Titus Welliver

Titus Welliver





"Ich bin ein wenig zu direkt"

Titus Welliver ist Harry Bosch, Hauptfigur der gleichnamigen Amazon Originals Serie, die als reines Video on Demand-Produkt am 13. Februar auch in Deutschland und Österreich in der Original-Fassung startet (die Synchronisierung kommt im September). Der 53-Jährige US-Schauspieler ("Akte X", "Navy CIS", "The Mentalist") spielt in "Bosch" (nach den Bestseller-Romanen von Michael Connelly) den angstfreien Ermittler Harry Bosch in Los Angeles, der sich mit den übelsten Kriminellen der Stadt konfrontiert sieht. Ein Gespräch mit Welliver, der beinahe selbst Polizist geworden wäre, über Schauspiel als Mittel zum Zweck, Mut in der richtigen Situation, Glaube als Schutz, Gemeinsamkeiten mit dem LAPD-Detective Bosch und eine Rolle wie eine gut sitzende Lederjacke.

teleschau: Mr. Welliver, es heißt, Sie hätten als junger Mann in New York City mit dem Gedanken gespielt, Polizist zu werden. Was hat Sie damals daran gereizt?

Titus Welliver: Es waren vor allem meine Freunde, die bei der Polizei arbeiteten, die auf diese Idee kamen. Ich war schon als Schauspieler tätig, und sie meinten: "Du hast die Fähigkeiten, verschiedene Charaktere darzustellen, deine Stimme zu verstellen, bestimmte Akzente anzunehmen - du wärst ein toller Cop!"

teleschau: Sie meinen, Undercover-Cop.

Welliver: Auch das. Bei der Polizei ist ja allgemein ein gewisses schauspielerisches Talent gefragt, man denke nur an das berühmte "Guter Cop, böser Cop"-Spielchen. Wenn man zum Beispiel Verdächtige verhört, muss man in der Lage sein, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen, und gleichzeitig immer bereit, auf alles passend zu reagieren. Schauspiel ist bei der Polizei also ausdrücklich erlaubt - so lange es der Wahrheitsfindung dient.

teleschau: Wären Sie ein so schlauer und mutiger Polizist gewesen wie Harry Bosch?

Welliver: Hmm, gute Frage. Ich wünschte, ich hätte so sein können wie er. Ob man aber wirklich gut ist als Polizist, merkt man wahrscheinlich erst, wenn man bestimmte Dinge erlebt und sich in Situationen befindet, die einiges von einem abverlangen. Fest steht: Polizisten haben einen extrem schwierigen Job. Was Kriminalität angeht, leben wir heute ja in einer sehr viel schlechteren, gefährlicheren Welt als noch vor einigen Jahren.

teleschau: Was Bosch besonders auszeichnet, ist seine Furchtlosigkeit ...

Welliver: Sagen wir es mal so: Wenn es darum geht, mich und meine Liebsten zu schützen, bin ich sehr angstlos und mutig. Wenn es aber heißt, allein in eine dunkle Gasse zu gehen, um einen bewaffneten Verbrecher zu fangen, weiß ich nicht, ob ich das wirklich tun würde (lacht). Wahrscheinlich nur dann, wenn ich selbst auch bewaffnet wäre. Das würde die Situation etwas ausgeglichener gestalten.

teleschau: In einer Episode sagt ein Arzt zu Bosch: "Es muss hart sein, Sie zu sein." Finden Sie Boschs Leben auch hart? Oder vor allem spannend?

Welliver: Sein Leben ist schon hart. Bosch hat es täglich mit den Schlimmsten der Schlimmen zu tun. Das kann er nur dank seiner ausgeprägten Spiritualität aushalten. Er glaubt fest daran, dass er nur dieses eine Leben hat, in dem er deshalb auch so viel wie möglich schaffen und erleben will. Diese Einstellung hilft ihm ungemein, und sie bietet ihm zudem einen gewissen Schutz in Gefahrenmomenten. Bosch passt schon auch gut auf sich auf.

teleschau: Er hat jedoch auch eine scheinbar endlose Mission. Er lebt, um zu arbeiten. Kennen Sie das persönlich?

Welliver: Ich habe eine Frau und drei Kinder, und für diese Menschen will und muss ich viel arbeiten, ich möchte ihnen ja ein gutes Leben ermöglichen. Was mich persönlich betrifft, gibt mir meine Arbeit aber auch viel Kraft, und das nicht nur auf künstlerischer, sondern ebenso auf menschlicher Ebene.

teleschau: Können Sie eigentlich von jetzt auf gleich Harry Bosch sein? Oder benötigen Sie dafür eine Anlaufzeit und Stimmung?

Welliver: Es gibt ein paar Gemeinsamkeiten, die Bosch und ich haben, und die es mir erleichtern, jederzeit in seine Rolle zu schlüpfen und sie auch genauso leicht wieder abzulegen.

teleschau: Welche Gemeinsamkeiten sind das?

Welliver: Genau wie Bosch bin ich nicht sehr politisch interessiert. Ich umgebe mich nicht mit Dummköpfen. Und ich bin ab und an ein wenig unbeherrscht. Und wenn Sie zudem meine Familie und Freunde fragen, werden die Ihnen erzählen, dass ich niemand bin, der lange darüber nachdenkt, was er sagt. Vielleicht bin ich ein wenig zu direkt. Das alles verbindet mich mit Bosch, und es hilft mir, er zu sein. Es ist dann wie mit meiner Lieblingslederjacke: Ich fühle mich einfach wohl, sobald ich sie trage.

teleschau: "Bosch" ist nun über den Amazon-Service "Video on Demand" zu sehen. Nutzen Sie den selbst?

Welliver: Ja, und zwar ständig.

Quelle: teleschau - der mediendienst