Silke Bodenbender

Silke Bodenbender





"Ich spiele wie in Trance"

Silke Bodenbender spielt selten seichte Rollen. Das ist in "Die Seelen im Feuer" (Montag, 2. März, 20.15 Uhr, ZDF) nicht anders. Die 41-jährige Wahl-Berlinerin verkörpert in Urs Eggers finsterem Historien-Drama nach dem gleichnamigen Roman von Sabine Weigand Johanna Wolff, eine Frau, die im Spätmittelalter der Hexerei bezichtigt wird. Die Rolle verlangte ihr einiges ab, auch körperlich. Denn als Hexe "besagt", wird Johanna in den Kerker geworfen, gefoltert und misshandelt. Im Interview schildert Silke Bodenbender, wie es war, diese harten Szenen zu drehen, und warum sie selbst kein Mittelalter-Fan ist.

teleschau: Frau Bodenbender, wussten Sie, dass angeblich in den letzten 50 Jahren weltweit mehr Menschen wegen Hexerei verfolgt und hingerichtet wurden, als während der Hexenverfolgung im europäischen Mittelalter?

Silke Bodenbender: Ja, das habe ich auch gelesen und finde es wirklich erschreckend, dass in Teilen von Afrika und Asien noch immer Menschen als Hexen verfolgt werden!

teleschau: "Die Seelen im Feuer" ist ein harter Film. Warum sollte sich der Zuschauer das antun?

Bodenbender: Weil es immer wichtig ist, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Auch bei so einem Thema. Wer zart besaitet ist, sollte bei den Folterszenen vielleicht lieber wegschauen! Ich mag historische Filme aber sehr, vor allem, wenn sie einen Bezug zur Gegenwart haben.

teleschau: Wo sehen Sie bei "Die Seelen im Feuer" diesen Bezug?

Bodenbender: Damals haben die Menschen viel von dem, was um sie herum passiert ist, nicht verstanden und sie haben für ihre wirtschaftliche Not oder Krankheiten Sündenböcke gesucht. Dazu gibt es heute Parallelen: Wieder befindet sich die Welt in einem epochalen Umbruch und Menschen sind verunsichert. Alles wird komplexer, und wie damals werden auch heute pauschale Schuldzuweisungen gemacht oder Einzelne stigmatisiert. Aber es ist natürlich schwer, aus heutiger Sicht den sehr starken Glauben an den Teufel, den die Menschen im Mittelalter hatten, nachzuvollziehen.

teleschau: Ist auch Ihre Figur, Johanna Wolff, schwer nachzuvollziehen? Sogar als man sie selbst der Hexerei bezichtigt, glaubt sie noch an Hexen!

Bodenbender: Johanna handelt nicht irrational. An den Teufel und an Hexen hat damals fast jeder geglaubt. Spannend an der Figur der Johanna finde ich, dass sie auf der einen Seite eine fachlich gebildete Frau ist, die im Denken recht aufgeklärt wirkt, und auf der anderen Seite doch noch sehr im Glauben der damaligen Zeit gefangen ist. Diese Zerrissenheit hat mich berührt. An ihr sieht man im Kleinen, welche Umbrüche in jener Zeit im Großen passierten.

teleschau: Wie gläubig sind Sie selbst?

Bodenbender: Ich bin nicht gläubig. Ich wurde von meinen Eltern nicht getauft und auch nicht gläubig erzogen. Als ich 13 Jahre alt war, habe ich mich trotzdem protestantisch taufen lassen - weil ich mit meinen Freunden in den Konfirmationsunterricht gehen wollte. Wir hatten einen tollen Pfarrer, der uns viel von der Welt erzählt hat. Das waren menschliche Themen, die mich bewegt haben. Später bin ich dann aber wieder aus der Kirche ausgetreten.

teleschau: Die Rolle der Johanna ist fiktiv, den Hexenwahn in Bamberg hat es aber wirklich gegeben. Wie gehen Sie an eine solche historische Rolle heran?

Bodenbender: Wenn ich beispielsweise eine Polizistin spiele, dann lasse ich mir erklären, wie Polizisten so arbeiten. Bei Hexen geht das natürlich nicht! (lacht) Aber ich habe viel über Hexen und die damalige Zeit gelesen, natürlich auch den tollen Roman " Seelen im Feuer" von Sabine Weigand, auf dem der Film basiert. Letztendlich sind aber viele Themen, um die es in dem Film geht - wie etwa Liebe und Verrat - zeitlos.

teleschau: War es für Sie schwer, die Folterszenen im Film zu spielen?

Bodenbender: Natürlich mache ich mir vor dem Dreh solcher Szenen viele Gedanken. Wenn ich dann aber spiele, bin ich wie in Trance. Erst wenn ich den Film sehe, bewerte ich mein Spiel und lasse mich dabei nicht von mir selbst berühren, sondern schaue einfach nur auf fachliche Fehler.

teleschau: Wie war es für Sie, für den Dreh von "Die Seelen im Feuer" ins Mittelalter einzutauchen?

Bodenbender: Es war toll, in Bamberg zu drehen und all die historischen Orte zu sehen. Und es hat großen Spaß gemacht, in die mittelalterlichen Kostümen zu schlüpfen! Aber generell bin ich kein Mittelalter-Fan und kann es auch nicht nachvollziehen, dass sich viele Menschen so für diese Zeit begeistern - denn leben möchte ich im Mittelalter nicht! Ich bin dankbar, heute und hier zu leben: in einer Demokratie, in der Frauen weitgehend gleichberechtigt sind und Wissenschaft über dem Glauben steht. Außerdem möchte ich natürlich auf viele moderne Errungenschaften nicht verzichten.

teleschau: Sie haben einen fünfjährigen Sohn und haben im Oktober eine Tochter bekommen. Wie wirkt es sich auf Ihre Arbeit aus, zweifache Mutter zu sein?

Bodenbender: In Bezug auf die Arbeit macht es keinen großen Unterschied, ob man ein Kind hat oder zwei. Aber vor allem das Theaterspielen ist schwierig, wenn man Mutter ist, da man hier sehr lange Zeit beschäftigt ist und viel proben muss. Meine letzte Theaterrolle, die Lady Macbeth, liegt nun schon mehrere Jahre zurück. Das Theater fehlt mir wirklich sehr!

teleschau: Sie sind als Kind ohne Fernseher aufgewachsen? Dürfen Ihre Kinder jetzt fernsehen?

Bodenbender: Mein Sohn darf nur sehr begrenzt fernsehen. Nicht unter der Woche, nicht länger als 20 Minuten und nur Sendungen, die meiner Meinung nach kindgerecht sind. Er liebt den "Pumuckl", aber noch lieber geht er mit mir ins Kindertheater.

teleschau: Das hat er wohl von seiner Mutter!

Bodenbender: Ja, und ich habe diese Leidenschaft von meinen Eltern, die mit mir häufig ins Theater gingen, als ich noch klein war.

teleschau: Sie spielen sehr oft in ernsten Rollen. Haben Sie keine Lust auf etwas Leichteres?

Bodenbender: Ich habe wahnsinnig Lust auf eine gute Komödie. Aber bislang hat mich leider noch kein Drehbuch erreicht, das meinen Humor getroffen hat. Ich mag skurrile Komödien, wie etwa "Schwarze Katze, weißer Kater" von Emir Kusturica. Ich bin kein Fan von seichten Komödien und entscheide immer sehr genau, welche Rolle ich annehme. Und irgendwie lande ich dabei immer wieder im ernsten Fach!

Quelle: teleschau - der mediendienst