mit Patricio Guzmán gewann ein weiterer Chilene einen Silbernen Bären: Die Jury zeichnete sein Drehbuch des Dokumentarfilms "Der Perlmuttknopf" ("El botón de nácar") aus, das die blutige Geschichte Chiles in poetische Bilder verpackt.

Das Frauendrama "Ixcanul" aus dem erstmals auf der Berlinale vertretenen Guatemala gewann den Alfred-Bauer-Preis für Filme, die dem Kino neue Perspektiven eröffnen. Jayro Bustamante erzählt von einem Maya-Mädchen, das sich in einem Labyrinth aus Liebe, Traditionen, Hoffnung und Ungnade zurechtfinden muss. Den Silbernen Bären für die beste Regie ging ex aequo an den Rumänen Radu Jude für seinen schwarz-weißen Balkan-Western "Aferim!" und die Polin Malgorzata Szumowska, die sich in "Body" mit verstörendem Humor einer verwahrlosten Magersüchtigen annimmt.

Die britischen Kinoikonen Charlotte Rampling und Tom Courtenay wurden als beste Darsteller bei der Berlinale 2015 ausgezeichnet. Sie spielen in dem leisen, aber kraftvollen Drama "45 Years" ein altes Ehepaar. In der Woche vor einer Jubiläumsfeier fragen sich beide, was sie eigentlich voneinander wissen.

Quelle: teleschau - der mediendienst