Aglaia Szyszkowitz

Aglaia Szyszkowitz





"Ich bin ein totaler Lustmensch"

Aglaia Szyszkowitz hat hohe Ansprüche: als Mutter und als Schauspielerin. Beides verkörpert die 47-Jährige nun in ihrer Rolle als leicht überforderte, aber liebende Mutter im ARD-Fernsehfilm "Der Kotzbrocken" (Freitag, 20. Februar, 20.15 Uhr, Das Erste). Alleinerziehend versucht sie darin, das Beste für ihre Kinder zu erreichen. Und sucht erst danach das eigene Glück. Wir sprachen mit dem vielbeschäftigten Star über familiäre Zufriedenheit, Erziehungsregeln und Vorbildfunktionen, aber auch über ihre Lust an der Lockerheit.

teleschau: Frau Szyszkowitz, das Jahr ist noch jung. Was haben Sie 2015 vor?

Aglaia Szyszkowitz: Ich habe mir vorgenommen, mich noch mal in einer anderen Art und Weise um meine Kinder zu kümmern.

teleschau: Inwiefern?

Szyszkowitz: Wenn ich arbeite, arbeite ich sehr intensiv. In diesen Phasen gelingt mir das Umschalten zum Familienleben oft nicht so gut. Es war leichter, als die Kinder noch klein waren, weil sie einen damals noch aufgefordert haben, bestimmte Dinge mit ihnen zu tun. Als sie größer wurden - das kennen sicher alle Eltern - konnten sie sich plötzlich mit sich selbst beschäftigen. Und so bekommen dann beide Seiten weniger voneinander mit. Das möchte ich ändern.

teleschau: Sie haben zwei Söhne, 11 und 16 Jahre alt. Kommen Sie gut an die Kinder heran?

Szyszkowitz: Das ist eine Herausforderung, vor allem in diesen wertvollen Jahren zwischen 10 und 18. Mein älterer Sohn ist gerade für ein halbes Jahr als Schüler in Spanien. Immer wenn ich ihn anrufe, sagt er: "Och, Mama, muss das jetzt sein?" (lacht) Muss es natürlich nicht. Aber grundsätzlich habe ich mir eben vorgenommen, mehr von den beiden mitzubekommen und sie auch an meinem Leben mehr teilhaben zu lassen.

teleschau: Viele Teenager zieht es für einen Auslandsaufenthalt weg von zu Hause. Finden Sie das verfrüht, oder sehen Sie nur das Positive?

Szyszkowitz: Ich finde es gut, wenn Kinder im Alter meines älteren Sohnes für ein halbes oder ganzes Jahr ins Ausland gehen. Für meinen Sohn ist das eine sehr wertvolle Erfahrung.

teleschau: Und für Sie? Können Sie loslassen?

Szyszkowitz: Das kann ich tatsächlich ganz gut.

teleschau: Sie erscheinen sehr reflektiert in Beziehungsangelegenheiten. Sind Sie generell jemand, der sich viel hinterfragt? Der sich vielleicht auch immer optimieren möchte?

Szyszkowitz: Ja, das kann man durchaus so sagen. Positiv ausgedrückt bin ich wohl jemand, der sehr kämpferisch versucht, Dinge, die er nicht voll und ganz gut findet, zu verändern.

teleschau: Haben Sie ein Beispiel?

Szyszkowitz: Jede Woche will ich mindestens ein Gespräch mit meinem Mann darüber führen, was wir noch in unserer Beziehung verbessern können. Das macht ihn immer halb wahnsinnig (lacht). Und auch mit meinen Kindern spreche ich viel. Mag vielleicht an meinem Alter liegen.

teleschau: Nur am Alter?

Szyszkowitz: Vielleicht auch daran, dass ich so wenig Zeit mit vielen mir wichtigen Menschen verbringen kann, aufgrund meines Jobs. Und wenn ich Zeit habe, möchte ich sie wohl so gut wie möglich nutzen.

teleschau: Privat sehen Sie immer Verbesserungsmöglichkeiten - und beruflich? Haben Sie dort auch einen "Höher-Schneller-Weiter"-Drang?

Szyszkowitz: Ja, ich sehe einfach immer und überall Chancen, etwas zum Besseren zu verändern. Aber es gibt natürlich auch Momente, privat wie beruflich, in denen ich einfach nur zufrieden bin. Ich finde schon auch meine Ruhe.

teleschau: Wann waren Sie zuletzt richtig zufrieden?

Szyszkowitz: Erst kürzlich, an meinem Geburtstag.

teleschau: Wie haben Sie den verbracht?

