Bestefreunde

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Gute Freunde kann niemand trennen?

Kleine Budgets, gute Unterhaltung: Regisseur Jonas Grosch darf als eines der größten Talente des jungen deutschen Films gelten. Der Absolvent der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam und Bruder von Katharina Wackernagel drehte Dokumentationen über die Ska-Band The Busters und die eigene (Schauspieler-)Familie, untersuchte die Widerstandskraft der Praktikantengeneration ("Résiste - Aufstand der Praktikanten"), bevor er sich dem Betrügen in der Beziehung ("Die letzte Lüge") zuwandte. Nun wollte der 33-Jährige wissen, was "Bestefreunde" zusammenhält - oder eben nicht.

Seine Schreibweise ist naheliegend, denn natürlich muss man "Bestefreunde" zusammenschreiben. Es ist ein Wort, das keinen Leerraum, keine dritte Person zulässt. Freundschaft ist mehr als Liebe und all die anderen kurzweiligen Vergnügungen, so stellt Jonas Grosch zumindest seine beiden Protagonisten vor. Blogger Mark (Sebastian Schwarz) und die Fotografin Susi Q (Katharina Wackernagel) sind ein gutes Team, wenn sie zusammen reisen und darüber schreiben.

Sie kennen sich seit der Schule und wenn es nach Mark ginge, wären sie noch unzertrennlicher. Doch Susi Q, das musste er irgendwann einsehen, steht auf Frauen. Aber als beste Freunde leben sie ein gemeinsames Leben, so unstet wie die Wackelkamera. Ihre Reisen standen für Aufruhr, für Bewegung und Neues. In Berlin wollten sie wie immer nur kurz Station machen, um dann nach Südamerika aufzubrechen, ihrem nächsten Ziel. Dass es mit der Finanzierung schwierig zu werden scheint, ist zwar ein Problem, doch nicht das herausragende. Mark hat jemanden kennengelernt. Er ist verliebt, sagt er. Die blonde Vivian (Tina Amon Amonsen) und Susi Q werden nicht die besten Freunde. Denn Mark hat sich verändert, und ihre Zukunftspläne sind von der neuen Beziehung betroffen.

Nach kurzen Exkursen über Journalismus und die Überlebenschancen von Kreativschaffenden streift Grosch noch die Berliner Sanierungsmisere, bis er wieder zum eigentlichen Thema seines Films zurückkehrt. Aus Susi und Mark ist plötzlich Vivian und Mark geworden, an die Stelle der Vertrautheit der Freunde tritt die Verliebtheit des Paares. Der Kamera entgeht wenig, nicht die dümmlichen Blicke der Turteltauben, nicht der Trotz, den die bisher beste Freundin entwickelt.

Neben grandiosen Nebendarstellern (Niels Bormann als super Kumpel, Robert Beyer als Osteopath) gibt es etliche kleine Momente von großer Schönheit zu sehen. Lange achtet der Regisseur auf die Glaubwürdigkeit seiner Geschichte und Figuren, bis Susi eigenartige Recherchen anzettelt, um die Charakterschwächen der neuen Freundin zu beweisen. Auch ist ihr weiteres Verhalten eigenartig und mindestens ungewöhnlich. Zum Schluss kriegt "Bestefreunde" aber wieder die Kurve. Und das Ende, das Jonas Grosch wählt, zeugt nicht etwa von Ratlosigkeit, sondern von Realismus. Denn danach denkt man darüber nach, ob beste Freunde jederzeit trennbar sind.

Quelle: teleschau - der mediendienst