Bob Odenkirk

Bob Odenkirk





"Der Star der Serie ist das Drehbuch"

Etwas müde ist Bob Odenkirk, als er in einem schicken Berliner Hotel zum Interview erscheint. "Jetlag", entschuldigt er sich. So richtig Lust auf das Gespräch scheint der 52-jährige Komiker nicht zu haben. Aber da er muss jetzt durch. Odenkirk hat in "Breaking Bad", dieser unfassbar gehypten Chrystal-Meth-Serie, den Anwalt Saul Goodman gespielt, der dem zum Drogenkönig aufgestiegenen Chemielehrer Walte White (Bryan Cranston) mit schmierigen Tricks aus diversen Patschen half. Jetzt ist er der Star einer eigenen Serie. Die ersten beiden grandiosen Folgen von "Better Call Saul" sind bereits beim Streamingdienst Netflix verfügbar, bis April kommt jeden Dienstag eine neue hinzu. Das Prequel spielt sieben Jahre vor "Breaking Bad" und erzählt von den Anfängen des Winkeladvokaten, der damals noch Jimmy McGill hieß und sich erst einen Namen machen musste. Was für den zweifachen Emmy-Preisträger Odenkirk natürlich schon lange nicht mehr zutrifft.

Bob Odenkirk: Ist das Eis da in dem kleinen Eimerchen?

teleschau: Ja. Darf ich Sie bedienen?

Odenkirk: Wenn ich Sie zurück bedienen darf. Ich war ja mal Kellner ...

teleschau: Beginnen so die großen Karrieren in Hollywood?

Odenkirk: Ich musste jedenfalls nie, wie viele andere, einen Schauspieljob annehmen, weil es wirtschaftlich notwendig war. Ich habe schon eine recht erfolgreiche Karriere als Comedy-Autor und immerhin schon zwei Emmys gewonnen. Ich nutze jede freie Minute, um zu schreiben - Sketche, Comedy, Drehbücher. Im letzten Jahr veröffentlichte ich ein Buch mit Kurzgeschichten. Meinen Lebensunterhalt verdiene ich außerdem auch als Produzent. Ich schauspielerte immer nur nebenbei, erst seit "Breaking Bad" ist das mehr geworden.

teleschau: Finden Sie eigentlich, dass Jimmy McGill ein guter Anwalt ist?

Odenkirk: Er kennt die juristischen Grundlagen und kann vieles außergerichtlich regeln. So wie es ja auch in der Realität ist. Dafür braucht er Verhandlungsgeschick und rhetorische Fähigkeiten: Beides hat Jimmy McGill auf jeden Fall. Deswegen sagen die meisten Leute: Ja, er ist ein ganz guter Anwalt. Ich bin aber nicht so sicher: Der Mann steckt ständig in Schwierigkeiten, und alles, was er tut, hat irgendwelche Konsequenzen, die er nicht vorhergesehen hatte.

teleschau: Wie groß war der Druck, das Spin-Off einer der beliebtesten Serien der letzten Jahre als Hauptdarsteller zu übernehmen?

Odenkirk: Ich habe es erst mal nur unter dem Arbeitsaspekt gesehen: Es gibt einfach mehr zu tun. Allein der ganze PR-Rummel! Und: Mein Gesicht ist überall plakatiert. Ich weiß aber immer noch nicht, was es bedeutet, ein Star zu sein. So riesig sind die Unterschiede nicht, zu dem was ich bisher machte. Ich bin seit 22 Jahren in Hollywood, ein paar Freunde sind berühmte Filmstars geworden. Ich kenne das also alles.

teleschau: Ist wirklich alles beim Alten geblieben?

Odenkirk: Okay, ich mag das Ausmaß etwas unterschätzt haben. Aber es gibt eben diesen kleinen Bob in mir, der partout darauf besteht, dass sich mein Leben nicht ändert, nur weil ich mehr Dialogzeilen sprechen muss. Natürlich weiß ich, dass "Better Call Saul" eine riesige Chance für mich ist und dass ich echt Glück habe mit diesen großartigen Autoren. Denn der Star der Serie ist eigentlich das Drehbuch.

teleschau: Hatten Sie keine Angst, die Fans zu enttäuschen, die eine Serie erwarten, die mindestens genauso gut ist, wie "Breaking Bad", vielleicht sogar besser?

Odenkirk: So gut wie "Breaking Bad"? Come on! Das geht nicht. Wenn wir Glück haben, werden wir fast so gut. "Breaking Bad" war die richtige Serie zur richtigen Zeit. Es passten einfach viele Dinge zusammen, durch die die Serie außergewöhnlich wurde. Ich würde schon zufrieden sein, wenn "Better Call Saul" nah an das Prädikat "großartig" ran kommt. Das entscheiden aber die Zuschauer. Geben Sie uns etwas Zeit. Zehn Episoden sind abgedreht, eine zweite Staffel ist bestellt. Da geht's nur noch um Details: Die Autoren wollen zehn neue Folgen, das Studio hätte gern 13.

teleschau: Sie waren lange bei "Saturday Night Live": Bringen Sie Ihre Erfahrung mit ein und machen Veränderungsvorschläge bei den Scripts?

Odenkirk: Selten bis nie. Bei vielen anderen Filmen und Serien machte ich schon ein paar Änderungen. Aber nicht hier. Jede Zeile erfüllt einen Zweck. Für mich ist die Herausforderung, dass ich jedes Wort genauso sage, wie es im Text steht und dabei ganz natürlich klinge. Das ist nicht einfach, kann ich ihnen sagen. Aber wenn ich fragen würde, könnte mir Vince Gilligan immer erklären, warum ich welche Wörter benutzen muss. Da geht's um Feinheiten, die vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt für den Fortgang der Handlung wichtig sind. In einer Comedy-Serie kann man viel am Script machen, man wird sogar dazu ermutigt. Aber nicht in einem Drama.

teleschau: Dabei hat "Better Call Saul" viele witzige Momente ...

Odenkirk: Das mag sein. Aber das sehen erst Sie jetzt, wo die Serie fertig ist. Ich hingegen dachte mir nach vielen Szenen am Set: Oh Mann, das ist alles viel zu ernst. Meine Figur, die ich sehr ernst nehme, erlebt viele dramatische und beängstigende Situationen. Ich hatte allerdings vergessen, wie lustig es ist, ihm von außen zuzusehen, wie er sich immer wieder aus neuem Schlamassel befreien muss.

Quelle: teleschau - der mediendienst