Kontra K

Kontra K





"Ich mache mich hart"

Er war Teil des HipHop Duos Vollkontakt, nannte sein Solodebüt "Dobermann" und seine letzte EP "Wölfe": Rapper Kontra K inszeniert sich gerne als harter Hund. Und er ist gewillt, sich durchzubeißen: Mit seinem Majorlabel-Debüt "Aus dem Schatten ins Licht" schickt er sich an, in die erfolgreichen Fußstapfen seiner Four-Musik-Label-Kollegen Casper, Marteria und Chakuza zu treten. Mit einem Album, das klingt wie die Einmarschmusik eines ambitionierten Boxers. Genau das will der Berliner auch sein: ein Kämpfer, sportlich wie musikalisch. Im Interview spricht der 27-Jährige darüber, wie ihn Rap und Boxen nach dem frühen Schulabbruch und dem Abdriften in ein schwieriges Umfeld auffingen. Aber auch über Kritik und Hass, Ängste und Träume und seine harte und weiche Seite, die es beide gäbe, die nur nicht jeder zu spüren bekäme.

teleschau: Es scheint, als wäre Ihnen eine Art Anti-Pegida-Soundtrack gelungen. Ahnen Sie, welcher Song auf Ihrem neuen Album gemeint ist?

Kontra K: Nein.

teleschau: In "Hassen ist leicht" heißt es: "Hassen ist leicht, wenn man was nicht versteht."

Kontra K: Stimmt, man könnte das tatsächlich auf das aktuelle Geschehen anwenden. Der Anstoß für den Song war aber ein anderer, nämlich die Musikkritik im Internet. Viele Leute nehmen sich sehr viel raus und schreiben Dinge über einen, hassen einen scheinbar sogar, obwohl sie gar nicht wissen, wer hinter der Musik steckt.

teleschau: Woher, denken Sie, kommt der Hass?

Kontra K: Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich versuchen diese Leute einfach nur, ihr eigenes Scheitern irgendwie zu kompensieren. Sie projizieren ihre Selbstzweifel auf andere.

teleschau: Wie gehen Sie mit derart negativer Kritik um?

Kontra K: Ich komme damit klar, nehme mir das nicht so sehr zu Herzen. Hass ist schließlich auch eine Form von Anerkennung.

teleschau: In einem weiteren neuen Song, "Atme den Regen", geht es scheinbar um Ihren eigenen Hass, wenn Sie sagen: "Ich könnte explodieren vor Hass." Wann war das zuletzt der Fall?

Kontra K: Ich schrieb diesen Song in einer Zeit, als wirklich alles scheiße war. Alles war im Arsch, im Studio wie zu Hause. Es gibt solche Tage, solchen Schatten im Leben. Wird es immer wieder geben. Die Kunst ist es, dabei nicht einzubrechen.

teleschau: Im Song selbst heißt es, der Regen hätte Sie abgekühlt. Was entspannt Sie im wahren Leben?

Kontra K: Schwer zu sagen, denn: Wenn ich explodiere, explodiere ich richtig. Was mir auf jeden Fall hilft, sind kleine Erfolgserlebnisse. Wenn ich Erfolg habe, schaffe ich es eher, die Dinge hinzunehmen, wie sie sind. Allgemein versuche ich in schlechten Momenten, einfach mal rauszugehen, loszulassen, mich freizumachen. Das mit dem Regen ist in diesem Fall buchstäblich gemeint.

teleschau: Seit vielen Jahren boxen Sie. Es heißt, das Boxen habe Sie einst, als Sie mit 16 Jahren die Schule abbrachen, sogar aufgefangen.

Kontra K: Das stimmt. Ich hatte mir damals Hörner wachsen lassen und sie dummerweise nicht abgestoßen. Das Boxen erdete mich wieder. Übers Boxen lernte viele gute Leute kennen und bekam immer wieder Bestätigung. Ich wurde bald sehr ehrgeizig, wollte besser werden, und das nicht nur im Boxen.

teleschau: Anerkennung erhielten Sie nach gewonnen Kämpfen. Wie kamen Sie mit Niederlagen klar?

Kontra K: Wenn man im Ring verliert, ist es ganz anders, als wenn man zum Beispiel ein Fußballspiel verliert. Es liegt dann ausschließlich an einem selbst. Im Einzelkampf erkennt man viel schneller die eigenen Schwächen.

teleschau: Hat Ihre Jugend durchs Boxen eine Wendung genommen?

Kontra K: Zunächst schon, aber es gab diese Zeit, die Jahre zwischen 17 und 19, in denen ich die größten Fehler meines Lebens beging.

teleschau: Inwiefern?

