Milo Ventimiglia

Milo Ventimiglia





Gefährlich gutes Aussehen

Er war Rockys Sohn im Box-Blockbuster "Rocky Balboa" - und natürlich schon immer ein Frauenschwarm. Milo Ventimiglia, kalifornischer Sohn eines Sizilianers und einer Mutter mit englisch-schottischen Vorfahren, wird weltweit noch immer für seine Rolle als Bad Boy Jess in der Serie "Gilmore Girls" angeschmachtet. Zusätzlich berühmt machte ihn seine Peter-Petrelli-Rolle in der zuletzt auf RTL II ausgestrahlten Serie "Heroes" - auch deswegen, weil er damals mit der Schauspieler-Kollegin Hayden Panettiere, der heutigen Wladimir-Klischko-Gattin, liiert war. Ab Montag, 2. Februar, 22.10 Uhr, sieht man in "Chosen", einer neuen Actionserie auf dem Pay-TV-Sender 13th Street, wieder. Der 37-Jährige spielt einen Familienvater, der von perfiden Mächten gezwungen wird, eine Box mit einem Revolver zu öffnen und scheinbar wahllos Menschen zu töten - um seine entführte Tochter zu befreien.

teleschau: Herr Ventimiglia, kürzlich wurde ihre neue Serie "Chosen" auf einer Party von 13th Street in München öffentlich vorgeführt. Muss toll sein, wenn man als Star zuschauen kann, wie die Leute reagieren.

Milo Ventimiglia: Und wie. Gleichzeitig ist es furchterregend. Natürlich hofft man, dass es den Leuten gefällt. Sich "Chosen" anzusehen, ist natürlich nichts, was die Leute zum Grinsen und Lachen bringt. Es gab doch einige, die sich ihre Hand vors Gesicht gehalten haben - mit einem großen "Oh, nein" auf den Lippen.

teleschau: Was hat "Chosen" denn für Sie interessant gemacht?

Ventimiglia: Mir kam die Geschichte originell vor. Und meine Rolle ist ein großartiger Charakter. Es gab bei dem Projekt Leute, mit denen ich unbedingt arbeiten wollte - unter anderem Ben Ketai und Ryan Lewis, den Erfindern der Serie. Es geht um einen Helden, der normalerweise in der Welt von Stiften und Computern lebt und der sich von einer Sekunde auf die nächste mit einer sehr bedrohlichen Situation arrangieren muss. Er muss lernen, ein Knarre abzufeuern - und Menschen zu erschießen.

teleschau: Eine rasante Verwandlung.

Ventimiglia: Hollywood zeigt gerne Leute, die sofort zur Waffe greifen und offensichtlich wissen, wie man damit umgeht. So ist das aber nicht: Waffen sind etwas Fürchterliches. Dies hat mich bei der Serie sofort angefixt - und die Vorstellung, das so etwas wirklich passieren könnte. Wir haben es hier nun mal nicht mit Fliegenden Untertassen, Superhelden oder verrückten Monstern zu tun. Hier geht es um die Monster in uns allen.

teleschau: Und dass sie diesmal keine Superhelden-Kräfte haben würden, vermissten Sie nicht?

Ventimiglia: (lacht) Nicht wirklich. Ich habe schon die unterschiedlichsten Typen verkörpert - aber ich bevorzuge es, jemanden zu spielen, der sich an die Naturgesetze hält. Obwohl es natürlich ziemlich cool wäre, wenn wir alle fliegen könnten.

teleschau: Für einen Schauspieler ist es vermutlich das Spannendste, wenn man einen Typen spielen kann, der unter großen Druck gerät und sich verändern muss. Wie sehr wird Ihr Held zum Verbrecher - und selbst böse?

