Wolfram Grandezka

Wolfram Grandezka





Einfach nur sein

Seit über zehn Jahren ist Wolfram Grandezka fester Bestandteil der "Verbotene Liebe"-Crew. Doch stetig sinkende Quoten verheißen nichts Gutes für die Serie, die bereits seit zwei Jahrzehnten im Vorabendprogramm der ARD läuft. Letzte Rettungsmaßnahme, mit der die Soap wieder in Fahrt gebracht werden soll: Ab sofort läuft das Format nicht mehr als Daily, sondern nur noch einmal wöchentlich - freitags, 18.50 Uhr. Die erste Weekly-Staffel wird am 27. Februar offiziell starten, bis dahin werden noch einige fertigproduzierte Folgen nach Daily-Machart gezeigt. Dieser Umstand führt zu einer langen, drehfreien Phase und verschafft Wolfram Grandezka ungewohnte Freizeit. Überraschenderweise genießt sie der 45-jährige Saalfelder: Anstatt Existenzängste zu bekommen, nutzt er die Zeit, um zu sich selbst zu finden. Eines weiß er aber schon jetzt: Bevor er ins Dschungelcamp gehen würde oder sich für die Rolle eines "Tatort"-Kommissars bewirbt, geht er lieber auf Reisen oder setzt noch zwei Kinder in die Welt.

teleschau: "Verbotene Liebe" wird vom Daily-Format auf eine wöchentliche Ausstrahlung umgestellt. Die neuen Folgen sind bereits abgedreht. Wie nutzen Sie die monatelange Drehpause?

Wolfram Grandezka: Die freie Zeit ist sehr angenehm, aber auch ungewohnt. Ich habe jetzt endlich die Möglichkeit, Dinge zu machen, für die ich in den vergangen Jahren keine Zeit hatte. Denn einer musste ja bei "Verbotene Liebe" immer der Böse sein. (lacht)

teleschau: Was schwebt Ihnen jetzt vor?

Grandezka: So einiges: Das fängt mit Lesen an, geht über Sport bis hin zum Fotografieren. Es ist auch toll, einfach mal nichts zu tun! Es ist faszinierend, wie schnell ein Tag rumgeht, ohne dass man wirklich was gemacht hat, außer Essen gehen, Musik hören und lesen. (lacht) Vor allem werde ich viel reisen!

teleschau: Wo geht's hin?

Grandezka: Ich war gerade eine Woche auf den Malediven und werde nun nach Kapstadt fliegen. Ich miete mir ein Haus und bin drei Wochen lang dort. Ohne große Planung. Einfach nur sein. So etwas Ähnliches mache ich danach noch mal in den USA. Dort leben, einkaufen gehen, kochen, fotografieren und lesen. Ich habe einen Hartschalenkoffer, in den ich mir zehn Bücher reinpacke plus zwei Hosen und ein Paar Turnschuhe, und ab geht's.

teleschau: Sie genießen also die neugewonnene freie Zeit?

Grandezka: Ja, im Gegensatz zu vielen anderen meiner Kollegen stresse ich mich jetzt nicht. Wir werden sehen, wie und ob es mit "Verbotene Liebe" weitergeht. Bis dahin höre ich in mich hinein und versuche herauszufinden, was ich eigentlich möchte und was mir guttut - unabhängig von allen äußeren Reizen, Angeboten und Verpflichtungen. Das werde ich intensiv in meinem Urlaub machen.

teleschau: Wie war zum Schluss die Stimmung am Set? Freuen sich die Schauspieler auf das neue Format, oder haben die meisten innerlich schon mit der Serie abgeschlossen?