Szyszkowitz: Wir haben reingefeiert. Mit der Familie und einigen Kollegen standen wir abends in Tirol rund um eine Feuerschale und haben mehrstimmig gesungen. Das fand ich wahnsinnig schön. Später bin ich mit dem Zug nach Wien gefahren, wo ich nach und nach Freunde und Kollegen getroffen habe. Wir haben gut gegessen und getrunken, hatten einfach einen wunderbaren Tag.

teleschau: Denken Sie - wie ihre Rolle in "Der Kotzbrocken" - meist erst mal daran, ob Ihre Kinder zufrieden sind und stellen sich selbst hinten an?

Szyszkowitz: Das ist so, ja. Diese Art zu denken kennt wohl jede Mutter, ich natürlich auch.

teleschau: Wann haben Sie sich zuletzt erst mal um die Jungs gekümmert, anstatt an sich zu denken?

Szyszkowitz: Weihnachten bin ich zu meinem Sohn nach Valencia geflogen. Ich war sehr krank, mir ging es wirklich nicht gut. Zudem kam die Überforderung: Ich hatte einfach ein anstrengendes Jahr. Ich wollte wirklich nichts lieber, als ins Bett. Trotzdem bin ich geflogen. Aus Liebe. Ich wollte meinen Sohn nicht enttäuschen.

teleschau: Sie sprechen von Überforderung. Wie gehen Sie damit um?

Szyszkowitz: Wenn ich überfordert bin, teile ich mich auch mit. Allein um meinem Umfeld verständlich zu machen, weshalb ich manchmal vielleicht ein wenig ungeduldiger und anstrengender bin als sonst. Ich kommuniziere grundsätzlich meine Gefühlslage. Das habe ich in meiner Psychotherapeutenfamilie so gelernt. Bei uns galt immer, dass man nichts runter schluckt und andere nicht im Ungewissen lässt.

teleschau: Wie finden Ihre Kinder so viel Kommunikation?

Szyszkowitz: (lacht) Sicher, ich rede viel zu Hause, aber ich habe einen Mann, der eher zurückhaltend ist, und so kennen die Kinder beides.

teleschau: Und wie muss man sich die Beziehungsgespräche mit Ihrem Mann vorstellen? Immer mittwochabends am Küchentisch?

Szyszkowitz: Nein, ich fordere meinen Mann zwar immer wieder zu Gesprächen auf, aber die können wir auch führen, wenn wir zusammen etwas unternehmen. Und das machen wir oft und gerne: Spazieren, Wandern, Skifahren - wir machen wirklich viel zusammen. Wir sind einfach kein Paar, dass erst abends im Wohnzimmer zusammenkommt. Wenn wir uns dort treffen, wollen wir eigentlich nur noch unsere Ruhe (lacht).

teleschau: Die Filmmutter, die Sie in "Der Kotzbrocken" spielen, hat bei all ihren Aufgaben und Ansprüchen selten Zeit für Entspannung. Was machen Sie, wenn Sie die Zeit dafür finden? Joggen? Schwimmen? Spa? Oder einfach nur Füße hoch und Fernseher an?

Szyszkowitz: Wenn ich richtig erschöpft bin und Erholung brauche, lasse ich mich sehr gerne massieren. Massagen finde ich immer super. Ich bewege mich aber auch gerne in der Natur, zum Beispiel im Zillertal, wo wir eine Berghütte haben. Und ich mag es, zu feiern! Ich bin schon eine Partynudel, gehe gerne raus, treffe Leute. Ich bin ein sehr gesellschaftsliebender Mensch und kann mich zusammen mit anderen auch wunderbar entspannen. Ich gebe zum Beispiel auch gerne große Tanzfeste, weil ich so gerne tanze.

teleschau: Wenn Sie selbst so gerne feiern, sind Sie Ihren Söhnen gegenüber diesbezüglich auch weniger streng?

Szyszkowitz: Es stimmt, ich bin ein totaler Lustmensch. Aber ich übertreibe es mit der Lust nicht. Es kommt sehr selten vor, dass ich zum Beispiel mal zu viel getrunken habe. Und meine Kinder erleben mich so schon gar nicht. Ich bemühe mich, ihnen ein gutes Vorbild zu sein.

teleschau: Also trotz hoher Ansprüche eine lockere Mutter?

Szyszkowitz: Ja, was aber auch an meinen Kindern liegt. Mein älterer Sohn zum Beispiel hat in den vergangenen anderthalb Jahren einen erstaunlichen Wandel vollzogen. Er hat ein Mädchen kennengelernt, sich verliebt. Seit er mit dieser wunderbaren jungen Frau zusammen ist, hat er plötzlich gute Noten und keine Wodka-Feige-Fläschchen mehr in der Jacke (lacht). Wenn die beiden zusammen unterwegs sind, können mein Mann und ich gar nicht anders als ganz entspannt und sorgenfrei zu sein.

Quelle: teleschau - der mediendienst