Ventimiglia: Das ist die Frage, die sich alle Zuschauer früher oder später stellen werden. Die Serie dreht sich darum, wie weit er gehen wird, um diejenigen zu schützen, die er liebt. Wird er töten? Der Held gerät mitten hinein in eine ethische Schlacht - mit dem Dilemma, dass er etwas wagen muss, was man vielleicht als "notwendiges Übel" bezeichnen kann. Ist er wirklich ein Böser - weil er jemanden schützen will? Keine leichte Frage. Wird Ian Mitchell ein Bad Guy? Ich glaube, ein Bad Guy hätte Freude an dem, was er tut. Ian macht es keinen Spaß - er leidet.

teleschau: Sie haben die Serie selbst mitproduziert. Nicht nur doppelter Stress für Sie. Waren Sie nicht mal versucht, Ian in den Drehbüchern ein paar Momente zu geben, um kurz mal Luft zu schnappen?

Ventimiglia: (lacht) Niemals. Das ist doch das Tolle an der Serie, dass sich der Stress des Helden auf die Zuschauer überträgt. Man möchte unbedingt herausfinden, wohin ihn die sich überschlagenden Ereignisse bringen - und wie er es vielleicht bis ans andere Ende schafft. Auch wenn man ihn mal kurz wie betäubt in einem Sessel sitzen sieht, weiß man doch, dass sein Hirn gerade unter Hochdruck arbeitet.

teleschau: Was hat Sie an der zusätzlichen Produzenten-Rolle gereizt? Doch nicht allein die Aussicht auf einen besseren Caravan oder eine nettere Behandlung am Set?

Ventimiglia: Nichts davon. Wenn mich Leute fragen, ob ich mitproduzieren möchte, dann frage ich sie, womit ich ihnen behilflich sein kann - und wie ich am wenigsten störe. Ich kann mir vorstellen, dass es viele Kollegen gibt, die gerne als der "Boss" beim Drehen auftreten wollen. Für mich geht es nur darum zu helfen, wo ich nur kann.

teleschau: Es fällt Ihnen also offensichtlich nicht schwer, sich in die Rollen vor und hinter der Kamera einzufühlen.

Ventimiglia: Als ich bei "Rocky Balbao" mitmachen durfte, konnte ich aus nächster Nähe beobachten, wie Sylvester Stallone Regie führte, produzierte und als Star ziemlich entspannt für so eine Multi-Millionen-Produktion vor der Kamera agierte. Ich habe da eine Menge gelernt - einfach nur, indem ich ihm zuschauen durfte. Als junger Schauspieler, der selbst einmal Regie führen wollte, hat mir das damals so viel Mut gemacht. Stallone war stets bestens vorbereitet - und ließ sich gleichzeitig genau die Zeit, die er brauchte. Niemand arbeitete damals härter am Set als dieser Kerl. Wenn man nicht gut vorbereitet auftauchte, hatte man ein Problem.

teleschau: Bleibt Ihnen genug Zeit für den California Lifestyle?

Ventimiglia: (lacht) Was soll das sein? Surfen? An den Strand gehen?

teleschau: So zeigt man's uns zumindest in den Filmen und Serien.

Ventimiglia: Das Leben dort ist wirklich etwas entspannter. Was soll ich sagen - ich bin dort aufgewachsen. Anders kenne ich es nicht. Ich versuche, jeden Tag Zeit zu finden, die ich ganz mit mir selbst verbringe, um mich zu entspannen. Ich arbeite hart. Manchmal möchte ich einfach nicht so hart arbeiten.

teleschau: Ihre Familie lebt in der Nähe?

Ventimiglia: Meine Eltern leben ungefähr 45 Minuten entfernt. Ich versuche sie schon länger zu überreden, weiter in meine Nähe zu ziehen. Meine zwei Schwestern wohnen innerhalb von zwei Flugstunden entfernt. Ich sehe sie, so oft es geht.

teleschau: Zwei Flugstunden - "um die Ecke" für amerikanische Verhältnisse.

Ventimiglia: Natürlich. Ich wünschte, wir hätten so gute Zugverbindungen, wie es sie in Europa oder in Japan gibt. Ich wäre ständig mit dem Zug unterwegs.

teleschau: Ab wann waren Sie sich eigentlich sicher, dass Sie Schauspieler werden würden?