Grandezka: Es gibt zwei Lager: Einige haben abgeschlossen, andere denken positiv. Zudem gibt es aber auch Leute, die jetzt schon wissen: Selbst wenn die Serie fortgesetzt werden sollte, sind sie trotzdem nicht mehr dabei. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es weitergeht, denn die neuen Sachen, die wir jetzt für die Weekly gedreht haben, sind sehr gut.

teleschau: Haben Sie überhaupt Lust, weiterzuspielen oder denken Sie sich: "Die Serie läuft jetzt seit 20 Jahren und ich bin zehn dabei - ist doch ein guter Moment für ein Ende"?

Grandezka: Ich spiele meine Rolle gerne, da sie sehr facettenreich ist. Meine Figur Ansgar ich ja auch sehr beliebt bei den Fans. Wir müssen jetzt einfach abwarten, wie es bei den Zuschauern ankommt. Sollte "VL" weitergehen, werde ich auch weitermachen.

teleschau: Ansonsten muss Ansgar einen spektakulären Serientod sterben.

Grandezka: Das ist nicht auszuschließen.

teleschau: Damit es nicht dazu kommt, rühren Sie doch mal die Werbetrommel: Warum sollte man sich "Verbotene Liebe" ansehen?

Grandezka: Im Gegensatz zu anderen Serien dreht es sich bei uns um Adel, der Geld hat. Wir kreieren eine Traumwelt, in der niemand die Pfandflaschen zurückbringt, sondern man mit dem Privatjet umherfliegt. Der Zuschauer kann so seinem Alltag entfliehen. In Bezug auf meine Figur: Ansgar ist böse. Das ist das Reizvolle - das war schon damals bei Dallas mit "J.R." so: Die Leute sehen gern dabei zu, wie ein Bösewicht Dinge macht, die sie selbst nicht dürfen oder sich nicht trauen. Gleichzeitig hat Ansgar aber auch eine verletzliche Seite, zum Beispiel wenn es um seine Kinder geht.

teleschau: Apropos Kinder: Sie haben ja einen Sohn aus der Ehe mit Nadja Auermann. Der freut sich doch bestimmt, dass Sie nun mehr Zeit haben, oder?

Grandezka: Noch freut er sich. Er ist jetzt 15. In drei Jahren wendet sich bestimmt das Blatt. Dann zieht er lieber mit seinen Freunden um die Häuser, anstatt sich mit mir zu treffen. (lacht)

teleschau: Dann könnten Sie ja noch mal Kinder in die Welt setzen, die Ihre volle Aufmerksamkeit einfordern ...

Grandezka: Ich habe eine Aussage von Wladimir Klitschko gelesen, der ja vor kurzem zum ersten Mal Vater geworden ist, die sich exakt mit meiner Ansicht deckt: "Leute, bekommt Kinder, denn es ist das Schönste, was es gibt!" Deshalb habe ich durchaus vor, mindestens noch zwei zu bekommen. Aber dazu müssen die Umstände stimmen. Man sollte Nachwuchs mit der richtigen Person machen. Denn sonst hat man am Ende zwar Kinder, aber dazu noch jede Menge Generve. (lacht)

teleschau: Welche persönlichen Highlights gab es in Ihren mehr als zehn Jahren "Verbotene Liebe"?

Grandezka: Sehr viele. Eine lustige Szene war, als ich am Klavier sitzen und ein Elton-John-Lied dazu singen musste. Das war grauenhaft, kam aber gut an.

teleschau: Sollte "Verbotene Liebe" eingestellt werden, kommt also keine Platte von Ihnen auf den Markt?

Grandezka: Eine Gesangkarriere ist nicht zu befürchten - da kann ich alle beruhigen! (lacht) Ich finde das immer schlimm, wenn Schauspieler auf einmal singen. Nur, weil man eine Sache kann, heißt das noch lange nicht, dass man für die andere qualifiziert ist. Da sollte man bescheiden und vor allem realistisch bleiben. Dasselbe gilt für Schauspieler, die moderieren und umgekehrt. Das gelingt nur sehr wenigen. Der Einzige, der mir einfällt, ist Joachim Fuchsberger.

teleschau: Mit einer zukünftigen Teilnahme am RTL-Dschungelcamp müssen wir bei Ihnen auch nicht rechnen, oder?