Kontra K: Ich sage es mal so: Ich machte damals Dinge, auf die ich nicht gerade stolz bin. Keine Kavaliersdelikte. Ich verbaute mir viel. Mein Umfeld war nicht gut für mich, viele kamen nach und nach in den Knast.

teleschau: Sie aber nicht.

Kontra K: Ich war zwar überall dabei und machte die ganzen Sachen mit, hatte aber Glück.

teleschau: Wie schafften Sie den Absprung?

Kontra K: Ich fragte mich irgendwann: Was willst du eigentlich in fünf Jahren machen? Wo willst du sein? Wer willst du sein? Und das, was wir damals machten, wollte ich definitiv nicht. Ich wollte weg von der Straße und keine krummen Dinger mehr drehen.

teleschau: War Ihnen bewusst, dass Sie mit Rap eine Karriere haben könnten?

Kontra K: Ich hatte die Musik zu der Zeit eigentlich schon aufgegeben, aber eben nicht damit aufgehört. Das war, speziell aus heutiger Sicht, genau der richtige Weg: einfach nicht aufhören. Und immer dann Vollgas geben, wenn sich mal eine Tür öffnet und Möglichkeiten da sind, etwas zu schaffen.

teleschau: Passend dazu halten Sie in "Erfolg ist kein Glück" fest: "Talent ist nur Übung, und Übung macht den Meister."

Kontra K: Auf Talent allein ist kein Verlass. Wer denkt, er wäre talentiert und müsste weiter nichts tun, wird am Ende des Tages nichts erreichen. Das ist in der Musik genau wie im Boxen: Wer nur auf sein Talent setzt, wird vielleicht seine ersten zehn Kämpfe gewinnen. Es geht aber darum, auch im hundertsten Kampf noch zu bestehen, also dann, wenn es wirklich etwas bringt. Deshalb heißt es, immer hart zu arbeiten.

teleschau: Eines schließen Sie in Ihren Texten immer wieder für sich aus: Angst. Das klingt sehr abgehärtet und kühl, selbst das einzige Liebeslied auf dem Album hat den Titel "Hassliebe". Das wirft die Frage auf: Wann und wem zeigen Sie Ihre weiche Seite?

Kontra K: Ich mag vielleicht wie ein harter Brocken wirken, aber ich habe ein gutes Herz. Für alle, die es schaffen, da rein zu kommen, würde ich leben und sterben. Meine weiche Seite bekommen auf jeden Fall meine Frau und mein Sohn zu spüren. Die Geburt von meinem Sohn vor acht Monaten hat wirklich viel bewirkt.

teleschau: Und wovor haben Sie Angst?

Kontra K: Davor, dass meinem Sohn etwas passiert. Dass ich Entscheidungen treffe, die denen, die ich liebe, in irgendeiner Weise schaden könnten. Generell glaube ich, dass Angst auch ein Antrieb sein kann. Und ein Schutz. Wer keine Angst hat, läuft schnell Gefahr, dass ihm irgendwas passiert.

teleschau: Was tun Sie, wenn Sie Angst haben?

Kontra K: Ich laufe dann nicht wie ein aufgescheuchtes Kaninchen durch die Welt. Ich mache mich einfach hart, strecke die Brust raus, und dann schaue ich einfach, was passiert.

teleschau: Neben den Ängsten sprechen Sie auf dem Album auch Ihre Träume an. Die gäbe es schon lange nicht mehr, sie wären gar verbrannt, sagen Sie. Sie träumen doch aber sicher noch - oder?

Kontra K: Ja, zum Beispiel von einem Haus in der Toskana (lacht). Aber das ist natürlich nicht das Wichtigste für mich im Leben.

teleschau: Was ist das Wichtigste?

Kontra K: Dass es meinen Leuten und mir gut geht. Ich möchte, dass alle um mich herum glücklich und zufrieden sind. Wenn ich noch mehr Platten verkaufe, schaffe ich das. Und das wäre wirklich ein Traum.

teleschau: Klingt fast mütterlich umsorgend.

Kontra K: Ja, denn ganz ehrlich: Was habe ich davon, wenn mein Erfolg nur mir etwas bringt? Wenn alle etwas davon haben, fühle ich mich viel besser, und meine Leute eben auch.

Kontra K auf Deutschland-Tournee:

06.03., Erfurt, Centrum

08.03., München, Backstage Werk

09.03., Nürnberg, Hirsch

15.03., Hannover, Capitol

16.03., Hamburg, Docks

17.03., Bremen, Modernes

22.03., Stuttgart, LKA

23.03., Saarbrücken, Garage

24.03., Köln, Live Music Hall

26.03., Dortmund, FZW

27.03., Wiesbaden, Schlachthof

08.04., Magdeburg, Factory

09.04., Dresden, Reithalle

10.04., Leipzig, Felsenkeller

11.04., Berlin, Huxleys

Quelle: teleschau - der mediendienst