Ventimiglia: Schon als Kind ging das los. Natürlich hatte ich auch andere Träume - Feuerwehrmann oder Kampfpilot zu werden. Schauspielern hat mich angezogen: Ich wollte schon immer Leute unterhalten und zum Lachen bringen. Ich habe meinen Weg gefunden. Und nun stecke ich so tief drin, dass es wohl keinen Ausweg mehr gibt.

teleschau: Gibt Ihnen ein Serien-Job eigentlich ein Gefühl von Sicherheit? Manchmal hört man ja von Schauspielern, dass sie Sorgen haben, dann für andere Projekte geblockt zu sein - weil sie in festen Verträgen stecken.

Ventimiglia: Solchen Leuten kann man nur sagen: Du hast einen Job. Und der hat dich zu dem gemacht, was du bist. Fernsehen ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Man muss wissen, wie man das Tempo durchhält und wie man seine Kräfte einteilt. Es ist schön, wenn man über das Jahr verteilt eine verlässliche Einkommensquelle hat. Wenn man das Gefühl hat, im Leben etwas zu verpassen, dann ist das ein Zeichen für eine unzufriedene Persönlichkeit. Gut möglich, dass solche Leute dieses Gefühl auch in einem Büro-Job hätten. Natürlich spüre ich manchmal, dass ich einen schlechten Tag habe und lieber wo anders wäre. Dann erinnere ich mich selbst daran: Das ist der Platz im Leben, wo ich hingehöre. Man darf sich nicht verrückt machen lassen.

teleschau: Auch nicht von Ihren vielen Fans? Erhöht Ihr Bekanntheitsgrad manchmal den Druck, morgens aufzustehen und Milo Ventimiglia sein zu müssen?

Ventimiglia: Natürlich gebe ich Interviews - wie dieses hier. Dann sieht man mich vor der Kamera. Oder ich schreibe selbst einen Tweet. Die Leute basteln sich daraus ein Bild, wer ich sein könnte. Ich fühle überhaupt keinen Druck, irgendjemand anders sein zu müssen als ich selbst.

teleschau: Hollywood gilt als Jahrmarkt der Eitelkeiten. Wie schwer ist es, seinen Status als einer der bestaussehenden Männer zu verteidigen?

Ventimiglia: (lacht) Ich habe keine Ahnung.

teleschau: Sie leben doch gesund?

Ventimiglia: Na klar, ich gebe mein Bestes, mich um mich selbst zu kümmern. Das heißt natürlich nicht, dass ich keine Fehler habe. Wenn man vor die Kamera tritt, muss man sich eben fit und gesund halten. Das wollen die Leute sehen.

teleschau: Nie Sorgen, dass Leute sie jagen - und einmal in Momenten aufspüren, in denen Sie lieber unbeobachtet wären?

Ventimiglia: Nicht wirklich. Ich habe das Glück, dass sich mir die Leute mit einem Lächeln im Gesicht nähern. Das gefällt mir, ich treffe gerne nette Menschen. Ich fühle mich nie bedroht.

teleschau: Bei Ihnen wird von Ihren Fans jeder Schritt kommentiert.

Ventimiglia: Ich stehe immer unter Beobachtung. So what? Wenn ich mal nichts zu tun habe, dann lasse ich eben einen Bart stehen und die Haare dürfen wachsen. Dass die Leute über mein Aussehen reden, kann ich nicht verhindern. Kommentieren geht ja so leicht im Internet. Überall lese ich: Warum tragen Sie einen Bart? Warum diese Frisur? Meine Antwort ist kurz und eindeutig: Weil ich Schauspieler bin. Für bestimmte Rollen muss man sich eben verändern. Fans sehen das manchmal anders: Sie wollen, dass mit mir alles genau so bleibt, wie sie mich einmal liebgewonnen haben. Eines Tages werde ich auch einen Großvater spielen - auch darüber können die Leute dann reden.

Quelle: teleschau - der mediendienst