Grandezka: (lacht) Stimmt. Diese Sendung basiert auf der Gehässigkeit der Zuschauer. Oder was sonst bewegt sie dazu, sich die Show anzusehen? Wenn da wenigstens echte Promis drin wären, wäre das vielleicht spannend, aber so? Ich kann mir das genauso wenig anschauen, wie die ganzen Casting-Shows. Irgendwie habe ich Mitleid mit den Teilnehmern.

teleschau: Haben Sie neue Projekte in Aussicht?

Grandezka: Ich habe neue Angebote, mit denen ich auch problemlos die Zeit füllen könnte, bis die Dreharbeiten von VL gegebenenfalls wieder losgehen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich Lust habe, schon wieder weiterzuarbeiten oder nicht doch lieber noch ein bisschen Pause mache. Denn seitdem ich jetzt ein paar Wochen frei hatte, fällt mir erst richtig auf, wie anstrengend der Dauerbetrieb bei VL war. Da gewöhnt man sich Routinen an, um den Stress zu überstehen, die auch nicht so gesund sind. Zum Beispiel schläft man viel zu wenig. Man muss mit seiner Energie auch haushalten. Deshalb überlege ich mir momentan, wie es möglich sein könnte, eine Balance zu finden zwischen dem, was man gerne macht - also in meinem Fall die Schauspielerei - und dem, was getan werden muss, um fit zu bleiben.

teleschau: Sie meinen, man lebt nur einmal?

Grandezka: Auf jeden Fall! Man sollte einfach irgendwo hingehen, wo kein Stress den Alltag bestimmt und versuchen, seine Zeit mit Dingen zu füllen, die einem guttun. Die meisten Menschen finden sich einfach mit einem stressigen Alltag ab und überlegen gar nicht, ob und wie sie das ändern könnten. Das wird einfach akzeptiert. Mir ist das auch gerade wieder aufgefallen, als ich aus meinem Malediven-Urlaub zurückkam: Die Leute hier sind so aggressiv. Hier in Deutschland fehlt aber auch einfach die Sonne. Die ändert so viel. Ich habe mal für drei Jahre in Monaco gelebt, und es ist einfach etwas ganz anderes, wenn du rausgehst und selbst im Winter der Himmel blau ist, die Sonne lacht und du das Meer sehen kannst. Orte, die sich am Meer befinden, öffnen einem einfach das Herz. Dort herrscht ein ganz anderes Lebensgefühl. Es hat mich schon immer gereizt, irgendwo am Wasser zu leben, zum Beispiel in einer italienischen Hafenstadt wie Genua.

teleschau: Was spricht denn dagegen, sich einfach mal eine Auszeit zu nehmen? So lange Sie es sich finanziell erlauben können, müssen Sie doch nicht zwingend neue Projekte annehmen.

Grandezka: Es gibt so viele Leute, die mir raten, neue Projekte anzunehmen, um die Karriere voranzutreiben. Aber was bringt einem das dann am Ende wirklich? Außerdem riskiert man bei dem Pensum auch, krank zu werden. Will man das in Kauf nehmen? Ist das wirklich so wichtig? Ich bin jetzt auch nicht der Ehrgeiz in Person. Ich mache meine Arbeit gerne, aber ich habe in der deutschen Fernsehlandschaft keine hochgesteckten Ziele mehr. Früher war es vielleicht noch eine Ehre, "Tatort"-Kommissar zu sein. Mittlerweile gibt es so viele, dass das auch nichts mehr Besonderes ist. Einige Folgen sind so schlecht, dass man es sich nicht anschauen kann. War nicht sogar einer von denen im Dschungelcamp letztes Jahr? Also da finde ich es wesentlich erstrebenswerter, noch zwei Kinder zu kriegen! (lacht)

Quelle: teleschau - der mediendienst